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Wirtschaft

Grünes Licht für Mautsystem von
Toll Collect

Mit knapp eineinhalbjähriger Verspätung kann das deutsche Mautsystem für Lastwagen nun endgültig zum 1. Januar 2005 an den Start gehen. Eine Geschichte voller Pleiten, Pech und Pannen scheint damit zu Ende zu gehen.

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Künftig 12 Cent pro Kilometer und LkW auf deutschen Autobahnen

Das Bundesamt für Güterverkehr erteilte dem Konsortium Toll Collect am Mittwoch (15.12.2004) in Berlin offiziell eine "besondere vorläufige Betriebserlaubnis" für die satellitengestützte Erfassung der Straßennnutzungsgebühr für Lastwagen. Eigentlich hätte die Gebühr bereits im August 2003 eingeführt werden sollen. Wegen technischer Probleme musste Toll Collect den Start des Systems jedoch mehrfach verschieben. Dem Bund entgingen Einnahmen in Milliardenhöhe.

Gegen Mautpreller

Manfred Stolpe, neuer Verkehrsminister

Manfred Stolpe (Archiv)

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) kündigte zugleich strenge Kontrollen an, um Mautpreller aufzuspüren. Mehr als 500 Kontrolleure des Bundesamtes sollen den Lkw-Verkehr auf deutschen Autobahnen überwachen. Mautpreller sollten keine Gelegenheit bekommen, "irgendwie daran vorbeizufahren", sagte Stolpe. Das gelte für inländische und ausländische Fahrer. Pro Kilometer müssen für einen Laster über zwölf Tonnen durchschnittlich 12,4 Cent bezahlt werden. Um Staus zu verhindern, will Toll Collect in den ersten Wochen mehr als 5000 Helfer einsetzen.

Die Bundesregierung erhofft sich durch die Maut im ersten Jahr rund drei Milliarden Euro Einnahmen. Sie sollen teilweise in Verkehrsinvestitionen fließen. Die Genehmigung der EU vorausgesetzt, sollen Lkw-Fahrer, die in Deutschland tanken und somit Mineralölsteuer zahlen, gegen Vorlage der Quittungen rund 600 Millionen Euro jährlich von den Mauteinnahmen zurückerhalten.

Bordcomputer einbauen

Die Erfassung der Fahrten soll in der Regel über Bordcomputer erfolgen. Der Mautbetreiber Toll Collect hat in den vergangenen Monaten beim Einbau dieser so genannten On Board Units (Obu) weiter aufgeholt. "Wir haben bis heute 260.000 Obus eingebaut", sagte eine Sprecherin am Montag der "Berliner Zeitung". Die Zahl der bestellten Erfassungsgeräte sei auf 370.000 gestiegen, 353.000 davon habe Toll Collect bereits in die Werkstätten geschickt.

Für einen reibungslosen Mautstart müssten Schätzungen zufolge rund 500.000 Lkw mit Obus ausgerüstet sein. Nach Toll-Collect-Prognosen sind jedoch nur 275.000 bis 350.000 eingebaute On Board Units bis Jahresende wahrscheinlich, berichtete die Zeitung weiter.

Franzosen langsamer als Polen

Großen Beratungsbedarf bei der Umstellung auf das deutsche Mautsystem dürften dem Zeitungsbericht zufolge die Franzosen haben. Bisher seien für die 21.000 registrierten französischen Lkw erst 3200 Obus bestellt worden. Das sei die geringste Quote in der EU. Mehr Vertrauen in das Mautsystem scheinen die Polen zu haben. Für deren 18.000 registrierten Lkw seien schon 14.000 Obus bestellt worden.

Bezahlt werden kann auch übers Internet sowie an Kassenautomaten. Zudem ist eine telefonische Buchung von Strecken möglich. Der Call-Center-Konzern Walter Tele-Medien bietet Medienberichten zufolge ab Januar 2005 den Service "Toll Direct" in zehn Sprachen an. Der Service ist über die Telefonnummer 0180-55888 erreichbar. Damit ist es Logistikunternehmen möglich, ohne Borderfassungsgeräte auf deutschen Autobahnen unterwegs zu sein. Diese Dienstleistung kostet aber zusätzlich zu den Kilometer-Gebühren Geld. 99 Cent pro Gesprächsminute plus Mehrwertsteuer verlangt Walter für die Einbuchung über das Handy. (mas)

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