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Kultur

Grünes Gold für die Armen

Internationale Forstwirtschaftskonferenz in Bonn: Experten aus über 40 Ländern möchten Lösungen finden, wie man Wälder und die biologische Vielfalt erhalten kann und gleichzeitig Armut bekämpfen kann.

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Waldrodung für Landwirtschaft - ein rentables Geschäft?

Was ist so schlimm daran, ein paar Bäume zu fällen, um dann auf dem Land Getreide zu pflanzen? Zudem kann ja auch noch das Holz verkauft werden – ein gutes Einkommen für die Armen. Auf einer internationalen Forstwirtschaftskonferenz ("Rural Livelihoods, Forests and Biodiversity") in Bonn kommen bis zum 23. Mai 2003 180 Experten aus 40 Ländern zusammen um diese und andere Fragen zu diskutieren.

Täglich wird überall in der Welt ein Stück vom Wald gerodet. Mit jedem Baum der fällt, verlieren die Menschen aber nicht nur ein bisschen schattenspendendes Grün. Denn: Der Wald ist mehr wert, als das Geld, dass man für Holz bekommt. David Kaimowitz, Direktor des internationalen Waldforschungsinstituts CIFOR erläutert, dass die ärmsten der Armen hauptsächlich in der Nähe tropischer Wälder lebten. "Sie nutzen den Wald zum Jagen und Fischen, bauen ihr Getreide dort an und züchten ihre Tiere. Sie finden im Wald Medizin. Sie benutzen Holz zum Kochen, Heizen und um Häuser zu bauen. Und sie verkaufen die Produkte des Waldes und haben so ein Einkommen."

Der Wald als Sicherheitsnetz

Dabei ernährt, wärmt und schützt der Wald die Menschen nicht nur in normalen Zeiten, so Ian Johnson von der Weltbank. "Wenn die Ernte ausfällt, wenn Kriege herrschen oder Naturkatastrophen hereinbrechen, sind Wälder oft die einzigen Sicherheitsnetze. Sie liefern den Menschen das Nötigste zum Überleben."

Aber selbst für Stadt-Menschen sind Wälder wichtig: Nur ein funktionierender Wald reguliert den Wasserkreislauf – und wer möchte nicht gerne, dass weiterhin klares Wasser aus seiner Leitung fließt. Je mehr Wälder verschwinden, desto größer ist die Erhitzung unseres Klimas. Nicht zuletzt werden in den grünen Tiefen der Regenwälder ständig neue Pflanzen und Tiere entdeckt – für die Medizin eine lebende Apotheke.

Der Wald als Lebensgrundlage

Das Problem: Besonders in tropischen Regionen wird der Wald abgeholzt, um Fläche zur Landwirtschaft zu schaffen und das Holz zu verkaufen. Die gewonnenen Felder sind allerdings nur wenige Jahre fruchtbar, danach muss erneut gerodet werden. So zerstören die Menschen mit der Zeit Stück für Stück ihren eigenen Lebensraum und rutschen im Zweifel immer tiefer in die Armut.

Was aber ist zu tun? Ian Johnson schlägt vor, dass die Menschen vor Ort beim Schutz, der Bewirtschaftung der Wälder und am Gewinn beteiligt werden sollten. Märkte und Preissysteme sollten so gestaltet werden, dass Wälder geschützt werden."

Entscheidungskompetenz für die Menschen vor Ort

Der Kern der Idee: Menschen vor Ort, die vom Wald leben, wissen am besten, wie man den Wald bewirtschaftet. Und: Sie haben das größte Interesse auch morgen noch ihren Lebensunterhalt im Wald zu finden. Greg Clough, Mitarbeiter von CIFOR besuchte in Indonesien Dörfer, in denen die Bewohner für ihren Wald selbst verantwortlich waren: "Ich kam auch zu einem anderen Dorf, in dem die Gemeinschaft einstimmig beschlossen hatte, einen Teil ihres Waldes zu verkaufen. Sie meinten, sie bräuchten mehr wirtschaftliche Entwicklung und mehr materielle Güter – wie Radios, Fernsehen, bessere Wohnungen, bessere Kleidung."

Ein allgemeingültiges Rezept zum Schutz der Wälder gibt es nicht. Die Konferenz ist aber wohl eine gute Möglichkeit alte Rezepte zu verbessern und neue zu finden.

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