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Deutschland

Grünes Gemüse vom braunen Hof

Neonazis als Biobauern - was wie ein Gegensatz klingt, scheint in einigen Regionen zum Problem zu werden. Die Branchenverbände wollen rechtsextreme Mitglieder ausschließen. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt.

"Die Anzahl der Nahrungsmittelskandale hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Ursache hierfür ist die immer skrupellosere Haltung der Menschen gegenüber Tieren als Teil der Natur." Dieser Satz stammt nicht etwa von einer Umweltschutzorganisation, sondern aus den "Grundsätzen nationaldemokratischer Politik" der rechtsextremen NPD.

Windpark mit Traktor (Foto: Paul Langrock)

Ökologische Anbauverbände fürchten um ihr Image

Die Verquickung von rechtem Gedankengut und Naturschutz ist nicht neu. Experten sehen jedoch einen wachsenden Trend, dass sich nationalistische Gruppierungen über Umweltthemen neue Zielgruppen erschließen. Im letzten Jahr veröffentlichte die Heinrich-Böll-Stiftung, die politisch den Grünen nahe steht, einen Bericht mit dem Titel "Braune Ökologen". Sympathisanten der rechten Szene, so der Text, würden vorrangig in wirtschaftlich benachteiligten Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern Grundstücke, Höfe und Ländereien erwerben und versuchen, Zugang zu den Produktions- und Vertriebsnetzen der Bio-Branche zu bekommen.

Anbauverbände sind alarmiert

"Sie versuchen, ein ganz normaler Teil der Gesellschaft zu werden - was gefährlich ist, da sie sehr menschenverachtende Einstellungen vertreten", so Gudrun Heinrich, die sich an der Universität Rostock mit Rechtsextremismus befasst und an der Veröffentlichung der Böll-Stiftung mitgearbeitet hat.

Gregor Pöpsel, Bundesgeschäftsführer von "Bioland", einem der größten ökologischen Anbauverbände in Deutschland, sieht diese Entwicklung sehr kritisch. "Wir müssen vorbeugen, weil es bestimmte Personen oder auch Gruppen gibt, die mehr im biologischen Landbau und in seinen Grundsätzen vermuten, als uns lieb ist. Ich spiele da auf rechte Gesinnungen an, die mit dieser Blut-und-Boden-Ideologie das Gefühl haben, dass dies in ähnlicher Form auch im ökologischen Landbau der Fall sein könnte", sagte er im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Ausschluss von Mitgliedern möglich

Gregor Pöpsel, Bundesgeschäftsführer von Bioland (Foto: Bioland)

Gregor Pöpsel, Bundesgeschäftsführer von Bioland

Bioland hat, wie andere Verbände auch, nach Bekanntwerden der Berichte im letzten Jahr Maßnahmen ergriffen, um rechtsextreme Mitglieder vom Verband fernzuhalten: "Wir haben unsere Satzung im letzten Herbst präzisiert, indem wir ganz klar postulieren, dass Bioland rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen und anderen menschenverachtenden Verhaltensweisen entgegentreten kann, und dass wir auf dieser Grundlage auch Mitglieder ausschließen können."

Konkret sei es aber bisher noch nicht zu Ausschlüssen gekommen. "Es wäre vermessen zu behaupten, dass wir keine Mitglieder mit einer rechten Gesinnung haben, dazu kann ich keine Aussage treffen. Aber wenn uns jemand auffällt, müssen wir reagieren können, bevor er den Verband und unsere Werte in den Schmutz zieht."

Rechte Ökologen im Dritten Reich

Die Verknüpfung von Ökologie und rechtem Gedankengut sei schon bei den Nationalsozialisten zu finden gewesen, so Nils Franke, Historiker mit dem Schwerpunkt Naturschutz aus Leipzig. "Das erste gesamtdeutsche Gesetz zum Umweltschutz wurde 1935 von Hitlers Regierung beschlossen. Die Idee, den nationalen Grund und Boden zu schützen, "sprach die Leute an und hatte einen propagandistischen Effekt".

Kisten mit Gemüse (Foto: picture-alliance)

Verbraucher greifen gerne zu Bio-Produkten

Die Rechtsextremisten unserer Tage versuchten nun, Umweltthemen in einer ähnlich propagandistischen Weise zu nutzen, so Franke. "Sie sagen das eine und meinen etwas anderes. Es ist eine Art Trojanisches Pferd."

Rechtes Gedankengut ist in fast jeder Berufsgruppe vertreten. Landwirte, auch ökologisch orientierte, machen da keine Ausnahme. So glaubt auch Gregor Pöpsel von Bioland nicht, dass die Anziehungskraft des biologischen Landbaus auf Rechtsextreme besonders hoch sei. Um als Verbraucher jedoch absolute Sicherheit zu haben, wie derjenige denkt, der den Apfel oder den Salat angebaut hat, bleibt einem wohl nur der Gang zum Bauern um die Ecke - im Hofladen ergibt sich vielleicht auch das eine oder andere politische Gespräch.

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