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Europa

Grüner Korridor statt Eiserner Vorhang

Am ehemaligen Eisernen Vorhang schlängelt sich von Lappland bis zum Schwarzen Meer eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft: Das "Grüne Band Europas" ist Thema einer Ausstellung im österreichischen Linz.

Blick auf ein ehemaliges Grenzhäuschen (Foto: Alexander Musik)

Das ehemalige Grenzgebiet zwischen Österreich und Tschechien ist jetzt Naturschutzgebiet

Allein entlang der oberösterreichisch-tschechischen Grenze, im Böhmerwald, ist das "Grüne Band" 122 Kilometer lang. Zu beiden Seiten des unregulierten Grenzflusses, der Maltsch, erstreckt sich eine artenreiche Auwaldlandschaft - eine Heimat für Luchse, Eulen und den Wachtelkönig. In der Maltsch selbst finden sich Flussperlmuscheln, die aus Europas Gewässern fast verschwunden sind.

Diese "erzwungene Verwilderung" entlang der einst stark gesicherten Grenzanlagen sieht der Biologe Thomas Wrbka als Herausforderung. Der Wissenschaftler an der Universität Wien hat dazu eine Ausstellung mit dem Titel "Grenze.Wildnis. Zukunft" zusammengestellt, die kürzlich im Linzer Schloss eröffnet wurde: "Wir haben die Chance, in einem dicht bevölkerten Kontinent aus dieser ehemaligen Todeszone eine Lebenslinie zu machen, indem wir einfach dieses Land, das noch niemandem gehört, worauf noch niemand Anspruch erhebt, sichern", sagt Wrbka.

Rothirsche haben noch immer die Grenze im Kopf

Ein Luchs steht auf einem Ast (Foto: Josef Limberger)

Die Luchse haben ihre Terrain zurückerobert, nachdem die Grenzen gefallen sind

Der Biologe hat viele Abschnitte entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs bereist. Er war an der bulgarisch-griechischen und an der finnisch-russischen Grenze, er hat sich den früheren innerdeutschen Todesstreifen angesehen und die Grenzgebirge des Balkans. Wrbka möchte mit der Ausstellung zeigen, wie sensibel die Tier- und Pflanzenwelt auf Grenzanlagen reagieren.

Die Rothirsche hätten beispielsweise noch immer nicht gelernt, ihre angestammten und damals unterbrochenen Migrationsrouten wieder zu benutzen, sagt Wrbka. Sie machen noch immer an der Stelle Halt, wo vor 20 Jahren die Grenze verlief. Andere Arten sind schneller: In den slowenisch-österreichischen Grenzalpen wurden wieder Bären beobachtet, im Böhmerwald Luchse, Wildkatzen, Elche und Wölfe. Die Grenz-Biotope sind auch Heimat seltener Pflanzen: gelbe Moltebeeren in den Mooren Estlands und Finnlands, die Sumpfcalla oder der Böhmische Enzian.

Vogel-Beobachtung unter den Augen der Stasi

Ein Vogel im Gras (Foto: Josef Limberger)

Auch der Wachtelkönig hat im "Grünen Band" seine Heimat

Die Idee für das europaweit vernetzte Schutzgebiet hatte der bayerische Ökologe Kai Frobel, der in Sichtweite der deutsch-deutschen Grenze aufgewachsen ist. Von der Stasi beargwöhnt erforschte er dort die Vogelwelt. Schon 1989 warb er für die Idee des "Grünen Bandes" und arbeitete mit ostdeutschen Umweltschützern zusammen. Seiner Arbeit ist die erste Station des Ausstellungsparcours im Linzer Schloss gewidmet.

Auch heute arbeiten private und staatliche Naturschützer Österreichs mit denen in Tschechien zusammen. Das ist nicht nur im Sinne Europas, sondern auch notwendig, wenn die Landschaft entlang des "Grünen Bandes" erhalten werden soll. "Es besteht immer die Gefahr, dass über Flächennutzungspläne, Infrastrukturprojekte und Tourismusprojekte der Naturschutz ins Hintertreffen gerät. Dem müssen wir vorbeugen und die Sache offensiv angehen", sagt Gottfried Schindlbauer von der Naturschutzbehörde Oberösterreich.

Singvögel-Jagd in Montenegro

In einem Wald verläuft ein Streifen, der nicht bewachsen ist (Foto: Richard A. Fuchs)

An vielen Stellen sind die Narben der Geschichte noch sichtbar

Das "Grüne Band" ist durch intensive Landwirtschaft, Wasserkraftwerke, Kahlschlag, Straßenbau und die Jagd bedroht. In Italien schießen Jäger beispielsweise illegal Singvögel. In Montenegro bieten Reisebüros ganz offiziell Singvögel-Safaris an. Es gebe zwar Gesetze, die das verbieten, aber die würden nicht eingehalten, ärgert sich Thomas Wrbka. Auch auf diesen Missstand will die Ausstellung "Grünes Band Europas", die noch bis Januar 2010 im Linzer Schloss zu sehen ist, aufmerksam machen.


Weitere Informationen zur Ausstellung:
Die Ausstellung läuft noch bis zum 10. Januar 2010 im Schlossmuseum in Linz. Geöffnet ist sie ab 10 Uhr.


Autor: Alexander Musik
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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