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Aktuell Deutschland

Grüne stellen sich Pädophilie-Vorwürfen

Die Grünen versuchen sich in Schadensbegrenzung: Der Vorwurf, Pädophilie in den 80er Jahren unterstützt zu haben, wiegt schwer. Grünen-Spitzenkandidatin Kathrin Göring-Eckardt hat sich nun ganz klar positioniert.

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt im Porträt (Foto: dpa)

Katrin Goering-Eckardt Die Grünen Bundestagsvizepräsidentin

Die Grünen-Spitzenkandidatin Göring-Eckardt hat Fehler ihrer Partei im Umgang mit Päderasten in den 80er Jahren eingeräumt. Über den Einfluss von Pädophilie-Befürwortern in den Anfangsjahren der Grünen sagte sie der Zeitung "Welt am Sonntag": "Damals sind offenkundig Grenzen überschritten worden, die man nie hätte überschreiten dürfen". Für sie seien diese "unsäglichen Debatten" und "inakzeptablen Positionspapiere" sehr schwer zu verstehen, sagte Göring-Eckardt, die in der DDR groß wurde. Es sei falsch gewesen, "solchen Debatten und Gruppen Raum zu geben". Das sei "ein Fehler, den wir bedauern". Bei diesem Kapitel grüner Geschichte sei aber nach ihrer Kenntnis nichts "vertuscht oder relativiert" worden, so Göring-Eckardt weiter. "Der Versuch der Päderasten, Einfluss auf grüne Politik zu nehmen, ist letztlich gescheitert."

Wissenschaftliche Aufarbeitung beauftragt

Um sich nicht noch weiteren Vorwürfen auszusetzen, haben die Grünen inzwischen den Göttinger Parteienforscher Franz Walter beauftragt, dem Einfluss von Pädophilie-Befürwortern in den Anfangsjahren der Partei auf den Grund zu gehen. So haben sie mit Walters Institut für Demokratieforschung der Göttinger Universität einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen.

Porträt Steffi Lemke, Bundesgeschäftsfuehrerin der Grünen (Foto: dpad)

Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke will die Aufarbeitung unterstützen

Das Institut wird laut der Bundesgeschäftsführerein der Grünen, Steffi Lemke, von der Partei in vollem Umfang Unterstützung erhalten, "insbesondere, was den uneingeschränkten Zugang zu Akten, Protokollen und sonstigen Informationen angeht, soweit diese in der Verfügung der Partei sind". Damit solle eine wissenschaftlich fundierte, systematische Aufarbeitung zu der Frage geleistet werden, wie lange, in welchem Umfang und mit welchem Einfluss Gruppen oder auch Einzelpersonen die Forderungen nach Straffreiheit für Sexualität von Erwachsenen mit Kindern vertreten haben. Lemke äußerte ihr Bedauern darüber, dass "es in den Anfangsjahren der Partei Raum für diese Debatten und Forderungen gegeben habe. "Das ist ein Fehler, für den unsere Partei ohne Wenn und Aber die Verantwortung trägt."

Cohn-Bendit brachte Stein ins Rollen

In den vergangenen Wochen war immer wieder über Details debattiert worden. So waren in einer Bundesarbeitsgemeinschaft der Grünen, die in den 80er Jahren für die Rechte von Schwulen eintrat (BAG SchwuP), auch Aktivisten für Pädophilie. Diese BAG wurde 1987 aufgelöst. Seit der Debatte um ihren Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit setzen sich die Grünen verstärkt mit dem Thema auseinander. Dieser war wegen pädophiler Äußerungen in seinem Buch "Der große Basar" von 1975 in die Kritik geraten. Cohn-Bendit bezeichnete die Passagen wiederholt als dumme Provokation.

Eva Quistorp, Gründungsmitglied der Grünen in den Jahren 1979/80, mahnte ebenfalls eine schonungslose Aufarbeitung der Pädophilie-Vorwürfe ihrer Partei an. Man müsse selbstkritisch mit Fehlern und blinden Flecken umgehen und nichts unter den Teppich kehren, sagte sie im Fernsehsender 3sat. Sie erklärte: "Die Grünen hatten ein Problem mit den Grenzen der Freiheit, weil sie überhaupt keine Grenzen mehr imaginierten, sondern sich selber immer auf der Seite des Guten und Richtigen wähnten und glaubten, man würde so die ganze Menschheit befreien." In dieser Atmosphäre hätten dann auch die Pädophilen zu sehr Einzug in die Grünen gehalten.

as/wa (dpa, kna)