Grüne Oase: In Südafrika trifft Wassersport auf Umweltschutz | Wissen & Umwelt | DW | 12.12.2017
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Eigeninitiative

Grüne Oase: In Südafrika trifft Wassersport auf Umweltschutz

Ein Kanuklub in einer armen Township nahe Kapstadt hat aus einem ehemals vermüllten Feuchtgebiet einen Treffpunkt für junge Menschen und eine grüne Oase für Mensch und Natur gemacht.

Als Siyanda Sopangisa und sein Bruder Akhona noch kleine Jungs in einem Township in Kapstadt waren, war ihr Lieblingsort ein Feuchtgebiet in der Nähe. So oft wie möglich waren sie hier, um zu schwimmen, stundenlang. Über die Jahre aber hat sich das Gebiet verändert. Niemand konnte hier mehr schwimmen, Tiere und Pflanzen hatten keinen Platz mehr zum Leben. Aus dem Feuchtgebiet war eine Müllhalde geworden.

2013 dann, als die Jungs von damals erwachsen waren, wurde ihnen klar, dass sie etwas tun mussten, um den Ort ihrer Kindheit zu retten. Und die notwendige Eingebung kam aus dem Fernsehen in Form einer Sendung über einen Kanuklub in einer anderen südafrikanischen Provinz. Gemeinsam mit Freunden gründeten sie den "Khayelitsha Canoe Club". Denn Sport, hofften sie, könnte ihrer Gemeinde helfen und gleichzeitig das verdreckte Feuchtgebiet säubern.

Aber bevor sie die Boote ins Wasser lassen konnten, musste der Müll weg.

"Wir mussten den Fluss von Grund auf reinigen", sagt Sopangisa gegenüber DW. "Dazu waren wir von früh morgens bis spät abends hier. Wir haben Badewannen, Autoreifen, Windeln, Stoßstangen und Matratzen gefunden — eigentlich fast alles, was man sich nur denken könnte. Wir haben sogar ein totes Kalb herausgezogen." Die Aufräumaktion dauerte fast ein Jahr.

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Siyanda Sopangisa, Gründer des Khayelitsha Canoe Club (Source: Ian Harris)

Eine Sportsendung im Fernsehen inspirierte Siyanda Sopangisa und seine Freunde dazu, den "Khayelitsha Canoe Club" zu gründen und einen Teil des örtlichen Feuchtgebiets zu säubern

Angst vor Haien und Krokodilen

Anfangs bestand ein Hauptproblem darin, den Jugendlichen im Township den Kanusport nahezubringen. "Die meisten glaubten, da drin gebe es Haie und Krokodile", sagt Sopangisa. Seinen Job im örtlichen Supermarkt hatte er aufgegeben, um den Klub zu leiten. "Die Jugendlichen sahen das Feuchtgebiet als einen Ort, an dem man seine Freizeit nicht verbringen könnte."

Heute hat der kostenlose Verein 20 Boote und 45 aktive Mitglieder. Sie sind zwischen 10 und 18 Jahren alt.

Jeden Samstag und Sonntag sind die Vereinsmitglieder auf dem Wasser. Für fünf Stunden trainieren sie, lernen Schwimmen, Kanu-Polo und alles, was sie zum Thema Sicherheit auf dem Wasser wissen müssen.

"Anfangs war es sehr sehr schwierig, weil das Kanu sehr wackelig ist", sagt der 17-jährige Philasande Klaas, der seit drei Jahren dabei ist und Wettkampfkanute werden will. "Man muss schwimmen und das Kanu dabei mitnehmen. Das war gruselig."

Kinder und ein Trainer beim Kanufahren

Die Klubmitglieder lernen Kanu fahren und wie sie die Umwelt besser schützen können

Wirf es in den Mülleimer

Dass die Menschen ihren Müll oft im Feuchtgebiet entsorgt haben, lag in erster Linie an einem fehlenden Umweltbewusstsein. Das komme zwar immer noch vor, sagt Sopangisa, aber der Kanuklub habe das Umweltbewusstsein gestärkt. Die Kinder, die inzwischen auf dem Fluss paddeln, haben angefangen ihren Eltern zu sagen, dass sie keinen Müll mehr ins Wasser werfen sollen.

"Wenn das doch passiert, dann sage ich: 'Nimm es und wirf es in den Mülleimer'", erzählt Philasande Klaas. Er ergänzt, dass der Sport auch seine eigene Sicht auf den Umweltschutz verändert hat.

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Weil der Umweltschutz heute ernster genommen wird, ist das Feuchtgebiet inzwischen auch Teil des "Khayelitsha Wetland Recreational Parks". Und immer noch kommen jedes Wochenende Freiwillige aus der Gemeinde und helfen, den Fluss zu säubern. Dem geht es inzwischen wieder besser. Tiere und Pflanzenarten kommen zurück, darunter die südafrikanische Schwarzente, Welse oder die sogenannten Silberbäume.

Dem 15-jährigen Thobani Plaatjie, der ebenfalls schon einige Jahre im Klub ist, geht es auch nicht nur ums Paddeln. Der Verein hat ihm geholfen, die Natur zu entdecken, sagt er. "Ich mag diesen Sport. Er ist kaum bekannt. Und ich mag das Wasser und in der Natur zu sein." Er kommt fast jeden Tag nach der Schule her, um zu paddeln.

Paddeln im Township

In Südafrika steht der Begriff 'Township' für besonders arme Stadtgebiete, in denen während des Apartheid-Regimes ausschließlich schwarze Südafrikaner lebten, die zu den ärmsten des Landes gehörten. In keinem anderen der Townships gibt es etwas Vergleichbares, wie den "Khayelitsha Canoe Club".

Kinder beim Paddeln (Iain Harris)

Das Feuchtgebiet beheimatet verschiedene Pflanzen und Tierarten, ist aber zur Müllhalde verkommen


Paddeln im Township ist aus verschiedenen Gründen kompliziert. Es geht nicht nur um Überzeugungsarbeit, sondern einfach auch um fehlenden Platz. "Sie haben keine 200-Meter-Gerade, auf der sie trainieren können", sagt Richard Kohler. Er leitet und trainiert "Century City Canoe", einem anderen Klub, der Khayelitsha mit Ausrüstung und bei der Sponsorensuche unterstützt. 200 Meter ist insofern eine wichtige Zahl, weil es sich dabei um die kürzeste Wettkampfdistanz für Kanu-Sprints handelt.

Ein weiteres Problem ist das Klima. Nach einer verheerenden Dürre in der südafrikanischen Provinz Westkap ist der Wasserstand im Feuchtgebiet so dramatisch gesunken, dass es immer schwerer wird, auf dem Fluss zu paddeln.

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Internationale Besucher

Trotz aller Schwierigkeiten will der "Khayelitsha Canoe Club" durchhalten. Seine Gründer hoffen, dass ein Klubmitglied eines Tages am "Dusi-Kanu-Marathon" teilnehmen wird, der größten Kanuveranstaltung auf dem afrikanischen Kontinent.

Das notwendige Geld dafür soll unter anderem von Paddeltouren für Touristen kommen. Besucher aus Deutschland, Frankreich und Norwegen sind schon da gewesen. Sopangisa bereut also nicht, seinen Job im Supermarkt aufgegeben zu haben. Er ist froh, dass auch die kommende Generation etwas vom Feuchtgebiet haben wird, sagt er, genau wie sein Bruder und er.

"Früher war ich oft gestresst. Wenn ich im Feuchtgebiet bin, dann bin ich entspannt. Was ich gelernt habe, ist: Mach was du liebst. Und eine wichtige Lektion ist, Geduld zu haben."

Die Wunder der Feuchtgebiete (Englisch):


 

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