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Aktuell Deutschland

Grüne fordern echte Homo-Ehe auch für Deutschland

Nach dem Referendum in Irland machen sich die Grünen für die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen in Deutschland stark. Die Fraktionsvorsitzende der Partei, Göring-Eckardt, fordert die Bundeskanzlerin zum Handeln auf.

Die Bundesrepublik sei einst Vorreiter bei der Gleichstellung gewesen, sagte Katrin Göring-Eckardt der Zeitung "Welt". Inzwischen aber, so die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, "hat uns sogar Irland überholt". Sie forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Handeln auf: "Die Merkel-Union wird die Debatte um die Ehe für alle nicht einfach aussitzen können."

Keine wirkliche Gleichstellung in Deutschland

In Deutschland können gleichgeschlechtliche Paare seit 2001 zwar eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Allerdings haben sie etwa im Steuer- oder Adoptionsrecht nicht die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare. Dies geht auf unionsregierte Bundesländer zurück, die eine komplette Gleichstellung mit der Ehe bei der Abstimmung im Bundesrat verhindert hatten.

Endergebnis bestätigt klare Mehrheit

Anders nun in Irland: In einer Volksabstimmung hatte sich die Mehrheit der Iren klar für eine komplette gesetzliche Gleichstellung homosexueller mit heterosexuellen Paaren ausgesprochen. Nach dem offiziellen Endergebnis stimmten 62,1 Prozent dafür, 37,9 Prozent votierten dagegen. Die Beteiligung an dem Referendum lag bei 60,5 Prozent. Konkret wurde über eine Verfassungsänderung abgestimmt, wonach Ehen künftig unabhängig vom Geschlecht geschlossen werden dürfen. Bislang konnten sich homosexuelle Paare zwar als Lebenspartnerschaft eintragen, profitierten aber - wie in Deutschland - nicht vom gleichen verfassungsgemäßigen Schutz der Familie.

Das Endergebnis der Volksabstimmung, das im Schloss von Dublin verkündet worden war, sorgte für großen Jubel bei den versammelten Befürwortern der Homo-Ehe: Sie sangen spontan die Nationalhymne, Luftballons in Herzform stiegen auf. Zahlreiche Prominente gratulierten Irland zu dem Schritt, darunter US-Vizepräsident Joe Biden, die Schriftstellerin JK Rowling und der Popsänger Ronan Keating.

Eine "soziale Revolution" in Irland

Die Regierung des konservativen Premierministers Enda Kenny hatte sich vehement für die Zulassung der Homo-Ehe eingesetzt. "Das ist ein großer Tag für Irland", sagte Gesundheitsminister Leo Varadkar. Er hatte erst im Januar seine eigene Homosexualität öffentlich gemacht. "Für mich persönlich ist das nicht nur ein Referendum, sondern eine soziale Revolution." Der Premier selbst lobte die hohe Wahlbeteiligung von mehr als 60 Prozent. Allein 60.000 Menschen hatten sich eigens für die Abstimmung ins Wahlregister eingetragen. Viele, vor allem junge Menschen, waren aus dem Ausland in ihre irische Heimat zurück gereist, um an der Abstimmung teilzunehmen.

Zu den Gegnern der Homo-Ehe hatte vor allem die katholische Kirche gehört. "Glückwunsch an die Ja-Seite. Gut gemacht", sagte der Leiter der Gegenkampagne, David Quinn, und räumte damit die Niederlage ein. Die Einführung der Homo-Ehe bedeutet für Irland eine klare Zeitenwende: Bis 1993 stand Homosexualität in dem Land noch unter Strafe. Irland ist die erste Nation, die per Volksentscheid die Homo-Ehe zulässt.

cw/rb (rtr, dpa, afp)