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Deutschland

Grüne Basis entscheidet über Spitzenkandidaten

Wer die Grünen 2013 in den Bundestagswahlkampf führt, bestimmen die Mitglieder per Urwahl - ein Novum in der deutschen Parteiengeschichte. Für die zwei Posten gibt es zahlreiche Bewerber.

Die Grünen sind rundum zufrieden: Die Parteibasis, weil sie erstmals die beiden Spitzenkandidaten in einer Urwahl küren darf. Und die Parteiführung, weil sie die konfliktträchtige Kandidatenfrage geschickt in basisdemokratische Bahnen gelenkt hat. Denn für die beiden Posten, von denen laut Parteistatut mindestens einer mit einer Frau besetzt werden muß, gab es von Anfang an mehr als zwei Bewerber; Konflikte waren also vorprogrammiert.

Nicht nur Parteichefin Claudia Roth hatte ihren Hut in den Ring geworfen, auch die beiden einflussreichen Fraktionsvorsitzenden im Bundestag meldeten Ansprüche an. Hinter den Kulissen ging das Gerangel los. "Die einfachen Mitglieder sind ziemlich angenervt gewesen von dem, was wir uns Anfang des Jahres an Personaldebatten geleistet haben", brachte es der grüne Bundestagsabgeordnete Toni Hofreiter auf den Punkt.

Die Basis hat das letzte Wort

Zwei grüne Kästen mit den Zeichen für männlich und weiblich, wie sie die Grünen auf ihren Parteitagen benutzen, um bei den Reden die Quote zu sichern. Foto: dapd

Ein Spitzenduo wird die Grünen in den Wahlkampf führen

Da Basisdemokratie bei den Grünen traditionell groß geschrieben wird, war es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Urwahl. Mit überwältigender Mehrheit beschloss der kleine Parteitag in Berlin, dass die Mitglieder das Spitzenduo wählen werden. Bewerben darf sich jeder, der sich zu dieser Aufgabe berufen fühlt. Bisher gibt es sieben Interessenten.

Im Oktober bekommen die knapp 60.000 Parteimitglieder per Post die Liste der Bewerber. "Ich glaube nicht, dass es um die persönlichen Lebensläufe oder die Frisur der Spitzenkandidaten gehen wird", sagt Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. "Es wird darum gehen, wer im nächsten Jahr unsere grünen Inhalte am besten nach außen vertritt." Die Parteiführung erhofft sich außerdem, dass die Urwahl die Mitglieder dazu motiviert, sich im Wahlkampf zu engagieren.

Chance und Risiko für die Kandidaten

Die Bewerber müssen sich nun also überlegen, wie sie die eigenwillige Basis überzeugen wollen, die mit dem Spitzenpersonal zuweilen hart ins Gericht geht. Wer es schafft, der hat die Partei im Wahlkampf hinter sich. Aber es wird auch Verlierer geben bis hoch in die Führungsriege der Partei.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, spricht am Sonntag (02.09.12) beim Länderrat der Partei in Berlin. Foto: dapd

Will Spitzenkandidat werden: Jürgen Trittin

Während Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, von den männlichen Kandidaten die besten Chancen hat, sind gleich drei prominente Grünen-Politikerinnen im Rennen: Die beliebte Parteichefin Claudia Roth, die Fraktionsvorsitzende Renate Künast, die auf ihre langjährige Erfahrung in Spitzenämtern verweist, oder Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, für die der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft ein zentrales Thema ist. Alle drei Politikerinnen möchten im Wahlkampf ganz vorne mitmischen. Dass die aussichtsreichsten Bewerber für das Wahlkampf-Duo zwischen 55 und 60 Jahren alt sind, löst an der Basis nicht nur Euphorie aus. Jüngere Spitzenpolitiker sind bei den Grünen allerdings Mangelware.

Bis spätestens 9. November soll das Ergebnis der Urwahl feststehen - rechtzeitig vor dem Bundesparteitag. "Mit diesem basisdemokratischen Verfahren setzen die Grünen Maßstäbe", meint Parteichefin Claudia Roth. "Darum werden uns die anderen Parteien beneiden", mutmaßt Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. Auch die Sozialdemokraten diskutieren derzeit darüber, ob sie ihren Kanzlerkandidaten von den Mitgliedern bestimmen lassen wollen.

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