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Wirtschaft

Gründer trotzen der Krise

Seit der Wirtschaftskrise steuert Deutschland auf einen Pleite-Rekord zu. 40.000 Unternehmer könnten in diesem Jahr insolvent werden und das Feld räumen. Eine Chance für neue Firmen?

Neueröffnungsschild in einem Schaufenster (Foto: DPA)

Die Krise hat den Gründern den Schneid nicht abgekauft

Der Mann kommt schnell zum Punkt: "Wir stellen keinen signifikanten Unterschied in den Gründungsaktivitäten seit 2006 im Vergleich zu 2009 fest", sagt Udo Brixy, Wissenschaftler am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Mit seinen Kollegen von der Leibniz Universität Hannover hat er herausgefunden, dass sich die Wirtschaftskrise nicht auf die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ausgewirkt hat. 2,2 Prozent der 18- bis 64-Jährigen waren 2009 gerade dabei, ein Unternehmen zu gründen.

Unternehmensgründer Reiner Theil im Kloster (Foto: DW)

Das Hobby zum Beruf gemacht: Reiner Theil (rechts)

Arbeitslosigkeit ist nur ein Grund - ein seltener

Einer davon ist Reiner Theil. "Mut ist, glaub ich, das wichtigste", sagt Theil. Außerdem brauche man Geld, einen tragfähigen Business-Plan und eine konkrete Idee. Reisen in alte und ruhig gelegene Klöster - so sieht sie aus, Theils Idee. "Silentium - Einkehrtage im Kloster" heißt sein Unternehmen. Mit seinem Reiseangebot hat der 55-Jährige sein Hobby zum Beruf gemacht. Mit seinem vorherigen Beruf hat das nur wenig zu tun. Er ist gelernter Dreher und hat viele Jahre als Industriemeister in einem Bonner Unternehmen gearbeitet. Doch die Aufträge blieben aus und die Firma hat seinen Vertrag nicht verlängert. Im Juli 2009 wurde er arbeitslos.

Arbeitssuchende in der Bundesagentur für Arbeit in Frankfurt am Main. (Foto: AP)

Arbeitslose als Firmengründer - eine Ausnahme

Dass aber Arbeitslose mangels Alternativen ein Unternehmen gründen, ist eher die Ausnahme als die Regel, hat Brixy vom IAB herausgefunden. Zwar gebe es in Deutschland Förderprogramme für Arbeitslose, die sich selbstständige machen wollen, und deshalb auch einen gewissen Anteil arbeitsloser Gründer. Zwei Drittel der Gründer machten sich aber aus anderen Motiven selbständig, so Brixy.

Die Angst vor dem Scheitern

Das IAB hat allerdings noch etwas anderes herausgefunden: Im internationalen Vergleich gründen in Deutschland nur wenige Menschen ein Unternehmen. Innerhalb von 18 vergleichbar hochentwickelten Ländern belegt Deutschland den vorletzten Platz. Ganz vorne liegen die USA, Schlusslicht ist Belgien. Viele Deutsche haben Angst zu scheitern und gründen deshalb kein Unternehmen.

Nicht einsam, aber ungeduldig

Reiner Theil an seinem Computer bei der Arbeit (Foto: DW)

Theil - sein größter Gegner ist die Ungeduld

Unternehmer Theil hat sich trotzdem getraut, er habe keine Angst verspürt, aber man begebe sich schon auf ein Terrain, das man nicht kennt. Plötzlich musste Theil Versicherungen abschließen, er benötigte einen Steuerberater, Bankbürgschaften und neue Geschäftskonten. "Das ist einfach eine ganz andere Welt, in die ich eingetaucht bin", sagt Theil. Er hat sich dabei Hilfe geholt, war beim Arbeitsamt und bei der Industrie- und Handelskammer. Laut IAB nutzt nur jeder Vierte diese Hilfe, die in vielen Städten kostenlos angeboten wird.

Die meisten neuen Unternehmen sind kleine Ein-Mann-Betriebe. Wenn man keinen Vorgesetzten, keine Kollegen mehr hat, mit denen man sich abstimmen kann, sind die ersten Wochen nicht einfach. Für Reiner Theil war das nicht so schwierig, weil er es immer gewohnt war, selbständig zu arbeiten - auch wenn er früher einen Vorgesetzten hatte. Theil macht etwas anderes zu schaffen: "Man wird sehr schnell ungeduldig, wenn man viel investiert hat", sagt er. Für das viele Geld und die viele Zeit, die er aufbringt, möchte er schnell entlohnt werden - mit Erfolg. Theil hofft, dass sich der bei ihm bald einstellt.

Autor: Susanne Schäfer
Redaktion: Jutta Wasserrab