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Amerika

Gründer der "Colonia Dignidad" tot

Der frühere Chef und Gründer der sektenähnlichen Siedlung "Colonia Dignidad" in Chile, Paul Schäfer, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Der wegen zahlreicher Verbrechen Verurteilte starb in einem Gefängnishospital.

Paul Schäfer nach seiner Festnahme 2005 (Archivfoto: AP)

Paul Schäfer nach seiner Festnahme 2005

Schäfer sei am Samstag (24.04.2010) einem Herzleiden erlegen, teilten die Justizbehörden in Santiago de Chile mit. Er wurde bereits seit Juli vergangenen Jahres im Krankenhaus behandelt. Schäfer war nach jahrelanger Flucht 2005 in Argentinien gefasst und dann nach Chile überstellt worden, wo er zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde.

Misshandlungen und Folter in der "Kolonie der Würde"

Das Haupttor der 'Colonia Dignidad', die heute 'Villa Baviera' heißt

Das Haupttor der "Colonia Dignidad", die heute "Villa Baviera" heißt

Der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland geflohene Wehrmachtsgefreite hatte Anfang der 1960er Jahre im Süden Chiles die sektenartig organisierte Deutschen-Siedlung "Colonia Dignidad" gegründet. Schäfer leitete die "Kolonie der Würde", so die deutsche Übersetzung, nach seinen Vorstellungen von Zucht und Ordnung mit Psychoterror, Zwang zur Beichte und der Pflicht zum absoluten Gehorsam gegenüber der Führung. Zudem riegelte er das Anwesen mit rund 300 deutschen Siedlern hermetisch von der Außenwelt ab.

Die Kolonie, die sich heute "Villa Baviera" ("Bayerisches Dorf") nennt, diente auch als Nazi-Fluchtburg. Nach außen hin wurde sie als landwirtschaftliches Vorzeigeprojekt präsentiert, das Armen der Region medizinische Versorgung und Schulbildung bietet. Tatsächlich soll das weitläufige Gelände aber während der Diktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) als Folterlager der damaligen Geheimpolizei gedient haben.

Flucht, Auslieferung, Verurteilung

Der auch in Deutschland von den Strafverfolgungsbehörden gesuchte Schäfer bestritt stets seine Mitverantwortung für Foltermorde auf dem Siedlungsgelände. Laut Zeugenberichten leitete Schäfer aber persönlich die Folterung linksgerichteter Regimegegner. Als die Behörden 1997 Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs und Folter einleiteten, flüchtete Schäfer nach Argentinien.

Dort wurde er schließlich gefasst und nach der Auslieferung an Chile wegen des sexuellen Missbrauchs von 25 Kindern zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er musste sich zudem wegen Waffenschmuggels, Mordes und weiterer Verbrechen verantworten.

Autor: Frank Wörner (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Reinhard Kleber

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