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Sprachbar

Grün

Wachstum, Leben, Hoffnung, freie Fahrt – die meisten Menschen verbinden Positives mit der Farbe Grün, besonders im beginnenden Frühjahr. Nur grün hinter den Ohren oder gar grün vor Neid möchte man dann doch nicht sein.

Der Donnerstag vor Ostern ist in den christlichen Ländern ein besonderer. In Deutschland heißt er Gründonnerstag. Es ist der Tag vor dem Kreuzestod Christi und gilt auch als Tag der Einsetzung des Abendmahls. Weshalb er allerdings Gründonnerstag heißt, weiß niemand genau. Das Stichwort diese Woche heißt Grün. Und darüber lässt sich im Gegensatz zu Gründonnerstag einiges und sprachgeschichtlich Gesichertes sagen.


Frisch voran


Grün passt gut in die Jahreszeit – das frische, zarte Grün an Bäumen, Büschen und Sträuchern verheißt helle, warme Tage, Tage des Wachstums, der Frische und wenigstens symbolisch des Aufbruchs, des Optimismus. In der Tat war die ursprüngliche Bedeutung von Grün "wachsend, "sprossend". Beides. "Wachsen" und "sprießen" heißt, dass da etwas im Werden ist, etwas Neues und Positives.

Grün ist keineswegs nur die Bezeichnung für eine Farbe. Grün heißt "frisch" und "unverbraucht" im Gegensatz zum Verwelkten und Vertrockneten. Machen wir die Probe aufs Exempel. Welche Farbe haben wohl frische Kräuter? Eben. Wer jemals morgens barfuß über eine mit Tautropfen übersäte Wiese gegangen ist, kann Grün sogar spüren.


Allerlei Grünzeug

Bevor wir uns aber in lauter Vorfreude auf die bald grüne Natur verlieren, bleiben wir noch ein Weilchen in der Stube und lernen was über Grün. Man kann es groß und klein schreiben. Bei Kleinschreibung ist es ein Farbadjektiv, das wie alle Adjektive unzähligen Substantiven vorangestellt werden kann – zum Beispiel dem Wort Hering.

Ein grüner Hering kommt selten allein; deshalb spricht man im Allgemeinen von grünen Heringen. Diese sind noch nicht gesalzen, nicht mariniert. Sie sind jung und frisch. Wie es die grünen Blattsalate auch sein sollten. Da wir gerade bei Lebensmitteln sind: Die berühmte Frankfurter Grüne Soße wird selbstverständlich nur mit ganz frischen Kräutern hergestellt. Auch das Suppengrün, das allerdings auch aus Sellerie – weiß – und Möhren – karottenrot – besteht, sollte knackig frisch sein.

Von Grünschnäbeln und Greenhorns


Aber wir sind nicht in einem Kochkurs und wenden uns vom grünen Hering ab und dem grünen Jungen zu. Dieser ist ebenso wenig grün wie der Hering, aber in gewisser Weise ebenfalls frisch. Im Sinne von unerfahrenen Menschen beiderlei Geschlechts kann man auch "junges Gemüse" sagen, wobei sich die Unerfahrenheit meist auf Berufliches oder schlicht mangelnde Lebenserfahrung bezieht. Besonders wenn man sich über sie ärgert, werden die jungen Leute auch gerne Grünschnäbel genannt.

Die positive Grundbedeutung von Grün bleibt in solchen Ausdrücken dennoch erhalten. Man mokiert sich halt ein bisschen. Nicht mehr und nicht weniger. Beispiel: Das englisch/amerikanische Greenhorn. Als Greenhorns wurden zur Zeit der Besiedelung des amerikanischen Kontinents die neuen Einwanderer bezeichnet. Später wurde Greenhorn zum Synonym für jeden unerfahrenen Menschen.


Freie Fahrt für freie Bürger?


Das ist gewissermaßen dasselbe in Grün. Übrigens: Grün wird in diesem Fall groß geschrieben. Diese Redensart ist wahrscheinlich von der Gleichheit zweier Kleidungsstücke, die sich nur durch die Farbe unterscheiden, hergeleitet. Aber das sind Spekulationen. Damit kommt man auf keinen grünen Zweig.

Mit der Wendung grünes Licht für eine Sache geben haben wir allerdings keinen Erklärungsnotstand: Das ist wie bei der Verkehrsampel. Grünes Licht bedeutet freie Fahrt, die sogar über mehrere Kreuzungen führen kann, wenn die Ampeln auf grüne Welle geschaltet sind. Und jetzt, wenn wir schon vom Autoverkehr reden, muss ein Wort zur grünen Minna gesagt werden. Das ist das Gefängnisauto. Tatsächlich sehr oft in grüner Farbe gestrichen, aber Grün bedeutet im Rotwelsch "unangenehm", "nicht geheuer".

Rotes Herz auf grüner Seite

Aus dieser Sprachecke mag Grün seine negative Bedeutung bekommen haben. Die Umkehrung der positiven Bedeutung von Grün findet sich auch in jemandem nicht grün sein. Da ist man schon ein wenig misstrauisch. Besser Abstand halten. Ganz im Gegensatz zu "Komm an meine grüne Seite". Die ist da, wo das Herz schlägt. Wobei es in solchen Fällen völlig egal ist, ob rechts oder links. Hauptsache, das Mädchen nimmt Platz.

Fragen zum Text:

Was ist keine Bezeichnung für junge Leute?

1. junges Gemüse

2. Grünschnäbel

3. grüne Zweige

Wer grünes Licht für eine Sache bekommt, der …?

1. erhält eine Erlaubnis

2. wird verwarnt

3. sollte zum Arzt gehen

Was ist eine grüne Minna?

1. eine umweltbewusste Hausfrau

2. ein frischer Fisch

3. ein Gefängnisauto



Arbeitsauftrag:

Finden Sie heraus, wie Frankfurter Grüne Soße zubereitet wird und schreiben Sie dazu ein Kochrezept.

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