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Wissen & Umwelt

Grönlands Gletscher schmelzen

Das Land der Inuit, das Land des ewigen Eises, verändert sich. Wissenschaftler haben herausgefunden: Die Gletscher schmelzen und rutschen immer schneller ins Meer. Wird Grönland bald eisfrei sein?

Schmelzende Eisberge (Foto: AP)

Ein Schiff liegt im Fjord des Hellheim-Gletschers. An Bord der "Arctic Sunrise", die der Umweltorganisation Greenpeace gehört, sind Wissenschaftler aus vielen verschiedenen Ländern. Sie untersuchen die Auswirkungen des Klimawandels. Und die sind hier dramatisch: Nirgendwo sonst schmelzen die Gletscher so schnell wie hier in Grönland.

Die großen Gletscher halten das Inlandeis fest. Und wenn dieses Bollwerk stark schmilzt – dann ist der Weg frei: Das Inlandeis fließt ins Meer. "Der Meeresspiegel wird vermutlich stärker ansteigen als bisher prognostiziert", schlussfolgert die deutsche Meeresbiologin Iris Menn. Denn die Aufnahmen von Zeitraffer-Kameras zeigen: Grönlands Gletscher verlieren ständig riesige Mengen ihres Eises ans arktische Meer.

Schmelzender Gletscher (Foto: dpa)

Gletscherschmelze

Eiswürfel bringen die Meere zum Überlaufen

Jeder Gletscherabbruch hat direkten Einfluss auf den Meeresspiegel. Iris Menn vergleicht die Folgen dieser Ereignisse mit der Wirkung von Eiswürfeln, die in ein Wasserglas plumpsen. Es wird sofort deutlich voller im Glas. Dieser Prozess, sagt sie, könne sich auch auf die Ozeane übertragen.

Der Hellheim-Gletscher ist mit einer Breite von sieben Kilometern und einer Dicke von 700 Metern ein echter Koloss. Auch er bewegt sich unaufhörlich. Seine Geschwindigkeit hat er innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Die Zeitraffer-Aufnahme zeigt: 30 Meter rutscht der Gletscher jeden Tag weiter ins arktische Meer.

Gletscher schmelzen immer schneller

Doch es liegt nicht nur an der steigenden Lufttemperatur, dass das Eis schmilzt. Steigende Wassertemperaturen lassen die Gletscher zusätzlich rasant von unten schmelzen. Warmes Wasser, sagen Meeresbiologen, könne einen Gletscher zwanzigmal stärker schrumpfen lassen als wärmere Luft.

Mit dem arktischen Eis schmilzt die Fläche, die die Sonnenstrahlen reflektieren kann. Und das bedeutet – der Ozean erwärmt sich immer schneller und stärker. Zudem vermuten die Wissenschaftler, dass durch den Klimawandel gelangen zusätzlich warme subtropische Wassermassen nach Grönland.

Um dies nachzuprüfen, entnahmen die Forscher der "Artic Sunrise" Proben aus etwa 700 Meter Tiefe. Anhand von Temperatur, Salz- und Sauerstoffgehalt wollen sie genau bestimmen, woher das Wasser kommt, wie alt es ist und ob es wirklich warme, subtropische Strömungen sind.

Das Ende der Gletscher ist ein Anfang mit vielen Folgen

Bereits jetzt ist das Wasser im Fjord des Hellheim-Gletschers etwa vier Grad warm. Das ist zu warm für die Gletscher. Was die Forscher hier in Grönland herausfinden, könnte viele Vorhersagen zum Klimawandel verändern. Zum Beispiel könnte der Meeresspiegel stärker ansteigen als vorausgesagt. Um bis zu einem Meter oder mehr - noch in diesem Jahrhundert.

Iris Menn befürchtet, dass damit auch die größten Ökosysteme der Erde verschwinden werden: Der Amazonas zum Beispiel. Sie prognostiziert Dürren und Überschwemmungen. Millionen Menschen könnten Opfer des Klimawandels werden.

Eis und Schiff in Grönland (Foto: DW-TV)

Forschungsschiff "Arctic Sunrise" vor der Abbruchkante eines Gletschers

Was tun?

Wie viele andere Wissenschaftler sieht Iris Menn einen möglichen Ausweg in einem starken Klimaabkommen. Um das Eis der Arktis zu erhalten, müssten die Industrienationen 40 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen, fordert die Umweltorganisation Greenpeace. Und: Dass die in Grönland vermuteten Öl- und Gasvorkommen unberührt bleiben.

Aber die Bewohner Grönlands setzen genau darauf große Hoffnungen. Denn Öl und Gas könnten ihnen Wohlstand bringen. Und viele Staaten sind daran interessiert, diese Rohstoffquellen zu erschließen. Einfach wird es also nicht mit dem Schutz von Arktis und Weltklima.

Autorin: Maria Lesser
Redaktion: Judith Hartl

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