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Europa

Grönland auf dem Weg zur Unabhängigkeit

Dänemark gewährt der weltgrößten Insel einen neuen Autonomiestatus. Damit geht Grönland einen weiteren Schritt in die Unabhängigkeit. In Zukunft verwaltet die Arktis-Insel unter anderem ihre natürlichen Rohstoffe selbst.

Eisberge in Grönland (Foto: AP)

In Grönland leben nur 57.000 Menschen, die Insel ist aber reich an Bodenschätzen

Die weltgrößte Insel Grönland erreicht an diesem Sonntag (21.06.2009) eine historische Stufe auf dem Weg in die Unabhängigkeit von Dänemark. An der offiziellen Zeremonie am Nationalfeiertag der Arktis-Insel nahmen neben der grönländischen Regierung Dänemarks Königin Margrethe sowie Ministerpräsident Lars Loekke Rasmussen teil. Der neue Autonomie-Status sieht als wichtigsten Punkt Grönlands Selbstverwaltung seiner natürlichen Rohstoffe und Bodenschätze wie Öl, Gas, Gold und Diamanten vor. Das ist besonders für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Dänemark entscheidend.

Finanziell noch von Dänemark abhängig

Hauptstraße in Ilulissat mit Eisbergen der Diskobucht im Hintergrund (Foto: AP)

Hauptstraße in Ilulissat

Das mit der Regierung in Kopenhagen mühsam ausgehandelte neue Autonomiegesetz beinhaltet außerdem das Recht auf Selbstbestimmung sowie die völkerrechtliche Anerkennung der Ureinwohner Grönlands. Mit Inkrafttreten der neuen Autonomiestufe wird Grönländisch zudem offizielle Sprache der Insel. Kopenhagen wird in Zukunft nur noch über die Sicherheits-, Außen- und die Währungspolitik Grönlands entscheiden. Die komplette staatliche Unabhängigkeit allerdings muss vorerst ein ferner Traum bleiben, solange der grönländische Staatshaushalt nicht ohne Zuschüsse aus Dänemark auskommen kann: 3,2 Milliarden Kronen (430 Mio. Euro), knapp die Hälfte aller öffentlichen Ausgaben, deckt die jährliche Überweisung aus der dänischen Hauptstadt ab. Auf die Zuschüsse könnte die Regierung in Nuuk nur verzichten, wenn sich Öl und die anderen Bodenschätze unter dem arktischen Grund ausbeuten ließen. Ob und wann das möglich ist, hängt von den Rohstoffpreisen ab und vom Tempo der Klimaerwärmung, die das arktische Eis schmelzen lässt.

Vollständige Loslösung erst im Jahr 2021

Grönländer stehen vor einem mit Wahlplakaten beklebten Häuschen (Foto: AP)

Die Bürger in Grönland haben sich deutlich für die Unabhängigkeit ausgesprochen

In Grönland leben 57.000 Menschen, davon 50.000 Inuit und 7000 Dänen. Die ehemalige Kolonie ist seit 1953 gleichberechtigter Teil Dänemarks. Seit 1979 besitzt Grönland bereits den Status einer inneren Autonomie. Im vergangenen November hatten mehr als 75 Prozent der Grönländer in einer Volksabstimmung für mehr Eigenständigkeit gestimmt. Völlige Unabhängigkeit soll Grönland zum 300. Jahrestag der Kolonisation durch Dänemark im Jahr 2021 erlangen.

Pünktlich zum grönländischen Unabhängigkeitstag hat der dänische Prinzgemahl Henrik die Schönheit der Arktis-Insel mit zwei selbstverfassten Gedichten gewürdigt. Bei einer Feierstunde am Samstag in der Universität von Nuuk verlas er sie auf grönländisch. Die Gedichte kämen aus der Tiefe seines Herzens, versicherte der 75-Jährige. Er habe das halbautonome dänische Territorium bereits mehrfach besucht und fühle sich den Mythen, dem Glauben und den Sagen der Inuit verbunden.

Probleme in der Bevölkerung

Grönlands Regierungschef Kuupik Kleist an der Wahlurne (Foto: AP)

Grönlands neuer Regierungschef: Kuupik Kleist bei den Parlamentswahlen im Juni

Die Hoffnung vieler Grönländer auf eine Beschleunigung des Autonomieprozesses waren nach dem Machtwechsel bei den Parlamentswahlen Anfang Juni gestiegen. Grönlands linksorientierte Oppositionspartei Inuit Ataqatigiit (IA) hatte die seit 30 Jahren regierenden Sozialdemokraten (Siumut) mit einem erdrutschartigen Sieg entthront. Neuer grönländischer Regierungschef ist Kuupik Kleist. Kleist hatte die als korrupt verschrienen Gründungsväter der grönländischen Autonomie-Bewegung in die Knie gezwungen. Die hatten es sich als Verwalter der nach wie vor üppigen Staatszuschüsse aus Kopenhagen nach Meinung vieler Grönlander allzu bequem eingerichtet und dabei die massiven sozialen Probleme unter den 57.000 Bürgern vergessen: Als typische Ex-Kolonie muss die Insel mit extrem hohen Selbstmordraten, weit verbreiteter Gewalttätigkeit in Familien, Vernachlässigung von Kindern und Alkoholproblemen kämpfen. (as/sti/afp/dpa)

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