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Wirtschaft

Größtes amerikanisches Ölfeld außer Betrieb

Eine drohende Umweltkatastrophe zwingt den britischen Ölkonzern BP zur Schließung des größten amerikanischen Ölfelds Prudhoe Bay in Alaska. Die Rohölpreise sind daraufhin weltweit in die Höhe geschnellt.

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Verrostetes Pipeline-Netz von Prudhoe Bay

Der BP-Konzern muss das größte US-amerikanische Ölfördergebiet Prudhoe Bay aufgrund eines veralteten Pipeline-Netzes komplett stilllegen. Zunächst werde die Produktion um etwa 400.000 Barrel Öl pro Tag reduziert, gefolgt von der vollständigen Schließung in den kommenden Tagen, wie der Konzern am Sonntag (6.8.2006) mitteilte.

Da das Ölfeld im Norden Alaskas rund 80 Prozent der amerikanischen, und ein halbes Prozent der weltweiten Gesamtförderung ausmacht, hat der Bericht über die Schließung von Prudhoe Bay die Rohölpreise auf den

Öl Handel an der Börse in New York Hurrikan Katarina

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Märkten am Montag empfindlich ansteigen lassen: Im elektronischen Handel ist der Preis pro Fass der Nordseesorte London Brent auf bis zu 77,25 Dollar (rund 60,40 Euro) angestiegen - 1,12 Dollar mehr als zu Handelsschluss am Freitag.

Versäumnisse in der Vergangenheit

Dass eine Restaurierung der Pipelines dringend vonnöten ist, hatte sich schon im Vorfeld angekündigt: Als bereits am 2. März durch ein Leck rund eine Million Liter Öl ausgelaufen war, hatte der Konzern zwar Pläne für die Erneuerung eines über fünf Kilometer langen Leitungsstücks vorgelegt - diese aber bis zum heutigen Tag nicht umgesetzt. Nun kam bei Untersuchungen ans Licht, dass die Wände der insgesamt 22 Meilen langen Pipelines an 16 Stellen derart verdünnt und verrostet sind, dass akute Bruchgefahr bestand.

Erinnerungen an die "Exxon-Valdez"-Katastrophe aus dem Jahr 1989 drängen sich auf, bei dem über elf Millionen Gallonen Rohöl einen 2000 Kilometer langen Küstenabschnitt in Alaska verseuchten. Hunderttausende Meeresvögel und -

Ölverschmutzer Vogel, Spaniens Küste droht eine Ölpest

Ölverschmutzter Vogel

tiere kamen dabei ums Leben. Dass bei dem aktuellen Vorfall nur an einer kleinen Stelle lediglich vier bis fünf Barrell Öl (ein Barrell: 159 Liter) ausgeflossen sind, und eine Naturkatastrophe größeren Ausmaßes verhindert werden konnte, ist reines Glück.

Denkbar schlechtester Zeitpunkt

"Die Schließung von Prudhoe Bay erfolgt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt", sagt Energieexperte Victor Shum von der Energieberatungsgesellschaft Purvin and Gertz. Der Ölmarkt sei momentan durch die anhaltende Gewalt im Nahen Osten und Nigeria sowie den drohenden UN-Sanktionen gegenüber Iran ohnehin stark strapaziert. Zudem hat inzwischen auch die diesjährige Hurrikan-Saison begonnen. Kommt es erneut zu schweren Stürmen wie im vergangenen Jahr, könnte die Ölförderung am Golf von Mexiko ebenfalls gefährdet werden und für weitere Versorgungsengpässe sorgen.

Ökonomischer und ökologischer Imageschaden

Eine Wiederaufnahme der Produktion in Alaska steht momentan noch nicht in Aussicht. "Wir werden die Operationen des Ölfelds nicht wieder aufnehmen, bis wir und die Aufsichtsstellen der Regierung davon überzeugt sind, dass sie sicher betrieben werden können und für die Umwelt keine Bedrohung mehr darstellen", erklärte Bob Malone, der Chef der BP America. Das Unternehmen bedaure jedoch die Notwendigkeit dieser Aktion und bitte die Nation sowie den Bundesstaat Alaska um Entschuldigung für die negativen Auswirkungen.

Doch ob diese Entschuldigung ausreichen wird, um das Imageproblem von BP zu lösen, darf bezweifelt werden. Der Konzern droht durch die Vorfälle in Alaska seine Glaubwürdigkeit zu verlieren, gerade weil er sich im Gegensatz zu Konkurrenten stets um ein umweltfreundlicheres Image bemüht hat: So wurde das Firmenkürzel von "British Petrol" zu "Beyond Petrol" uminterpretiert, zudem wird das Logo neuerdings von einer freundlichen, grün-gelben Sonne geziert. (lc)

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