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Kultur

Größte Synagoge Deutschlands und orthodoxes Zentrum öffnen in Berlin

Nach zweijähriger Sanierung wird Deutschlands größte Synagoge in Berlin wieder eröffnet. Der letzte Gottesdienst fand dort im Jahr 1940 statt.

Ein buntes Fenster mit jüdischen Symbolen in der Haupthalle der Synagoge in der Rykestrasse in Berlin (AP Photo/Markus Schreiber)

Ein buntes Fenster mit jüdischen Symbolen in der Haupthalle der Synagoge in der Rykestrasse in Berlin

Die Synagoge in der Rykestrasse, Außenansicht (AP Photo/Markus Schreiber) ---

Die Synagoge in der Rykestrasse

Das 1904 gebaute Gotteshaus in der Rykestraße in Berlin-Mitte wurde für fünf Millionen Euro renoviert, der Innenraum mit den farbigen Glasfenstern in weiten Teilen originalgetreu wieder hergestellt. Von Freitag (31.08.07) soll die Synagoge wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Am Sonntag wird dann im Stadtteil Wilmersdorf nahe des Kurfürstendamms das Kulturzentrum der streng orthodoxen Bewegung Chabad Lubawitsch eröffnet. An der Eröffnung sollen auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sowie Israels früherer Oberrabbiner, Israel Meir Lau teilnehmen.

In dem für fünf Millionen Euro gebauten Jüdischen Bildungs- und Familienzentrum der chassidischen Strömung Chabad Lubawitsch sind unter anderem eine Synagoge, ein Raum für das rituelle Bad ("Mikwe"), einen Veranstaltungssaal sowie eine Bibliothek untergebracht. Zum Zentrum der so genannten "Lubawitscher" gehören auch ein Restaurant, ein Kindergarten sowie Unterrichtsräume für eine Jüdische Akademie.

Steine auf langer Reise

Aus Jerusalem wurden die Steine für eine 30 Meter lange Nachbildung der Klagemauer nach Berlin gebracht. Weltweit hat Chabad Lubawitsch rund 3000 Zentren, die sich fast ausschließlich über Spenden finanzieren. Die Organisation wurde im 18. Jahrhundert in der weißrussischen Stadt Lubawitsch gegründet.

Haupthalle der Synagoge in der Rykestrasse (AP Photo/Markus Schreiber)

Haupthalle der Synagoge in der Rykestrasse

Auch die im neoromanischen Stil entworfene Synagoge in der Rykestraße war nach der Einweihung am 4. September 1904 ein Zentrum orthodoxer Strömungen - eine Besonderheit in der einst eher liberal eingestellten jüdischen Gemeinde Berlins. Doch auch damals konnten in der Synagoge mit ihren rund 2000 Plätzen auch liberale Rabbiner den Gottesdienst leiten.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde die Synagoge immer wichtiger, da die Juden aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt wurden. Die jüdische Grundschule im Vorderhaus wurde erweitert, im Hof wurden Baracken aufgestellt.

Letzter Gottesdienst 1940

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde das Gebäude nicht niedergebrannt, da die Nationalsozialisten die "arischen" Häuser in der Nachbarschaft nicht gefährden wollten. Doch der Synagogenraum wurde demoliert, Torahrollen wurden geschändet und Rabbiner sowie Gemeindemitglieder verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Der letzte Gottesdienst fand im April 1940 statt. Dann wurde das Gebäude für die Heeresstandortverwaltung enteignet.

Nach 1945 wurden in dem Haus überlebende Juden aus Osteuropa untergebracht, auch erste Gottesdienste wurden gefeiert. Die Synagoge Rykestraße wurde zum Zentrum der Ost-Berliner Gemeinde. Nach Sturmschäden wurde das Gebäude von 1967 bis 1978 in mehreren Etappen renoviert. Seit 1999 hat ein Lehrhaus seinen Sitz im Vorderhaus. Mit mehr als 12.000 Mitgliedern hat Berlin die größte jüdische Gemeinde Deutschlands. (dpa)