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Politik

Größte Massenevakuierung der US-Geschichte

Nur das Nötigste und wichtige persönliche Papiere sollten sie mitnehmen - so die Anweisung: An der US-Golfküste sind Hunderttausende auf der Flucht vor dem Hurrikan und werden evakuiert - für viele schon das zweite Mal.

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Daniel Scheschkewitz

An der texanischen Golfküste hat der heraufziehende Hurrikan "Rita" eine der größten Massenevakuierungen in der Geschichte der USA ausgelöst. Drei Wochen nach dem verheerenden Sturm "Katrina" befolgten nahezu zwei Millionen Menschen den Aufruf der Behörden, sich vor dem Hurrikan in Sicherheit zu bringen. Rita wird am Samstag (24.9.) mit Windgeschwindigkeiten von 200 Stundenkilometern oder mehr südlich der Millionenstadt Houston das US-Festland erreichen.

Auf eigene Gefahr

Die Bürgermeisterin von Galveston Island, wo das Zentrum des Hurrikans am Samstag eintreffen soll, ließ keinen Zweifel aufkommen: Wer jetzt noch hier bleibe, handele auf eigene Gefahr. Die meisten Menschen sind dem Evakuierungsaufruf allerdings gefolgt. Galveston war am Donnerstagabend (22.9.) bis auf die Satellitentrucks der Fernsehsender wie ausgestorben.

Und auch die Vier-Millionen-Metropole Houston gleicht immer mehr einer Geisterstadt. Ganz anders jedoch das Bild auf den Ausfallstraßen: Bis zu hundert Kilometer lang stauten sich die Autokolonnen. Wer Benzin hatte und nicht an den wenigen noch geöffneten Tankstellen leer ausgegangen war, machte sich auf den Weg, der oftmals zehn bis zwölf Stunden dauerte - Hauptsache raus aus der Einfallschneise des Hurrikans. Mit diesem Verkehrschaos hatten die Behörden nicht gerechnet: vielen ging der Sprit aus, selbst Rettungswagen hatten alle Mühe, durch zukommen.

Besser vorbereitet

"Heute Nacht und auch morgen noch werden wir uns um all die kümmern, die auf den Ausfallstraßen ohne Bemzin gestrandet sind", kündigte Houstons Bürgermeister Bill White an. Dennoch sind die Behörden, anders als beim Hurrikan Katrina, dieses Mal besser vorbereitet: 250.000 Notunterkünfte hat der Bundesstaat Texas bereit gestellt, die Nationalgrade ist mit 5000 Soldaten vor Ort. Die für ihren mangelhaften Einsatz während Katrina heftig kritisierte US-Katastrophenschutzbehörde FEMA hat 45 LKW-Ladungen Trinkwasser und Notrationen an die Golfküste gebracht. 450 Ärzteteams sind vor Ort.

"Wir werden gebraucht 24 Stunden nach dem Sturm, wenn Menschen einen Herzinfarkt erlitten oder sich mit einer Kettensäge verletzt haben, bei Reparaturarbeiten an ihrem Haus oder beim Fällen eines Baums", sagt Ronald Wagner, der eines der Ärzteteams leitet.

Neue Zerstörung

Rita bewegt sich unterdessen unaufhaltsam auf die texanische Golfküste zu. Als Kategorie vier wird der Hurrikan am Samstag mit Flutwellen von bis zu 8 Metern auch im benachbarten Bundesstaat Louisiana neue Zerstörung bringen.

Wer bis Donnerstagabend nicht vor Rita geflohen war, muss sich nun vor Ort verbarrikadieren und ausharren. So wie Ace Bible, der in einem der wenigen noch geöffneten Supermärkte von Houston die letzten Lebensmittel verkauft: "Ich werde es mir zu Hause vor dem Fernseher gemütlich machen und darauf hoffen, dass der Sturm mein Dach nicht wegreißt. Ich bin vorbereitet, habe einen Generator, ich sitze den Sturm aus", kündigt er an.