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Aktuell Nahost

Gräueltat in Aleppo

In der nordsyrischen Stadt sind mindestens 68 Menschen erschossen in einem Flusskanal aufgefunden worden. Ob Assad-Truppen oder Rebellen für das Massaker verantwortlich sind, ist unklar.

Die Leichen seien mit gefesselten Händen in einem kanalisierten Fluss im Stadtviertel Bustan al-Kasr gefunden worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Man habe die Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren mit Kopfschüssen getötet. Die Zahl der Toten könne noch auf rund 80 steigen. Ein Rebellenkommandeur vor Ort sagte der Nachrichtenagentur AFP, bisher seien 68 Leichen entdeckt worden. Viele weitere würden noch aus dem Fluss gezogen.

Wer das Massaker verübt hat, blieb zunächst unklar. Der Rebellenkommandeur machte die Führung in Damaskus für das Massaker verantwortlich. Ein Vertreter der Sicherheitskräfte der syrischen Regierung sagte hingegen, bei den Opfern handele es sich um Einwohner von Bustan al-Kasr, die "von terroristischen Gruppen" entführt und beschuldigt worden seien, regimetreu zu sein. "Sie wurden in der Nacht zum Dienstag exekutiert, und ihre Leichen wurden in den Kanal geworfen", sagte der Mann. Die Rebellen veranstalteten nun eine "Medienkampagne", indem sie die Leichen präsentierten. Sowohl den Truppen von Staatschef Baschar al-Assad als auch den Rebellen wurden in dem seit 22 Monaten anhaltenden Bürgerkrieg Massenhinrichtungen vorgeworfen. In Aleppo befinden sich Aufständische und Regierungstruppen in einem Stellungskrieg. Die Frontlinie verläuft mitten durch die Wirtschaftsmetropole. Bustan al-Kasr wird von den Aufständischen kontrolliert.

Brahimi: Noch nie dagewesenes Ausmaß des Schreckens

Syrische Truppen lieferten sich unterdessen heftige Gefechte mit Rebellen in der Stadt Deir al-Sour nahe der Grenze zum Irak. Die Rebellen kontrollierten mittlerweile weite Teile eines Gebäudekomplexes der Regierung, zu dem auch ein Gefängnis gehört, teilte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle weiter mit. Mindestens elf Häftlinge, die Mitglieder der Opposition seien, seien befreit worden. Deir al-Sour im ölreichen Osten Syriens ist immer wieder Schauplatz von Kämpfen.

Der internationale Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi hat derweil ein düsteres Bild der Lage in dem Bürgerkriegsland gezeichnet. In einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Dienstag in New York sagte Brahimi nach Angaben von Diplomaten, dass Syrien vor den Augen der Weltgemeinschaft "auseinanderbricht". Der Sicherheitsrat müsse endlich handeln, um das "noch nie dagewesene Ausmaß des Schreckens" in dem arabischen Land zu beenden.

Ein Flüchtlingslager in Saatari im Norden Jordaniens (Foto: picture-alliance/dpa)

Ein Flüchtlingslager in Saatari im Norden Jordaniens

Die Zahl der Syrien-Flüchtlinge erreichte einen neuen Höchststand. Mehr als 700.000 Menschen seien in den Nachbarländern als Flüchtlinge registriert oder warteten auf Registrierung, sagte die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Sybella Wilkes, in Genf. Allein seit Sonntag hätten Zehntausende verzweifelte Menschen die Grenze überquert. Im Libanon hätten sich insgesamt etwa 230.000 Syrer in Sicherheit gebracht. In Jordanien seien rund 220.000 Flüchtlinge untergekommen. In der Türkei hielten sich mehr als 160.000 Syrer auf. Der Irak beherberge knapp 80.000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland. Etwa 20.000 syrische Flüchtlinge schlugen sich den Angaben zufolge nach Nordafrika durch. Mitarbeiter des Flüchtlingshilfswerks seien Tag und Nacht im Einsatz, um die Geflohenen zu registrieren und in die Auffanglager zu begleiten.

Geberkonferenz für Syrien

Das UNHCR setze auf einen Erfolg der internationalen Geberkonferenz an diesem Mittwoch in Kuwait, sagte Wilkes. Erwartet werden Vertreter von etwa 60 Staaten. Die Vereinten Nationen hoffen, dass dabei 1,1 Milliarden Euro an Hilfsgeldern zusammenkommen.

Die EU stellte bereits weitere 100 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in Syrien zur Verfügung. Mit dem Geld solle den vier Millionen notleidenden Menschen in Land selbst wie auch den Flüchtlingen in den Nachbarländern geholfen werden, erklärte die zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva in Brüssel. Insgesamt belaufe sich die von der EU bereitgestellte Finanzhilfe nunmehr auf 200 Millionen Euro. Die USA versprachen ebenfalls mehr Geld und wollen ihre Hilfen um umgerechnet rund 115 Millionen Euro auf insgesamt etwa 270 Millionen Euro aufstocken.

sti/re/kle (afp, dapd, dpa, epd, kna, rtr)

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