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Indonesien

Gouverneur von Jakarta muss wegen Gotteslästerung in Haft

Im aufsehenerregenden Blasphemieprozess gegen den amtierenden christlichen Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama, hat ein indonesisches Gericht den Politiker zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Richter befanden Purnama wegen abfälliger Bemerkungen über den Koran der Gotteslästerung für schuldig. Zugleich ordneten sie die sofortige Verhaftung des 50-Jährigen an. Mit dem Urteil ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung gefordert.

Purnama hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung im Herbst dem Chef der radikalen islamischen Verteidigungsfront (FPI) vorgeworfen, mit einem Vers aus dem Koran Muslime an der Wahl des Christen hindern zu wollen. Ein Videomitschnitt der Rede sorgte im Internet für Aufruhr, rund 400.000 Menschen gingen gegen den seit 2014 amtierenden Gouverneur auf die Straße. 

Das Verfahren überschattete auch die Gouverneurswahl in Jakarta, die als Stimmungstest für den Umgang Indonesiens mit Minderheiten galt. Mit mehr als 200 Millionen Muslimen ist der Inselstaat das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Christen gehören mit etwa 20 Millionen zu den Minderheiten.

Von politischen Beobachtern wurde der Prozess als wesentlicher Grund für die Niederlage Purnamas bei der Stichwahl am 19. April gewertet. Der Amtsinhaber hatte sich mit 42 Prozent der Stimmen seinem muslimischen Herausforderer Anies Baswedean geschlagen geben müssen, für den 58 Prozent der Wähler stimmten. Purnama hat angekündigt, das Urteil anfechten zu wollen.

hk/ml (dpa, ap)