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Sport

Gotzmann: WADA zum "Papiertiger" degradiert

Nach Ansicht von NADA-Vorstandschefin Andrea Gotzmann hat das IOC mit seiner Russland-Entscheidung die Glaubwürdigkeit des Anti-Doping-Systems erschüttert. Rund 270 russische Sportler sind derweil nach Rio abgereist.

Russische Sportlerinnen vor dem Abflug nach Rio. Foto: Getty Images

Russische Sportlerinnen vor dem Abflug zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro

Russlands Olympia-Team ist zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gereist, mit dem Doping-Generalverdacht im Gepäck. Die Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), Andrea Gotzmann, kann immer noch nicht verstehen, dass dies möglich ist. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte auf einen kompletten Bann Russlands verzichtet und hatte damit eine entsprechende Empfehlung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in den Wind geschlagen.

NADA-Chefin Andrea Gotzmann. Foto: dpa-pa

NADA-Chefin Andrea Gotzmann

"Das geht in Richtung Papiertiger, das ist eine Degradierung", sagte Gotzmann. "Man hat eine Institution installiert, weil man eine Unabhängigkeit in der Anti-Doping-Arbeit wollte, und dann wird der Rat in den Wind geschlagen. Das ist eine Schwächung der WADA." Und auch des gesamten Anti-Doping-Systems, findet die NADA-Chefin: "Die Glaubwürdigkeit in das System ist erschüttert worden, weil die Regelwerke nicht angewendet und eine Sondersituation geschaffen wurde." Statt die Sache selbst "in die Hand zu nehmen", habe das IOC die Entscheidung über ein Olympia-Startrecht der russischen Athleten nun "nach unten an die internationalen Verbände delegiert, mit einer Vielfalt an Einzelentscheidungen".

Keine Spur von Selbstkritik

Das russische Olympia-Team flog am Donnerstag mit rund 270 Athleten zu den Sommerspielen nach Rio. Die exakte Zahl der russischen Olympia-Starter wird erst Ende Juli feststehen, wenn die internationalen Verbände die Überprüfung der russischen Sportler abgeschlossen haben. Bei der Verabschiedung des Teams in Moskau gab es keine Spur von Selbstkritik. Alexander Schukow, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, betonte laut der Nachrichtenagentur Tass erneut, es habe in Russland kein systematisches Doping gegeben. Im Gegenteil: Nach all den Vorwürfen werde Russland in Rio die sauberste Mannschaft haben. Staatspräsident Wladimir Putin sprach erneut von einer "zielgerichteten Kampagne gegen unsere Sportler". Bei der Verabschiedung in Moskau waren auch Sportler dabei, die nicht in Rio starten dürfen. Stabhochsprung-Doppelolympiasiegerin Jelena Issinbajewa vergoss vor Putin bittere Tränen. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hatte alle russischen Leichtathleten von den Spielen in Rio ausgeschlossen. "Sie haben uns wütend gemacht", sagte Handball-Nationalspielerin Polina Kusnezowa. "Wir werden noch härter kämpfen, um zu zeigen, dass man Russlands Willen nicht brechen kann. Wir kämpfen für die Athleten, die nicht mitfliegen dürfen."

Jelena Issinbejewa bricht bei der Verabschiedung des Rio-Teams in Tränen aus. Foto: Getty Images

Stabhochsprung-Olympiasiegerin Jelena Issinbejewa bricht bei der Verabschiedung des Rio-Teams in Tränen aus

Drei russische Radfahrer ausgeschlossen

Der Radsport-Weltverband UCI genehmigte den Start von elf Russen in Rio, drei Fahrern wurde die Teilnahme verweigert. Sie seien "möglicherweise" in das vom russischen Staat organisierte Doping eingebunden gewesen, teilte die UCI mit. Drei weitere Fahrer waren bereits zuvor von Olympia ausgeschlossen worden, weil sie schon einmal wegen Dopings gesperrt waren. Der internationale Verband der Ringer akzeptierte 16 von 17 russischen Kämpfern. Nur Freistil-Ringer Viktor Lebedew darf nicht nach Rio reisen, weil er bei der Junioren-WM 2006 positiv auf Doping getestet worden war. Bei den Sommerspielen 2012 in London war Russland mit elf Medaillen die erfolgreichste Nation im Ringen.

sn/ck (dpa, sid)

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