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Reise

Gotthard: Der längste Bahntunnel der Welt

Die Schweiz feiert ein Meisterwerk der Ingenieurskunst: Am 1. Juni eröffnet das Land den längsten Eisenbahntunnel der Welt. Mit den neuen Gotthard-Röhren rücken Nord- und Südeuropa enger zusammen.

Video ansehen 04:31

Rekordbauwerk Gotthard-Basistunnel

Das Matterhorn mag schöner sein. Eiger, Mönch und Jungfrau auch. Doch kaum ein anderer Berg der Alpen hat eine so große Symbolkraft. "Ohne Gotthard keine Schweiz", heißt es. Der Gotthard - Quellgebiet des Rheins, der Rhone, der Reuss und des Ticino, von Goethe in "den Rang eines königlichen Gebirges" erhoben - wurde zum wichtigsten Bindeglied der Verkehrsachse zwischen Nordsee und Mittelmeer, respektiert von allen europäischen Mächten.

Kein Wunder also, wenn jetzt einmal mehr von "historischen Dimensionen" die Rede ist - und vom "Stolz einer ganzen Nation": Am 1. Juni wird mit einem großen Staatsakt der längste Eisenbahntunnel der Welt offiziell eröffnet - der 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel zwischen Erstfeld im Kanton Uri und Bodio im Südkanton Tessin. Mehrere Tage lang gibt es danach noch Volksfeste.

Schweiz Gotthard Basistunnel

Bei Erstfeld verschwinden die Gleise unter der Erde

Die zwei Röhren ziehen sich 57 Kilometer lang durch die Schweizer Alpen und sind damit sieben Kilometer länger als der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal zwischen Frankreich und England. Zwölf Milliarden Franken (knapp 11 Milliarden Euro) hat das Schweizer Jahrhundertbauwerk gekostet.

So viel Geld kann keine eidgenössische Regierung ausgeben, wenn das Volk nicht ausdrücklich zustimmt. Wie bei allem, was in der Schweiz von nationaler Bedeutung ist, gab es auch zum Gotthard-Basistunnel ein Referendum. Im November 1998 sagte das Volk Ja.

Kein Wunder also, dass im ersten Zug, der am 1. Juni durch den neuen Gotthard-Tunnel fährt, nicht Honoratioren, sondern Hunderte "Normalbürger" sitzen. Die Freitickets wurden unter Zehntausenden von Bewerbern verlost. Erst im zweiten Zug folgen Politiker und die Staatsgäste - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi werden erwartet.

Schweiz Gotthard-Basistunnel - Blick in Innenröhre

17 Jahre wurde am neuen Gotthard-Tunnel gebaut

Ingenieurtechnische Meisterleistung

Was den neuen vom alten Gotthard-Tunnel unterscheidet, ist nicht nur die Länge, sondern auch die enorme Tiefe, die gerade Strecke und Ebenerdigkeit. Der Basistunnel verläuft bei nur geringfügigen Steigungen sowie ohne enge Kurven auf einer Höhe von maximal 550 Metern über dem Meeresspiegel. Experten sprechen daher von einer "Flachbahn". Statt etwa 1100 Meter Gebirgsmasse wie beim alten türmt sich über dem neuen Tunnel bis zum Gipfel des Gotthards eine Felsabdeckung von 2300 Metern auf.

Dank dieser Meisterleistung, an der in Spitzenzeiten 2400 Arbeitskräfte - unter ihnen viele Deutsche - beteiligt waren, besteht nun eine weitgehend ebene Gleisbettverbindung zwischen Nordsee und Mittelmeer.

Schweiz Gotthard Basistunnel, Personenzug

Kürzere Fahrzeiten für Personen- und Güterverkehr

Personenzüge können den Tunnel mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern durchrasen. Die Verbindung zwischen Zürich und Lugano soll sich um 45 Minuten auf rund zwei Stunden verkürzen. Zahlen, die pure Begeisterung wecken in einem Land, dessen Einwohner mit rund 2300 Schienenkilometern pro Person und Jahr als Bahnreise-Weltmeister gelten.

Schutz der Alpen

Doch wichtiger als größere Bequemlichkeit für Reisende sind für Volkswirtschaft und Umwelt die Effekte im Güterverkehr. Pro Tag können künftig 260 Güterzüge das Gotthardmassiv durchqueren statt bisher maximal 180. Damit soll ein Teil der Gütertransporte zwischen Nord- und Südeuropa von der Straße auf die Schiene verlagert und die Abgasbelastung deutlich reduziert werden.

Bis zur Aufnahme des regulären Bahnbetriebs wird noch einige Zeit vergehen. Erst nach 3000 weiteren Testfahrten soll die Strecke kurz vor Weihnachten endgültig freigegeben werden. Dann kann der 1882 in Betrieb genommene alte Gotthard-Tunnel in die Ruhestandsreserve geschickt werden.

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