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Kultur

Gottes Ankunft in seiner Welt

In der Adventszeit wird vielen Menschen besonders deutlich, dass Gott in der Welt gegenwärtig ist. Christoph Ehricht für die evangelische Kirche denkt darüber nach, wie sich Gottes Nähe zeigt.

Krippe *** Aufnahmedatum: 12.12.12 Aufnahmeort: Frankfurt a.M. Römerberg Rechte: Deutsche Welle, Heike Jüngst

Weihnachtsmarkt Frankfurt 2012 Krippe

Gottes Nähe passt in einen Rucksack

„Freuet euch, der Herr ist nahe“ – mit diesem Bibelwort begrüßen sich Christen in aller Welt und seit vielen Jahrhunderten am Beginn der vierten Adventswoche. Kurz und bündig hat der Apostel Paulus aus seiner Gefängniszelle diese Aufforderung an die Gemeinde in Philippi aufgeschrieben und sie auch gleich begründet: Freuet euch, weil  der Herr nahe ist. 

Paulus hat hier seiner festen Überzeugung Ausdruck gegeben, dass Gottes Nähe die Wirklichkeit verändert. Wie das konkret für ihn aussah, wissen wir nicht. Aber vielleicht hat eine ganz ähnliche Erfahrung Meta Antonowna gewonnen, eine russlanddeutsche Frau, die inzwischen verstorben ist. Als ich Gemeindepfarrer in St.Petersburg war, hat sie mir viel aus ihrem Leben erzählt. Im August 1941 mussten alle Deutschen ihre Heimat an der Wolga verlassen und wurden in die Verbannung deportiert. Meta, damals ein junges Mädchen,  blieben drei Stunden Zeit, die wichtigsten Habseligkeiten in einen Rucksack zu packen. 15 Kilo durfte sie mitnehmen. Ganz unten in den Rucksack legte sie die alte deutsche Bibel, die in ihrer Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Meta wusste: wenn die Bibel entdeckt würde, hätte das schwerste Strafen zur Folge, vielleicht sogar den Tod. Bibeln waren damals sowieso verboten, deutsche erst recht. So hat Meta in all den Jahren ihrer Verbannung die Bibel nie aus ihrem Versteck in der untersten Ecke des Rucksackes hervorgeholt. Aber sie wusste sie an ihrem Platz. Manchmal hat sie die Bibel heimlich mit den Händen berührt durch den Stoff des Rucksacks hindurch. Dieses Wissen und die verstohlenen Berührungen trösteten sie,  erfüllten sie mit der Gewissheit nicht gottverlassen zu sein in allem Elend der Verbannung. Es gab noch eine andere Wirklichkeit als die von Kälte und Hunger.

Gottes Nähe kann verborgen sein

Mir gibt diese Geschichte sehr zu denken. Gottes Nähe kann eine sehr verborgene Nähe sein. Wir können nicht über sie verfügen und sie nicht berechnen. Aber sie kann zu einer kraftvollen, lebensrettenden Energiequelle werden. Freuet euch, der Herr ist nahe.

Gott ist nahe, daran braucht niemand zu zweifeln. In diesem Jahr hilft uns der Kalender ganz besonders dabei, Gottes Nähe zu erleben. Auf den vierten Advent folgt gleich der Heiligabend. Der Geburtstag Jesu, für Christen die Ankunft Gottes im Stall von Bethlehem, eine einmalige und wunderbare Annäherung, seit Jahrhunderten Grund zur Freude.

Gottes Nähe zeigt sich jedem Menschen anders

Eine deutsche Bibelgesellschaft hat vor einigen Jahren eine kleine Bilderausstellung präsentiert. Sie trug den Titel „Kinder der Welt malen die Weihnachtsgeschichte“. Liebevoll gefertigte, bunte Bilder von Kindern aus Afrika, aus China oder aus Amerika waren da zu sehen. Über manche musste ich herzlich lachen, wenn das Christkind unverkennbar chinesische Züge trug oder die Hirten aussahen wie Winnetou und seine Freunde. Aber halt, dachte ich dann, sind nicht auch meine Vorstellungen von einem Christkind mit blonden Locken im Stall eines verschneiten deutschen Waldes genauso ein Bild wie das der Kinder aus China und Amerika? Und ist das schlimm? Der Herr ist nahe, das meint ja, er kommt in meine eigene Welt und in meine heutige Zeit. Ein Glück. Freuet euch, der Herr ist nahe!

Zum Autor:

Pfarrer Christoph Ehricht

Pfarrer Christoph Ehricht

Christoph Ehricht, Jahrgang 1950  studierte  evangelische Theologie an der Universität Greifswald. Nach einigen Jahren als Gemeindepfarrer in Gützkow war er  theologischer Dezernent im Konsistorium der pommerschen Kirche - in Greifswald . Dann verließ er diese Stadt für 3 Jahre und war von 1999 - 2002 Propst in St.Petersburg. Nach seiner Rückkehr nach Greifswald ist er dort wieder im Dienst der pommerschen Kirche, und zwar als Landespfarrer für Diakonie. Christoph Ehricht ist verheiratet, hat zwei Töchter und einen Enkel.

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