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Wissen & Umwelt

Gorillas helfen beim Kampf gegen Malaria

Forscher in Zentralafrika haben herausgefunden: Malaria wird zwar nach wie vor von der Anopheles-Mücke übertragen, der gefährlichste Malaria-Erreger stammt allerdings direkt von einer Gorillavariante ab.

Gorilla (Foto: AP)

Sidonie hat es gerade noch rechtzeitig geschafft – mit letzter Kraft hat sich die Achtzehnjährige ins Krankenhaus von Yaoundé geschleppt. "Mit Kopfschmerzen hat es angefangen", erklärt das Mädchen, "dann tat mir der ganze Körper weh, und mir wurde eiskalt. Am Abend bekam ich hohes Fieber, mir wurde speiübel. Ein Arzt hat dann einen Bluttest gemacht und mir gesagt, dass ich an Malaria erkrankt bin."

Jetzt bekommt Sidonie Artemisinin, einen Wirkstoff aus der Beifuß-Pflanze – der lindert wenigstens die Beschwerden. Sidonie weiß, warum sie krank ist. In ihrem Stadtviertel gibt es besonders viele Mücken, die die gefährlichen Erreger übertragen. Die so genannten Plasmodien vermehren sich in der Leber und zerstören langsam die roten Blutkörperchen. Kaum eine afrikanische Familie hat das Geld für imprägnierte Moskitonetze, geschweige denn für die teuren Tabletten zur Malariaprophylaxe. Und weil es noch immer keinen Impfstoff gegen Malaria gibt, hat diese heimtückische Krankheit den Kontinent fest im Griff. Jedes Jahr sterben daran südlich der Sahara hunderttausende Menschen, die meisten von ihnen Kinder und schwangere Frauen.

Eine Stechmücke beim Stich in einen Arm (Foto: picture alliance/dpa)

Die Stechmücke Anopheles überträgt die Malaria-Erreger

Rettung aus dem Urwald?

Zehn Jahre lang hat ein internationales Forscherteam in Zentralafrika Proben von Affenkot mikrobiologisch und genetisch untersucht, eigentlich mit der Absicht, HI-Viren auf die Spur zu kommen. Ganz nebenbei haben sie dabei herausgefunden, dass der gefährlichste Malaria-Erreger ausgerechnet von unseren engsten Verwandten stammt, den Primaten – und vor allem den Gorillas. Avelin Aghokeng, Leiter des Institus für Virologie in Yaoundé, ist sicher: Eine der tödlichsten Krankheiten der Welt haben wir Menschen sozusagen King Kong zu verdanken. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass es offensichtlich nur einen Entwicklungssprung gebraucht hat, um den Malaria-Erreger, den die Primaten in sich tragen, auch für Menschen ansteckend zu machen", erklärt Aghokeng.

King Kongs Geheimnis

Diese Erkenntnis ist eine kleine, stille Revolution: Menschenaffen stehen als tierisches Reservoir der Malaria fest. Wenn man nur herausfinden könnte, warum die Malaria den Gorillas offenbar nichts ausmacht – dann, glaubt Avelin Aghokeng, dann gäbe es eine Chance für einen Impfstoff. An dem beißen sich Forscherteams seit langer Zeit die Zähne aus – auch wenn Studien und vielversprechende Testreihen immer wieder Schlagzeilen machen. "Wenn wir die Plasmodien der Primaten zu untersuchen, die Entwicklung der Parasiten, dann geht der Kampf gegen die Malaria in die nächste Runde. Schritt für Schritt verstehen wir besser, wie diese Krankheit funktioniert."

Die Wissenschaftler sind fasziniert von King Kongs Geheimnis – und sie hoffen auf einen Durchbruch. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – denn die Malaria ist schneller als der Mensch. Es wird noch Jahre dauern, um einen Impfstoff zu entwickeln. Bis es soweit ist, kommen weiter Tag für Tag verzweifelte Mütter in die Kliniken von Yaoundé und anderswo. Auf dem Arm tragen sie ihre Kinder, die vom Fieber häufig schon bewusstlos sind. Oft kommt jede Hilfe zu spät – im Hospital von Kameruns Hauptstadt stirbt fast jedes dritte Kleinkind an Malaria.

Autor: Alexander Göbel
Redaktion: Nicola Reyk