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Bundesmarine

"Gorch Fock" gerettet: Die weiße Lady segelt weiter

Auftakeln für 75 Millionen Euro: Das Segelschulschiff der Bundesmarine wird grundsaniert. Die "Gorch Fock" sei unverzichtbar als deutsche Botschafterin auf den Weltmeeren, so Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Vielen Stürmen und Unwettern hat die "Gorch Fock" schon getrotzt, doch zuletzt drohte der Untergang. Das bald sechs Jahrzehnte alte Segelschulschiff der Bundesmarine ist marode bis in die Masten. Mit der "Gorch Fock" sei es wie mit einem alten, sanierungsbedürftigen Haus, so Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: "Wir wollten erst Weniges reparieren, dann haben wir hinter die Planken geguckt und dann stellt man fest, dass sie grundsaniert werden muss. Bis auf den Kiel muss fast alles ersetzt werden."

Ursula von der Leyen (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Verteidigungsministerin von der Leyen: "Bis auf den Kiel muss fast alles ersetzt werden"

Ursprünglich waren Sanierungskosten von zehn Millionen Euro veranschlagt worden. Inzwischen haben sich die Kosten auf 75 Millionen Euro aufgebläht, so die aktuelle Schätzung des Verteidigungsressorts. Dennoch habe sie entschieden, dass die "Gorch Fock" weitersegeln soll, verkündete Ministerin von der Leyen auf einem kurzfristig einberufenen Pressetermin, auf dem sie sich medienwirksam als Retterin des Windjammers präsentierte.

Hoher Symbolwert

Ohne selbst eine konkrete Summe für den hohen Reparaturaufwand zu nennen, räumte von der Leyen ein, die Entscheidung sei nicht leichtgefallen. Ein Grund, wieder klar Schiff zu machen: der hohe Symbolwert des Dreimasters. Es handele sich nicht um irgendein Segelschiff. Vielmehr sei die "Gorch Fock" - benannt nach einem längst vergessenen Dichter - für Deutschland "die Botschafterin auf den Weltmeeren". Nun müsse der Windjammer "zügig" grundsaniert werden und solle dann bis "weit über 2030" der Bundeswehr zur Verfügung stehen, so von der Leyen.

Gorch Fock hinter Planen auf der Bredow-Werft in Bremerhaven (picture-alliance/dpa/Marinekommando)

"Gorch Fock" hinter Planen auf der Bredow-Werft in Bremerhaven: Reißleine gezogen

Das Drama um die morsche "Gorch Fock" hatte vor einem Jahr begonnen. Im Januar 2016 war das Schiff zu einer Routineinspektion ins Dock in Bremerhaven gebracht worden. Eigentlich sollte sie nur gut vier Monate auf der Bredow-Werft liegen. Doch bei den Instandsetzungsarbeiten entdeckten die Bremerhavener Schiffsbauer dann unter anderem Schäden am Oberdeck sowie marode Masten.

Von zunächst kalkulierten knapp zehn Millionen Euro stiegen die Kosten bis Oktober 2016 auf mindestens 35 Millionen Euro. Dann zog der Projektleiter die Reißleine, die Arbeiten wurden gestoppt. Da waren schon zwölf Millionen Euro in die Instandsetzung geflossen. Das Verteidigungsministerium gab eine Wirtschaftlichkeitsprüfung in Auftrag.

Der Bund der Steuerzahler hatte die vielen und teuren Reparaturen der vergangenen Jahre an der "Gorch Fock" in seinem letzten Schwarzbuch angeprangert. Laut Verteidigungsministerium wurde auch ein Abschied von der "Gorch Fock" und der Neubau eines Schiffes in Betracht gezogen. Dies hätte aber die zwischenzeitliche Miete eines anderen Schiffs erfordert.

Diskussion um Sinn und Sicherheit

Die angeforderte Untersuchung habe ergeben, "dass nur durch den Weiterbetrieb der "Gorch Fock" für die Marine nahezu bruchfrei ein Schiff zur Ausbildung des Nachwuchses zur Verfügung gestellt werden kann". Jede Alternative lasse etwa das Arbeiten der Offiziersanwärter in der Takelage nicht zu, da nur die "Gorch Fock" über die gesetzten Sicherheitsstandards verfüge, so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums an diesem Donnerstag.

Gorch-Fock-Besatzung in der Takelage (picture-alliance/dpa/M. Scholz)

"Gorch-Fock"-Besatzung in der Takelage: Bedeutung für seemännische und charakterliche Ausbildung

Die Sicherheit ist in den vergangenen Jahren nach zwei tödlichen Unfällen von Kadetten verbessert worden. Eine Kadettin war bei der Ausbildung aus der Takelage aufs Deck gestürzt - die Masten sind bis zu 45 Meter hoch. Eine andere Kadettin schob nachts Wache und verschwand von Bord. Ihre Leiche wurde später im Meer gefunden - was passierte, wurde nie restlos aufgeklärt. In der Öffentlichkeit flammte die Diskussion auf, ob ein Segelschulschiff überhaupt noch zeitgemäß ist.

Kampf mit Naturgewalten

Doch die Marine hat immer wieder die Bedeutung des Schoners für die seemännische und charakterliche Ausbildung des Offiziersnachwuchses der Marine hervorgehoben - auch im High-Tech-Zeitalter, in dem Computertechnik auf Marineschiffen dominiert. Seit der ersten Ausbildungsfahrt 1959 haben fast 15.000 Männer und Frauen - praktisch alle Offiziersanwärter - auf der "Gorch Fock" unter teils extremen Bedingungen Teamgeist gelernt und den Kampf mit Naturgewalten bestanden. Die Kadetten schlafen in drei Reihen übereinander in Hängematten, die Frauen separat.

Seit fast 60 Jahren gleitet der Dreimaster auch als maritimer Botschafter Deutschlands durch die Weltmeere, der Zahn der Zeit setzte allerdings dem Windjammer immer mehr zu. Aber die Verteidigungsministerin ist sich sicher: Nach der Grundsanierung werde man wieder ein prachtvolles Segelschulschiff haben.

AR/jj (dpa/afp)