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Wirtschaft

GoPro - die Welt erfahren wie Superman?

Die GoPro-Aktien sind eingebrochen - angeblich, weil ein französischer Journalist eine mobile Kamera für Verletzungen von Formel-1-Legende Michael Schumacher verantwortlich gemacht hatte. Doch das ist noch nicht alles.

Um nicht weniger als 16 Prozent sind die Aktien des in Kalifornien ansässigen Herstellers von High-Definition-Aktion Kameras, GoPro, in dieser Woche gefallen - nachdem ein französischer Motorsportjournalist behauptet hatte, dass eine GoPro schuld an der Schwere der Hirnverletzungen von Schumacher gewesen sei.

"Das Problem war nicht der harte Aufschlag selbst, sondern, dass Michael eine GoPro-Kamera auf seinem Helm montiert hatte ", so Jean-Louis Moncet am Wochenende im Interview mit dem Radiosender Europe 1.

Schumacher hatte beim Skifahren abseits der Piste in den französischen Alpen am 29. Dezember 2013 einen schweren Unfall, nach dem er mehrere Monate in ein medizinisch indiziertes Koma versetzt wurde.

Dennoch: Wahrscheinlich ist Schumachers Hirn-Trauma eher eine Fußnote in der Geschichte der dramatischen Entwicklung des Aktienkurses von GoPro.
GoPro-Aktien haben sich seit dem Börsengang des Unternehmens an der Technologiebörse Nasdaq im Juni 2014 auf wilde Fahrt begeben. Der Cashflow und die EBITDA (also das Gesamtergebnis vor Bereinigung durch Zinsen, Steuern und Abschreibungen) sind gesund, der Bruttogewinn erreichte in den sechs Monaten bis Juni 199.400.000 Dollar (154.900.000 Euro) bei einem Umsatz von 480.300.000 Euro. Im Jahr 2013 belief sich der Umsatz auf 986.000.000 Dollar.

Unklar bleibt, wie sich die rasante Entwicklung des Aktienkurses seit dem Börsengang, bei dem der Ausgabepreis noch bei 24 US-Dollar lag, erklärt. Bis zum Ende des ersten Handelstages war der Preis um 30 Prozent gestiegen, bis Anfang Oktober hatte er sich mehr als vervierfacht - auf 98,47 Dollar. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sank der Preis dann wieder auf 76 Dollar pro Aktie.

Was ist GoPro wirklich wert?

Video ansehen 01:06

Die Welt mit Supermans Augen sehen (14.04.2014)

Welche Faktoren haben die Investoren veranlasst, ihre Meinung zum Wert von GoPro innerhalb eines knappen halben Jahres, teilweise sogar von Woche zu Woche so dramatisch zu ändern?


Schwer zu sagen. Es ist nicht leicht, Unternehmen in wachstumsstarken Sektoren zu bewerten, für deren Produkte der Markt noch nicht gesättigt ist. Tragbare Action-Kameras sind ein relativ neues Produkt - und der Umsatz in dieser Branche wird weiter stark wachsen. Es ist schwer, zu erraten, wie lange dieser Trend noch anhalten wird - und unmöglich, zu wissen, ob GoPro in der Lage sein wird, sich als Branchenführer zu behaupten.

Wachstumserwartungen lassen sich nicht aus den derzeitigen Erlösen ableiten. Sie hängen davon ab, wie Investoren die zukünftige Gewinnentwicklung eines Unternehmens einschätzen.


Der Börsenwert von etablierten Unternehmen wird meist zu einem Preis gehandelt, der einer Marktkapitalisierung des 10- bis 20-fachen der jährlichen Einnahmen entspricht.

Auf lange Sicht werden sich die GoPro-Aktien wohl ebenfalls in diesem Bereich einpendeln, derzeit allerdings werden sie zu einem Vielfachen dieses Wertes gehandelt. Für eine entsprechend hohe Aktienrendite wäre ein sehr großer Wachstumsimpuls nötig.

Für den Moment aber sehen die Wachstumszahlen von GoPro gut aus. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2014 bekamen die Videos, die mit tragbaren Kameras des Unternehmens aufgenommen und im Internet veröffentlicht wurden, insgesamt über eine Milliarde Klicks. Der YouTube-Kanal von GoPro hat 2,35 Millionen Abonnenten - Tendenz steigend. Der Marktanteil des Unternehmens wird auf bis zu 70 Prozent geschätzt.

"Nie zuvor war eine Marke im Bereich der Unterhaltungselektronik so dominant wie GoPro - nicht seit den Anfängen des iPods oder iPads", so Charlie Anderson, Analyst bei Dougherty & Company.

Astronaut Felix Baumgartner. Foto:Red Bull Stratos, File/AP/dapd

Felix Baumgartner trug auf seinem Flug durch die Stratosphere eine GoPro

Aber auch andere Unternehmen, die durch den Erfolg von GoPro angezogen wurden, wollen sich mittlerweile auf dem Markt für Action-Kameras behaupten - und sie üben einen starken Preisdruck aus.


Noch hat GoPro den Vorteil, der erste Hersteller gewesen zu sein. Allerdings kann jede Technik kopiert werden, auch die der Action-Kameras. JVC, Garmin, Sony, Drift, Vivitar, Polaroid und Monoprice sind nur einige bekannte Marken, die nun ebenfalls spezielle Action-Camcorder anbieten - und auch billige Imitate aus China werden immer häufiger.

Die Frage ist, ob GoPro bei der wachsenden Konkurrenz seine Marktdominanz halten kann - und damit auch die Gewinnspanne.

GoPro hat bereits auf die wachsende Konkurrenz reagiert und eine Schnäppchen-Version auf den Markt gebracht. Aber der Firmengründer und CEO, Nick Woodman, hat auch einen weiteren ehrgeizigen Plan zur Verteidigung seines Unternehmens in der Hinterhand: Woodman, dem die Idee zur Action-Kamera beim Surfen in Australien kam, will die Firma gleichermaßen als Hardwarehersteller, Medienunternehmen und Benutzer-Community etablieren.

Die Welt durch die Augen von Superman

Der Webauftritt von GoPro hat sich zu einem Content-Sharing-Netzwerk mit Tausenden von Nutzern entwickelt, die hier selbstgedrehte GoPro-Videos posten.
Es gibt dort mehrere Video-Kategorien, die von Fahrrad-, Musik- und Surf- bis hin zu Hundevideos reichen. Regelmäßig werden Wettbewerbe ausgeschrieben, für die GoPro dann Tagespreise aus dem Produktsortiment vergibt.

Dadurch soll eine loyale, engagierte Fangemeinde geschaffen werden, die auch bereit ist, einen höheren Preis für die Original-Produkte zu zahlen - eine Vermarktungsstrategie, die an Apple erinnert.

Ob sie aufgehen wird? Letztlich lässt sich nicht vorhersagen, ob GoPro seine Marktdominanz halten kann. Und dies macht den Aktienkurs dann auch so anfällig - selbst für Gerüchte über den Gesundheitszustand von Michael Schumachers Gehirn.

Audio und Video zum Thema