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Wirtschaft

Google versus Amazon

Die beiden Internetgiganten Google und Amazon rangeln um die Vorherrschaft. Mit dem Kauf des Streaming-Dienstes Twitch hat Amazon Google übertrumpft. Auch in anderen Märkten reiben sich die Rivalen.

­­­Für so manchen war es eine Überraschung, der jüngste Kauf von Amazon. Für 970 Millionen Dollar kaufte der Internetriese den Video-Dienst für Computerspieler Twitch. Damit übertrumpfte Amazon den Internetkonzern Google, der laut Medienberichten ebenfalls an Twitch interessiert gewesen sein sollte.

Der Streamingdienst Twitch wurde erst 2011 gegründet. Er überträgt aber keine Filme, Serien oder Musik, sondern Live-Computerspiele. Über Twitch veröffentlichen rund eine Million Nutzer Live-Mitschnitte von Videospielen, wobei der Spielverlauf von den Zuschauern kommentiert werden kann. Zu den Nutzern gehören ebenso Spieler wie Verleger, Spieleentwickler und andere. Nach Angaben der werbefinanzierten Plattform Twitch gibt es monatlich mehr als 55 Millionen Menschen, die sich auf ihrem PC, ihrem Smartphone oder einem Tablet anschauen, wie andere Spieler weltweit in Computerspielen gegeneinander antreten.

Konkurrenz im Werbemarkt

Junge beim Computerspiel

Früher spielte man zu Hause, heute können andere über Twitch weltweit an Computerspielen teilhaben.

Google hätte von den Nutzern von Twitch profitieren können. Rund zwei Stunden pro Tag verbrachten sie durchschnittlich im vergangenen Jahr online. Damit wären sie willkommene Adressaten für Anzeigen gewesen, die Google über seine Marketing-Plattform "AdWords" passend zu bestimmten Schlüsselwörtern platziert.

Der Kauf von Amazon könnte somit ein Signal dafür sein, dass der Onlinehändler künftig stärker mit Google um Werbeeinnahmen konkurrieren wird. Vor allem, weil Amazon erst kurz vorher mit seinem neuen Produkt "Amazon Sponsored Links" in den Werbemarkt vorgestoßen war.

Die Werbeanzeigen auf Twitch werden somit künftig wohl nicht mehr über Google laufen, sondern über das Werbeportal von Amazon, heißt es im Wall Street Journal. Damit könnte Amazon enorme Gewinne erzielen.

Und Amazon sieht Twitch offensichtlich als gute Ergänzung zu seinen eigenen Geräten, die alle mobiles Spielen ermöglichen, wie dem Fire Smartphone, Tablets und Settop-Boxen. Jetzt schon haben Twitch-Nutzer über Fire eine bequeme Plattform, um Videospiele zu sehen und zu veröffentlichen. Irgendwann könnte Amazon auch die Streaming-Technologie von Twitch in die eigenen Geräte integrieren.

Kampf in den Wolken

Der Spielemarkt ist nur ein Schlachtfeld, auf dem sich Amazon mit seinem Rivalen Google reibt. Ein anderer Kriegsschauplatz liegt in den Wolken, bei den Cloud-Dienstleistungen. In diesem Bereich hat Amazon bislang noch die Nase vorn. "Die Cloud ist ein großer Wachstumsmarkt und Amazon ist hier der 800 Pfund-Gorilla", sagt Jagdish Rebello, ein Technologie-Analyst des Think Tanks IHS Global Insight. "Bei der Bereitstellung von reinen Cloud-Diensten hat Amazon mehr Expertise." Und Amazon gibt sich nicht damit zufrieden, still zu stehen.

Amazon Zocalo ist der neue Data Sharing Service, der als direkte Konkurrenz zum detaillierteren Google Docs eingeführt wurde. Diese neue Dienstleistung wird als Teil von Amazon Web Services (AWS) angeboten. Das Angebot läuft auf verschiedenen Geräten und erlaubt den Nutzern Dokumente, Tabellen, Präsentationen, Webseiten, PDF-Dokumente oder einfach nur Texte zu teilen.

Amazon hat außerdem einen großen Vorsprung darin, Dienstleistungen anzubieten, die auf den individuellen Kunden zugeschnitten sind. So kann jeder seine Lieblingsmusik oder Lieblingsfilme über Amazon Prime herunterladen beziehungsweise anschauen.

Google-Datenzentrum in Pryor, Foto: dpa

Google kann auf riesige Serverparks zurückgreifen

Aber auch Google agiert in der Cloud und hat dabei den Vorteil, wesentlich größere Speicherkapazitäten über sein globales Server-Netzwerk zur Verfügung zu haben. So stellt Google seinen Kunden den Mail-Dienst Gmail, die Social-Media-Plattform Google+ und andere kostenlose Dienstleistungen zur Verfügung.

Werbung ist der Schlüssel

Experten gehen davon aus, dass Google weiter in den Cloud-Markt vordringen wird, indem es Daten und Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung stellt. Finanziert wird das Ganze über Werbung. "Werbung ist alles", sagt Charles Bartlett, ein Wissenschafts- und Technologie-Blogger aus Kalifornien. "Über Anzeigen wird das Internet zu Geld gemacht."

Google verstehe besser als andere, dass Online-Werbung zielgerichteter und effizienter als traditionelle Werbung sei, meint Bartlett. Ein Beispiel: "Wenn Sie ein Youtube-Video anschauen, dann sind die Anzeigen so eingeblendet, dass sie zu ihren jüngsten Google-Suchanfragen passen", so Bartlett.

In diesem Sinne hat Amazon damit begonnen, nur Amazon-Anzeigen auf seiner Shopping-Plattform zu zeigen. Rebello von IHS Global Insight's meint, mit dieser Strategie auf seinen "geschlossenen Systemen", den Shopping und Cloud-Diensten, würde Amazon das Prinzip zu wiederholen versuchen, das bei Apple so gut funktioniert hat. "Wenn ein Unternehmen alle Elemente seines Angebotes kontrolliert, führt das zu einem besseren Kundenerlebnis", so Rebello.

Konsumenten und Bildung

Eine andere Wachstumssparte, in der die beiden Internetgiganten konkurrieren, sind Produkte für Konsumenten. Amazon hat bereits seinen "Kindle"-Ebook-Reader und ein Tablet im Angebot. Google hält mit den "Nexus"-Smartphones und Chromebook-Laptops dagegen.

Schüler im Klassenzimmer mit Bildschirmen, auf denen Google aufgerufen ist. Foto: Sebastian Kahnert

Google will in die Klassenzimmer

Im Bildungsbereich würde Google versuchen Amazon zuvorzukommen, meinen Beobachter der Szene. "Chromebooks von Google werden oft in Schulen eingesetzt", sagt Bartlett. "Sie sind günstig und die Software ist grundsätzlich kostenlos."

Auch "Google Classroom" würde von immer mehr Lehrern benutzt, meint Bartlett. Mit ihm können Lehrkräfte ihren Alltag organisieren, beispielsweise Tests schreiben lassen oder Noten bekanntgeben. Google signalisiert den Lehrkräften: "Der Service ist kostenlos. Also hier ist der virtuelle Klassenraum!", sagt Bartlett. Und das könnte ein exzellenter Weg sein, um die eigene Marke bei Lehrern, Schulleitern, Eltern und Schülern zu etablieren.

Drohnen-Kriege?

Nicht nur in den virtuellen Wolken, sondern auch im echten Himmel scheint der nächste Kampfplatz der beiden Giganten zu liegen. Sowohl Amazon als auch Google testen zurzeit Drohnen, mit denen Produkte zu den Käufern gebracht werden sollen. Mit Googles "Project Wing" und Amazons "Prime Air" wurden bereits demonstriert, wie die Lieferung mittelschwerer Pakete funktionieren könnte.

Amazon Lieferdrohne, Foto: Amazon

Amazon testet bereits Lieferdrohnen

Ab kommendem Jahr wird die amerikanische Bundesluftfahrtbehörde solche kommerziellen Drohnenflüge erlauben. Trotzdem gehen Experten davon aus, dass es noch Jahre dauern wird, bis Drohnen in großem Stil eingesetzt werden - wenn überhaupt. Denn Bäume, Strommasten, niedrig fliegende Flugzeuge und andere Objekte führen auch weiterhin zu großen Problemen.

Einsatzgebiete aber gäbe es. So glaubt Blogger Charles Bartlett, Google und Amazon könnten künftig bei der Lieferung mit Drohnen um Aufträge von der Regierung und Nichtregierungsorganisationen konkurrieren. Außerdem könnten eines Tages Drohnen sehr nützlich sein, um Hilfsmittel in Katastrophengebiete zu liefern, die anders schwer erreichbar sind. Auch das Militär könnte künftig über Drohnen seine Soldaten an der Front mit Nachschub versorgen. Die Suche der Technologieunternehmen nach den nächsten Wachstumsmärkten kenne keine Grenzen, sagt Jagdish Rebello.

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