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Amerika

Google News ohne Brasiliens Zeitungen

Seit einem Jahr erscheinen die Nachrichten der meisten brasilianischen Zeitungen nicht mehr auf Google News. Die Verlage sind einer Empfehlung ihres Verbandes gefolgt. Nun kocht die Debatte wieder hoch.

Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern): Unter einer Lupe ist am 17.08.2004 auf einem Computerbildschirm in Schwerin das Logo der Internetsuchmaschinen-Firma Google zu sehen (Illustration zum Thema Börsengang von Google). Der mit Spannung erwartete Börsengang von Google könnte nach Abschluss ihrer ungewöhnlichen Aktienauktion bereits am 18.08.2004 erfolgen. Das Unternehmen hat die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC aufgefordert, die für die Erstemission der Google-Aktien notwendige Registrierung am Dienstag um 16.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MESZ) für effektiv zu deklarieren. (SCH104-170804)

Symbolbild Google News

Am Montagnachmittag (22.10.2012) veröffentlichte der brasilianische Nationale Zeitungsverband ANJ eine Klarstellung in Sachen Google News: Den Anlass dafür gab eine Serie von Meldungen in internationalen Medien, die - je nach Lesart - vermuten ließ, der Verband habe kürzlich veranlasst, dass seine Mitglieder künftig nicht mehr auf der Nachrichtenseite des Suchmaschinenanbieters erscheinen.

Portrait Ricardo Pedreira (Foto: ANJ)

Ricardo Pedreira, Geschäftsführer des Nationalen Zeitungsverbandes ANJ in Brasilien

Davon könne keine Rede sein, meint Ricardo Pedreira im Gespräch mit der DW. Der Hauptgeschäftsführer der ANJ stellt klar: "Wir sind eine privatrechtliche Vereinigung und haben weder den Anspruch, noch die Macht, unseren Mitgliedern irgendetwas vorzuschreiben.

Richtig sei, dass die ANJ ihren Mitgliedern empfohlen habe, Google die Rechte zur Veröffentlichung ihrer Nachrichten zu entziehen. Das Ziel: Der Suchdienst solle die Verlage an den Gewinnen beteiligen, die Google mit deren Inhalten erwirtschaftet.

Ein Jahr ohne Google News

Die 154 Mitglieder der ANJ repräsentieren nach Verbandsangaben rund 90 Prozent der brasilianischen Tagespresse. Die meisten von ihnen - darunter die auflagenstärksten Tageszeitungen des Landes - sind der Empfehlung der ANJ bereits vor einem Jahr gefolgt."

Portrait Judith Brito (Foto: ANJ)

Judith Brito, Direktorin beim Grupo Folha

"Wir hatten schon vor längerer Zeit festgestellt, dass sich viele User mit den Auszügen auf Google News begnügen und gar nicht mehr auf die Seiten der Zeitungen klicken", erzählt Pedreira die Vorgeschichte. Deshalb habe der Verband zunächst eine Vereinbarung mit dem Suchmaschinenanbieter erzielt: Google zeigte auf seiner News-Seite nur noch eine Zeile der Nachrichten. "Aber auch das hat nicht den gewünschten Effekt gebracht", beklagt Pedreira. Deshalb habe man letztendlich die Empfehlung ausgesprochen, sich ganz zurückzuziehen.

Mit den Folgen könnten die Zeitungsverleger gut leben, meint Pedreira: "Seit dem Austritt aus Google News haben die Webseiten der brasilianischen Zeitungen nur einen leichten Rückgang der Klick-Zahlen - von weniger als fünf Prozent - verzeichnet. "Wir finden, das ist ein akzeptabler Preis für die Verteidigung unserer Inhalte und des Wertes unserer journalistischen Marken."

Dem Ziel, Google an den Verhandlungstisch zurück zu holen, ist der Verband damit aber keinen Schritt näher gekommen.

Verhärtete Fronten

Im Gegenteil: Google weist die Ansprüche der Verlage als unbegründet zurück: Bei einer Podiums-Diskussion auf einem internationalen Branchentreffen Mitte Oktober in São Paulo kochte die Debatte erneut hoch. Marcel Leonardi, Public-Policy-Chef von Google Brasilien traf dabei auf Judith Brito. Die Direktorin des 'Grupo Folha', eines der größten Medienhäuser Brasiliens, hatte als Präsidentin der ANJ 2011 die Empfehlung gegen Google News ausgesprochen. Sie verteidigte das Bestreben der Verlage nach einer Gewinnbeteiligung. Leonardi soll geantwortet haben, das sei, als würde ein Restaurantinhaber Geld von den Taxifahrern verlangen, die ihm die Gäste bringen.

Doch erst durch ein Interview von Britos Nachfolger als Verbandspräsident Carlos Lindenberg Neto mit dem 'Knight Center for Journalism' der Universität Texas machte der Google-News-Boykott der brasilianischen Printmedien weltweit Schlagzeilen.

Deutsche Einschätzung

Portrait Felix Stang

Felix Stang, Urheberrechtsanwalt in Berlin

"Eine Vorschau bei Google News sollte keine Zusammenfassung des Artikels sein, sondern das Interesse wecken, auf der Originalseite weiterzulesen", meint auch der Berliner Urheberrechtsanwalt Felix Stang, der ebenfalls Mitte Oktober auf dem Podium in São Paulo mitdiskutiert hat. "Das ist aber nicht im Interesse des Suchmaschinenanbieters, und als Quasi-Monopolist in vielen Ländern weigert sich Google, mit den Verlagen über die Modalitäten einer Verwendung von Verlagsinhalten zu verhandeln", erklärt Stang im Gespräch mit der DW. Er bezweifelt, dass die Strategie der brasilianischen Zeitungsverlage aufgeht.

Für den Berliner Juristen spiegelt die brasilianische Debatte die Situation weltweit wider: "Das Problem existiert in vielen Ländern. Auch in Deutschland wollen die Verlage ihre Rechte gegenüber Internetdiensten wie Google sichern." Zu Recht, meint Stang. Es sei wichtig, dass nur den Verlagen das Recht zusteht, über die Vermarktung ihrer Inhalte durch Dritte zu entscheiden. Um die Rechtslage zu klären, hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf für ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger auf den Weg gebracht, über das Bundestag demnächst abstimmen wird.

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