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Kultur

Google macht Zugeständnisse

Der Internet-Riese Google ist zu Zugeständnissen an europäische Verlage und Autoren bereit. Google will nach eigenen Angaben auf Bedenken gegen seine Bücher-Digitalisierung eingehen.

Jemand sieht sich eine digitalisierte Buchseite am Bildschirm an (Foto: AP)

Urheberrechtlich umstritten: die Digitalisierung von Büchern.

Der Suchmaschinen-Betreiber und Anzeigen-Vermarkter Google ist mit seinm Mammutprojekt einer Buch-Digitalisierung auf Kritik gestoßen: In den USA hat Google einen gerichtlichen Vergleich mit amerikanischen Autoren- und Verlegerverbänden geschlossen. Sobald dieser rechtskräftig werden sollte, kann das Unternehmen gegen Zahlung einer pauschalen Entschädigung Bücher ohne Zustimmung der einzelnen Autoren digitalisieren. Zudem sollen Millionen urheberrechtlich geschützte Bücher eingescannt werden dürfen, die derzeit nicht mehr aufgelegt werden und nicht mehr im Handel sind. Voraussetzung soll aber sein, dass die Rechte-Inhaber nicht widersprechen.

Auf Bedenken eingehen

Nun fürchten auch europäische Verlage und Autoren um die Rechte an ihren Büchern. Google habe sich nun aber dazu bereit erklärt, auf die Bedenken von Verlegern und Autoren einzugehen und deren Vertreter an der Beaufsichtigung des Projekts Google Books zu beteiligen, sagte Unternehmenssprecher Bill Echikson laut der Nachrichtenagentur AP. Anlass von Echiksons Ankündigung war eine Expertenanhörung durch die EU-Kommission am Montag (07.09.2009) in Brüssel. Zudem stellte Google genaue Prüfungen in Aussicht, um zu verhindern, dass englische Übersetzungen europäischer Werke digitalisiert und verkauft werden, ohne dass die europäischen Rechte-Inhaber zugestimmt haben. "Wir hören uns weltweit alle Anliegen aufmerksam an und arbeiten daran, Millionen Bücher wieder verfügbar zu machen und dabei allen Interessen zu dienen", erklärte Google. Im Gegensatz zu den USA will Google in Europa nur Bücher einscannen, die älter als 150 Jahre sind, um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden.

Aufgeschlagenes Buch liegt vor Computerbildschirm, auf dem man das Google-Symbol erkennt (Foto: dpa)

Google will keine Verschärfung der Kritik am Mammutprojekt

Autoren und Verlage können noch bis Dienstag (08.09.2009) Einwände vorbringen. Bei diesem Datum handelt es sich bereits um eine verlängerte Frist. Grund für diese Verlängerung war eine wartungsbedingte Abschaltung der Computer am Donnerstag (03.09.2009), über die die Registrierung der Einwände läuft. Zudem prüft das US-Justizministerium den Vergleich. Das US-Justizministerium kann noch bis zum 18. September Stellung nehmen. Eine Entscheidung wird das New Yorker Gericht nach einer Anhörung am 7. Oktober treffen.

Auch die Bundesregierung wehrt sich

Die deutsche Bundesregierung hat auch schon ihren Widerstand bekundet und dabei auf die transatlantischen Auswirkungen des Vergleichs hingewiesen. Auch der Online-Händler Amazon.com hat sich schon gegen das Vorhaben ausgesprochen. Dieser warnte, der Wettbewerb im Bereich der digitalen Bücher würde zum Nachteil der Verbraucher eingeschränkt. Außerdem wird auch Einspruch zahlreicher anderer Google-Rivalen wie Microsoft und Yahoo erwartet.

Dennoch wichtige Datenbank

Die EU-Kommission bezeichnete am Montag die Digitalisierung europäischer Bücher in einer Stellungnahme als wichtige Herausforderung und verwies auf die digitale Bibliothek Europeana, in der erst ein Prozent der Werke aus den europäischen Nationalbibliotheken erfasst sei. Die Digitalisierung müsse unter Beachtung der Vorschriften zum Urheberrecht rasch weiter vorangetrieben werden, hieß es. Google nutzt die digitalen Kopien für den Aufbau einer Datenbank, der so genannten Google Buchsuche. Damit können Internetnutzer eine Ansicht der Titelseite und in den meisten Fällen auch kurze Ausschnitte aus den Büchern aufrufen, so genannte "snippets". Durch das Google Books Projekt können so Nutzern vergriffene Bücher trotzdem noch verfügbar gemacht werden. Seit 2004 hat Google schon mehr als zehn Millionen Bücher eingescannt und digitalisiert. (ak/mas/ap)