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Wirtschaft

Google entwickelt sich zum Monopolisten

Durch die Zusammenarbeit mit Yahoo baut Google seine Stellung im Online-Werbemarkt weiter aus. Langfristig kann das Unternehmen so die Preise erhöhen, warnen Experten. Und die müssten am Ende die Verbraucher bezahlen.

Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin (Quelle: AP)

Die Gründer von Google

Sie wächst und wächst. Die Suchmaschine mit den sechs farbigen Buchstaben scheint keine Grenzen zu kennen. Gerade erst hat Google den Werbeanbieter Doubleclick geschluckt. Da folgt schon der nächste Coup: Die Werbeanzeigen der Internet-Suchmaschine erscheinen künftig auch beim kleineren Konkurrenten Yahoo.

Suchmaschinenexperten beobachten die Entwicklung mit Sorge. Sicher, Google ist nicht ohne Grund so beliebt bei den Nutzern. Zahlreiche Suchergebnisse, sortiert nach Relevanz, haben das Publikum überzeugt, sagt Computer-Journalist Jörg Schieb, der den Aufstieg der Suchmaschine verfolgt hat. "Google war von Anfang an technisch überlegen", sagt er. Und doch ist er skeptisch, wenn er sieht, wie Google sich ausbreitet. "Das reduziert den Wettbewerb und das kann nicht gut sein", findet er.

Aufstieg einer Suchmaschine

Yahoo-Logo (Quelle: DPA)

Hier liegen weitere Werbemillionen

Tatsächlich ist die Marktmacht von Google schon heute schier überwältigend. Weltweit wird bei sechs von zehn Suchanfragen im Internet Google benutzt, in Europa sogar bei acht von zehn. Dementsprechend gut läuft das Werbegeschäft. Auf elf Milliarden Dollar wird der Werbemarkt im Internet geschätzt – 75 Prozent davon entfallen auf Google.

Durch die Zusammenarbeit mit Yahoo wächst das Google-Imperium weiter. Mit 13 Prozent ist Yahoo die Nummer zwei im Suchmaschinengeschäft. Yahoo hat das Google-System im April selbst probeweise getestet. Zwei Wochen lang erschienen anstelle der eigenen die Werbeanzeigen des Konkurrenten neben den Suchergebnissen. Das Ergebnis war, dass Yahoo mehr verdiente. Von der Zusammenarbeit mit der mächtigsten Suchmaschine der Welt erhofft sich Yahoo jetzt einen Umsatz von 800 Millionen Dollar pro Jahr. Das Geld braucht die Firma auch dringend, denn das Management muss nun den Beweis antreten, dass es richtig war, das milliardenschwere Übernahmeangebot von Microsoft auszuschlagen.

Hohe Preise befürchtet

Die Zusammenarbeit von Google und Yahoo wird nicht ohne Folgen für den Werbemarkt bleiben, warnen Experten. Kurzfristig würden die User zwar keine Veränderungen bemerken, sind sich die Experten einig. Langfristig würden aber die Preise für Werbung steigen. "Google kann den Preis bestimmen, wenn es keine Alternative gibt", warnt Gerald Reischl, Autor des Buches "Die Google-Falle". Und Jörg Schieb ergänzt: "Das zahlt am Ende der Konsument."

Diese Entwicklung sieht auch Eco kritisch, der Verband der deutschen Internetwirtschaft, bei dem auch Google und Yahoo Mitglieder sind. "Es wäre schön, wenn wir mehr Wettbewerb unter den Suchmaschinen hätten", sagt Geschäftsführer Harald Summa. Eingriffe etwa durch Kartellämter lehnt er aber ab: Bisher habe sich die Internetwelt weitgehend selbst reguliert, ohne staatliche Aufsicht. Im Übrigen werde auch die marktbeherrschende Stellung von Google eines Tages wieder vorbei sein. "Es wird Alternativen geben", ist er sich sicher.

Konkurrenz nicht in Sicht

Doch das kann dauern. Momentan ist kein Konkurrent in Sicht, vor allem, nachdem die Suchmaschine gerade den Werbeanbieter Doubleclick geschluckt hat. "Es wird sehr, sehr schwer für Dritte", sagt Schieb. Wie schwer, sehe man ja an Microsoft, das gerade vergeblich versucht hat, sich Yahoo einzuverleiben und damit auf den Suchmaschinenmarkt vorzustoßen.

Bisher sei den europäischen Kartellbehörden das Problem Google anscheinend nicht bewusst, moniert Google-Kritiker Gerald Reischl. Er verweist auf den Software-Hersteller Microsoft: Es sei doch absurd, dass Microsoft in der EU wegen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht Strafen in Milliardenhöhe zahlen müsse, während sich für Google niemand interessiere, sagt Reischl: "Die Wettbewerbskommissionen müssen endlich aktiv werden."

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