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Kultur

Google drängt auf den Fernsehmarkt

Der Suchmaschinengigant möchte in den USA in den lukrativen Markt mit TV-Werbung einsteigen. Für die 13,1 Millionen Kunden des Satelliten-TV-Anbieters EchoStar will Google Spots auswählen und verkaufen.

Expansionshungrig: die Internet-Suchmaschine Nummer 1

Expansionshungrig: die Internet-Suchmaschine Nummer 1

Im kalifornischen Mountain View verkündete Google am Dienstag (3.4.07) seine Pläne über die Zusammenarbeit mit EchoStar. Das Unternehmen betreibt das "DISH"-Netzwerk, auf dem rund 120 TV-Sender von insgesamt 13,1 Millionen Zuschauern empfangen werden können.

Grundsätze der Internetwerbung seien auf TV übertragbar

Der TV-Werbemarkt in den USA wird auf 60 Milliarden Dollar (45 Milliarden Euro) geschätzt. Google erwirtschaftet derzeit praktisch seine gesamten Einnahmen in Höhe von 10,6 Milliarden Dollar (acht Milliarden Euro) mit Internet-Werbung. Das Unternehmen platziert dabei die Reklame angepasst nach Begriffen, die in seine Suchmaschine eingegeben werden, oder dem Inhalt einer Website.

So zielgerichtet wird die Fernsehwerbung für die 125 Satellitenkanäle des Dish-Networks von EchoStar nicht sein. So ist es gesetzlich untersagt, der Mediennutzung einzelner Haushalte oder Individuen nachzuspüren. Doch will Google täglich die über die Set-Top-Boxen der Kunden gewonnenen Daten anonym analysieren. Den Werbekunden wird nur der Teil der Zuschauer in Rechnung gestellt, die in einem bestimmten Zeitraum den Spot auch eingeschaltet haben. Werbetreibende könnten so den Erfolg ihrer Kampagnen quasi in Echtzeit verfolgen und blitzschnell auf den Erfolg oder Misserfolg der TV-Spots reagieren. "Wir glauben, dass viele der Grundsätze des Internets auf das Fernsehgeschäft angewandt werden können", sagte der bei Google für das neue Projekt zuständige Manager Keval Desai.

Unsicheres Terrain für Google

Google und EchoStar unterstrichen, ihre Partnerschaft werde es kleineren Unternehmen ermöglichen, Spots im Fernsehen zu schalten. Der Internet-Gigant hat bereits erste Anläufe genommen, im Werbemarkt für Printmedien und Radio Fuß zu fassen, doch noch ohne nennenswerten finanziellen Erfolg. Die Offline-Ambitionen des erst neun Jahre alten Konzerns haben Befürchtungen geweckt, der Konzern wolle es nun mit traditionellen Medienunternehmen aufnehmen. Der Kauf der Online-Video-Plattform YouTube für 1,8 Milliarden Dollar Ende vergangenen Jahres schürte diese Sorge weiter.

Nicht mehr als ein Grundstein

Fachleute wie Chris Geraci von der Medienagentur OMD halten das Geschäft mit EchoStar für einen guten Einstieg, dem aber weitere Kooperationen folgen müssten. "Das ist ein schöner Grundstein, aber noch nicht ausreichend, um die Landschaft zu verändern", sagte Geraci. Zwei der größten US-Kabelnetzbetreiber, Comcast und Time Warner, setzen bereits auf Google für ihre Online-Werbung, haben aber nicht erkennen lassen, ob sie auch im Fernsehgeschäft mit dem Internet-Unternehmen zusammenarbeiten wollen.

Google schielt nach Online-Marketingfirma

Laut einem Zeitungsbericht des "Wall Street Journal" ist Google zudem an der Online-Marketingfirma DoubleClick interessiert. Damit mache Google dem US-Softwareunternehmen Microsoft Konkurrenz und treibe den Verkaufspreis deutlich nach oben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mit der Situation vertraute Kreise. Die Wahrscheinlichkeit, dass Microsoft den Bieterwettstreit gewinne, sei gesunken, seit der potenzielle Preis auf über zwei Milliarden Dollar gestiegen sei. Von Google äußerte sich niemand zu dem Bericht.

Auch Yahoo und AOL von Time Warner hätten bereits Gespräche mit DoubleClick geführt. Ob AOL noch im Rennen ist, sei jedoch unklar, hieß es in dem Zeitungsbericht. DoubleClick gehört mehrheitlich der US-Beteiligungsgesellschaft Hellman & Friedman, die sich von dem Verkauf angeblich mindestens zwei Milliarden Dollar erwartet. Mitte 2005 hatte sie DoubleClick für 1,1 Milliarden Dollar erworben. (al)

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