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Kultur

"Good Bye, Lenin!" triumphiert in Europa

Bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2003 entschied sich die Jury für den Ostalgie-Schlager der Saison, was auch nicht anders zu erwarten war.

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Jungstar Daniel Brühl im Preisfieber

Wolfgang Becker war sichtlich bewegt. "Damals hätten wir beinahe aufgegeben, so schrecklich waren die Dreharbeiten", sagte er. Zu wenig Geld, wild gewordene Wildschweine, kaputte Trabis und Hubschrauber - letztendlich aber lohnte sich der Kampf gegen alle Widrigkeiten. Bei der 16. Verleihung des Europäischen Filmpreises am Samstag (6.12.2003) in Berlin hieß der viel umjubelte Sieger "Good Bye, Lenin!". Beckers Erfolgskomödie über eine Familie, die der kranken Mutter den Untergang der DDR zu verheimlichen versucht, sahnte nicht nur gleich sechs der "Europäischen Oscars" in den insgesamt 16 Kategorien ab. Sie schrieb auch deutsche Filmgeschichte: Erstmals ging der Preis für den besten Film nach Deutschland.

Claude Chabrol

Claude Chabrol

Seltene Einmütigkeit herrschte zwischen Publikum und Kritikern. Für alle war "Good Bye, Lenin!" der herausragende Film des Jahres 2003. Die drei Publikumspreise gingen an die Hauptdarsteller Daniel Brühl und Katrin Saß sowie an Regisseur Becker. Brühl erhielt dann auch von den Juroren die Trophäe als bester Hauptdarsteller, Bernd Lichtenberg wurde als bester Drehbuchschreiber ausgezeichnet.

Nach einem wahren Preisregen, unter anderem bei der Berlinale und beim Deutschen Filmpreis, steht die Krönung für "Good Bye, Lenin!" aber noch aus: Eine Oscar-Nominierung am 27. Januar 2004 als bester ausländischer Film. "Das muss man abwarten", kommentiert Becker ruhig.

"Ich glaube an das europäische Kino"

Die Konkurrenz war dabei beileibe nicht schwach: Lars von Trier war mit "Dogville" am Start, Isabel Coixet mit "My Life without me", Francois Ozon mit "Swimming Pool". Viel mehr als eine Statistenrolle blieb ihnen nicht. Lars von Trier erhielt eine Art Trostpflaster und wurde zum besten Regisseur gekürt, sein Kamermann Anthony Dod Mantle erhielt ebenfalls eine Auszeichnung. Und Charlotte Rampling wurde als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in "Swimming Pool" ausgezeichnet.

Höhepunkt des Abends war jedoch die Vergabe des Preises für sein Lebenswerk an Claude Chabrol. Mit Tränen in den Augen nahm der große Charakterdarsteller die Statue aus den Händen von Isabelle Huppert entgegen. "Das ist viel für mich", sagte er. "Ich glaube an das europäische Kino." Die rund 1000 Gäste, unter ihnen Kulturstaatsministerin Christina Weiss und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, erhoben sich und spendeten langen Beifall.

Zweieinhalb Stunden zog sich die Zeremonie hin. Eine Reihe Prominenter hatte abgesagt: Pedro Almodovar ließ sich wegen einer Erkältung entschuldigen, Istvan Szabo ließ sich per Video einspielen, ebenso wie Charlotte Rampling, die lieber in Paris Theater spielte als die Trophäe - eine silberne, bislang namenlose Statue in Frauengestalt - abzuholen.

Für ein wenig Aufsehen sorgte dann noch Jeanne Moreaus
weiß-silbern glitzerndes Kleid und das geradezu babylonische Sprachgewirr: Die deutschen Laudatoren wie Tom Tykwer redeten englisch, die finnischen wie Mika Kaurismäki bayerisch, die Franzosen wie Huppert französisch, die Italiener wechselten zwischen englisch und italienisch - und manch Zuschauer lachte vielleicht etwas zu laut auf, wenn er dann doch einmal einen Witz verstanden zu haben glaubte und dann bewundernd ob seiner Sprachkenntnisse umher blickte. (kas)

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