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Afrika

Goma nach dem Fall

Jetzt sind die Rebellen in Goma im Ostkongo an der Macht. Und das lassen die selbst ernannten Befreier sowohl die leidgeprüfte Bevölkerung als auch die dort verbliebenen Regierungssoldaten und Polizisten spüren.

Goma am Tag nach der Eroberung durch die Rebellen der M23, der Bewegung des 23. März: Die ostkongolesische Provinzhauptstadt sieht aus wie ein Schlachtfeld. Auf einer Straße, die aus der Stadt hinaus führt, blockiert ein liegen gebliebener Panzer die Fahrbahn, ausgebrannte Autos stehen am Straßenrand. Granaten und Bomben liegen herum. Dutzende Leichen von Regierungssoldaten verwesen in der Mittagshitze. Angehörige stehen daneben, weinen und klagen.

Vertriebene in Goma im Fluechtlingslager Foto: Simone Schlindwein (DW)

Durch die Kämpfe hat sich die Zahl der Flüchtlinge verdoppelt

Im größten Flüchtlingslager in Goma herrscht das reinste Elend. Fast 50.000 Menschen hausen hier unter furchtbaren Bedingungen. Während der Kämpfe hat sich die Zahl der Vertriebenen schlagartig verdoppelt, berichtet Espere Pakanie, der seit Monaten von einem Flüchtlingslager zum anderen fliehen muss. "Es gibt hier nichts zu essen, wir verhungern hier regelrecht." Die meisten haben keine Zelte, schlafen unter freiem Himmel. "Es gibt auch keine Polizisten mehr, um uns zu beschützen, sie sind geflohen", sagt Espere. Einige Menschen gingen jetzt zurück in ihre Heimatdörfer. Aber weil sie so hungrig seien, könnten sie nicht zu Fuß gehen. "Ich würde dort nie ankommen. Es ist weit, wir brauchen zwei Tage dorthin."

Soldaten legen Waffen nieder

Währenddessen drängen sich im Fußballstadion in Goma die Menschen dicht an dicht. Tausende sind gekommen. Über das Radio haben die Rebellenkommandeure der Bevölkerung befohlen, hierher zu kommen.

Armeekommandeur Eric Makenzi umarmt einem General der Rebellenarmee Foto: Simone Schlindwein (DW)

Armeekommandeur Makenzi (l.) und die Rebellen im Stadion von Goma

Auch die besiegten Soldaten der Regierungsarmee, die nicht geflohen sind, und die Polizisten müssen erscheinen. Im Gleichschritt paradieren sie vor den Rebellenkommandeuren, legen ihre Waffen ab. Armeekommandeur Oberstleutnant Eric Makenzi salutiert vor den M23-Kommandeuren, seinen neuen Vorgesetzten: "Wir sind geblieben, weil wir nicht fliehen wollten. Wir müssen überlaufen, wir haben keine Wahl", sagt Makenzi.

Nach tagelangen schweren Gefechten musste sich die Armee am Dienstag geschlagen geben. Viele Soldaten und Kommandeure flohen aus der Stadt. Über 2000 blieben und müssen zur M23 überlaufen. Die Rebellen besetzen jetzt ein Territorium, das sich über hundert Kilometer an der Grenze zu Ruanda und Uganda entlang erstreckt. Die Eroberung von Goma ist ein Meilenstein in ihrem Kampf gegen die Regierung.

Rebellen wollen Kinshasa "befreien"

M23-Sprecher Oberstleutnant Vienney Kazarama betritt die Tribüne. Die Menge jubelt - die Menschen im Stadion haben keine andere Wahl: Die neuen Herrscher verlangen hundertprozentige Loyalität. In der Pressekonferenz später droht Kazarama mit dem Sturm auf die Hauptstadt Kinshasa und dem Sturz von Präsident Joseph Kabila.    

Die Regierung in der 2000 Kilometer entfernten Hauptstadt steht jetzt enorm unter Druck. Am Mittwoch (21.11.2012) eroberten die Rebellen die Kleinstadt Sake, 26 Kilometer von Goma entfernt - ohne einen Schuss abzufeuern. Jetzt marschieren sie nach Süd-Kivu, um dort die Provinzhauptstadt Bukavu einzunehmen. Von der kongolesischen Armee haben sie nur wenig Widerstand zu erwarten.

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