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Aktuell Afrika

Golfstaaten begrüßen Mursis Sturz

Anders als der Westen reagieren viele arabische Staaten erleichtert auf den Machtwechsel in Ägypten. Sie setzen auf einen Neuanfang – für das Land und die diplomatischen Beziehungen.

"Wir werden für Sie beten, dass Sie dieser großen Verantwortung und den Wünschen" der Ägypter gerecht werden, schrieb der saudische König Abdullah dem frisch vereidigten ägyptischen Präsidenten Adli Mansur. Der neue Staatschef habe die Führung Ägyptens zu einem für das Land "kritischen Zeitpunkt" übernommen.

Nach den anhaltenden Protesten gegen die islamistische Führung im Land und dem wachsenden Unmut in der Bevölkerung reagierten viele arabische Länder mit Erleichterung auf den Machtwechsel. Seit dem Amtsantritt Mursis hatten sich die diplomatischen Beziehungen zu den Golfstaaten spürbar abgekühlt. Die Vereidigung des neuen ägyptischen Präsidenten weckt die Hoffnung auf bessere und stabilere politische Kontakte.

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Ein Jahr Mursi

Scheich Abdullah bin-Zayed al-Nahayan, der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, schloss sich den Glückwünschen an. Er sei zuversichtlich, dass "das großartige Volk der Ägypter diese schwere Zeit bewältigen kann", wird er von der Nachrichtenagentur WAM zitiert. Der Minister bezeichnete das ägyptische Militär als "Bewahrer und Beschützer". Es habe "erneut unter Beweis gestellt, dass Ägypten ein Staat der Institutionen und des Gesetzes bleibt". Die Beziehungen zwischen beiden Ländern hatten sich nach dem Amtsantritt Mursis deutlich verschlechtert. Die Emirate zählen zu den größten Kritikern der Muslimbrüderschaft in der arabischen Welt.

"Positive Rolle des Militärs"

Auch der reiche Golfstaat Katar begrüßt den Machtwechsel in Ägypten und die Entscheidung des Militärs. Während der Revolution gegen den ehemaligen ägyptische Präsidenten Husni Mubarak hatte Katar die Opposition und damit auch die Muslimbrüder finanziell stark unterstützt.

Der kuwaitische Staatschef Scheich Sabah Al-Ahmed al-Sabah beglückwünschte den vereidigten Präsidenten und das arabische Volk zu ihrem Neubeginn und betonte die "positive und historische Rolle" des Militärs.

Am Rande seines Besuches im Libanon lobte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Rolle der von al-Sisi kommandierten ägyptischen Streitkräfte und bezeichnete Ägypten als Land, das zeige, "dass alle Macht vom Volke ausgeht". Dies würde auch die Zukunft der Hamas betreffen.

Israel beobachtet die Entwicklung in Ägypten mit Hoffen und Bangen. Der ehemalige israelische Botschafter in Kairo, Eli Shaked, setzt auf eine baldige Entspannung im Nachbarland. Der Nachrichtenagentur dpa sagte er, Chaos und mangelnde Stabilität lägen nicht im Interesse seines Landes. Für den israelischen Ex-Botschafter Zvi Mazel ist der Umsturz eine "Nachbesserung der Revolution". Er hege "neue Hoffnung" für Ägypten, sagte Mazel.

Schon vor der Absetzung Mursis hatte der syrische Präsident Baschar Al-Assad erklärt, das ägyptische Volk habe die "Lügen" der Muslimbrüder erkannt. Was in Ägypten passiere, sei die Niederschlagung des "politischen Islam": "Wer Religion in der Politik benutzt und sie zugunsten einer und gegen eine andere Gruppe ausspielt, wird überall damit scheitern", sagte er der staatlichen Tageszeitung Ath-Thawra. In Syrien sind die Muslimbrüder seit 1980 verboten. Als eine der regimekritischen Gruppen führen sie seit knapp zwei Jahren einen Bürgerkrieg gegen Assads Regime. Mursi hatte während seiner Amtszeit mehrfach den syrischen Präsidenten zum Rücktritt aufgefordert.

da/rb (afp, dpa, reuters, kuna, spa, wam, Al Ahram Online)

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