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Krise am Golf

Golf-Krise verunsichert Öl- und Gasmärkte

Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jemen und Ägypten brachen am Montag überraschend alle diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Der Ölmarkt reagierte nervös. Flugverbindungen wurden gestrichen.

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Katar unter Druck

Nach der Talfahrt zu Wochenbeginn wegen des Konflikts mit den arabischen Nachbarstaaten hat sich die Aktienbörse im Golfstaat Katar stabilisiert. Staatsanleihen des Emirats standen am Dienstag dagegen weiter unter Druck, auch die Landeswährung, der Katar-Riyal, war weiter schwach. Zahlreiche arabische Staaten hatten Katar am Montag vorgeworfen, Terrororganisationen wie den Islamischen Staat zu unterstützen und ihre Beziehungen zu dem kleinen Golfstaat abgebrochen. Die dadurch ausgelöste schwerste diplomatische Krise in der Region seit Jahren hatte den Qatar Exchange Index (DSM) am Montag so stark abstürzen lassen wie zuletzt vor rund acht Jahren. Nachdem er den Handel mit einem Verlust von 7,27 Prozent auf 9202,62 Punkte beendet hatte, zeigte er sich zuletzt unverändert.  

Die Krise hat Börsianer am Dienstag in als sicher geltende Anlagen getrieben. Gefragt waren vor allem Gold und deutsche Bundesanleihen, die Kurse an den europäischen Aktienmärkten gaben dagegen nach. Die "Anti-Krisenwährung" Gold kletterte um 0,8 Prozent auf ein Sieben-Wochen-Hoch von 1289,67 Dollar je Feinunze.

Nervosität am Ölmarkt

Bei Ölanlegern stieg die Nervosität. Die Preise für den Rohstoff schwankten am Dienstag stark. Ein Barrel (159 Liter) der richtungsweisenden Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um zeitweise ein Prozent auf 49,00 Dollar, stieg dann aber wieder um 0,3 Prozent auf 49,60 Dollar. US-Leichtöl WTI gab ebenfalls um bis zu ein Prozent nach, drehte im frühen Handel aber wieder ins Plus und notierte 0,2 Prozent fester. Investoren befürchteten nach Meinung von Börsianern, dass die politischen Spannungen im Nahen Osten die Bemühungen des Förderkartells Opec untergraben, die Öl-Produktionsmenge zu begrenzen und das weltweit herrschende Überangebot einzudämmen.

Mit rund 620.000 Barrel pro Tag ist Katar zwar einer der kleinsten Produzenten innerhalb der Opec. Allerdings sei die Gefahr sehr real, dass die Einigkeit innerhalb des Ölkartells wegen der Spannungen in der Region nun zu bröckeln beginne, sagte Analyst Greg McKenna vom Brokerhaus AxiTrader. 

Der Ökonom Oliver Jacobs vom Erdölanalyehaus Petromatrix sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Auswirkungen des diplomatischen Zerwürfnisse auf den Ölmarkt seien noch unklar. Die Turbulenzen könnten jedoch die vor wenigen Tagen beschlossenen Produktionskürzungen des Ölkartells Opec wieder infrage stellen.

Flugverbindungen unterbrochen

Die ersten Auswirkungen zeigten sich im Luftverkehr: Die Fluggesellschaften Etihad, Emirates und flydubai sowie die saudi-arabische Airline Saudi kündigten die Einstellung sämtlicher Flugverbindungen von und nach Doha ab Dienstag an. Qatar Airways setzte bis auf weiteres alle Flüge nach Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate aus. Das teilt die Fluggesellschaft auf ihrer Internet-Seite mit. Die Flüge nach Saudi-Arabien wurden bereits am Montag gestoppt.

Kunden von Qatar Airways, die von der Aussetzung der Flugverbindungen betroffen sind, können nach Unternehmensangaben ihre Tickets gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben oder zu anderen Flugzielen umbuchen. In der saudiarabischen Hauptstadt Riad bildete sich nach AFP-Informationen vor den Büros von Qatar Airways eine Schlange von Fluggästen, die dort wegen der Unterbrechung der Flugverbindungen festsaßen.

Der katarische Flughafen in Doha ist ein Drehkreuz im Flugverkehr zwischen Europa und Asien. Welche Auswirkungen die aktuellen Einschränkungen darauf haben werden, ist noch nicht absehbar.
Auch Ägypten erklärte, alle Häfen und Flughäfen würden für katarische Schiffe und Flugzeuge gesperrt.

Weitere Konsequenzen ungewiss

Katar lebt fast ausschließlich vom Export seiner Bodenschätze: Erdöl und Erdgas. Das Land, das nach dem Iran und Russland über die drittgrößten Gasreserven der Welt verfügt, ist aktuell der größte Exporteur von Flüssigerdgas (LNG) weltweit. Laut Aussagen von Gashändlern, so Reuters, sei es noch zu früh, um die Auswirkungen des diplomatischen Streiks auf die LNG-Lieferungen in der Region abschätzen zu können.

Die Erbmonarchie auf der arabischen Halbinsel ist mit mehr als 300 Milliarden Dollar einer der weltweit größten institutionellen Anleger. In Deutschland hält man unter anderem beachtliche Anteile am VW-Konzern und der Deutschen Bank. Umgekehrt ist Katar auch für deutsche Investitionen ein lohnendes Ziel: So ist in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn ein Prestigeprojekt in Katar geplant. Mit der Unterstützung der Bahn soll eine Metro mit einem Streckennetz von 300 Kilometern in dem Wüstenland entstehen.

dk/hb/cr (afp/dpa/rtr)

 

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