1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Goldman Sachs weist Schuld von sich

Die US-Bank Goldman Sachs hat die erhobenen Betrugsvorwürfe zurückgewiesen. Bei einer Anhörung vor dem US-Senat sagte Goldman-Chef Lloyd Blankfein: "Wir habe nicht gegen unsere Kunden gewettet".

Mehrere Goldman Sachs Manager mussten vor dem US-Senat erscheinen (Foto: AP)

Mehrere Goldman Sachs Manager mussten vor dem US-Senat erscheinen

Es war kein leichter Auftritt für die Manager von Goldman Sachs, die am Dienstag (27.04.2010) in Washington vor einem Senats-Ausschuss erscheinen mussten. Die Politiker gaben sich ihnen gegenüber angriffslustig und entschieden. Goldman habe die Krise verschärft und seine Kunden betrogen. "Das Vorgehen von Goldman Sachs zeigt, dass es seine Klienten nicht als wertvolle Kunden betrachtete, sondern als Objekte für den eigenen Profit", sagte der Ausschussvorsitzende Senator Carl Levin zu Beginn der Anhörung.

Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs (Foto: dpa)

Kämpft um den Ruf seines Hauses: Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs

Goldman-Chef Lloyd Blankfein wies die Anschuldigungen zurück. Er widersprach Levin, seine Bank hätte 2007 auf fallende Häusermärkte gesetzt, gleichzeitig den Kunden aber weiterhin Hypothekenpapiere verkauft. Als die Immobilienblase platzte, wurden diese Geldanlagen über Nacht praktisch wertlos.

Manager rühmte eigene Genialität

Auch das umstrittene Produkt "Abacus 2007-AC1" kam vor dem Ausschuss zur Sprache. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte wegen Abacus vor rund zwei Wochen Klage gegen Goldman Sachs eingereicht. Die Bank soll damit mehrere Kunden hinters Licht geführt haben, darunter auch die deutsche Mittelstandsbank IKB. Allein bei der IBK liege der Schaden bei 150 Millionen Dollar.

Fabrice Tourre (Foto: AP)

Fabrice Tourre soll einen Deal eingefädelt und so Kunden getäuscht haben

"Ich weise die SEC-Anschuldigungen kategorisch zurück", sagte Goldman-Sachs-Banker Fabrice Tourre vor den Senatoren. Die IKB sei einer der weltweit erfahrensten Spieler auf dem Hypothekenmarkt gewesen. Tourre hatte das komplexe Geschäft eingefädelt und sich in internen E-Mails seiner eigenen Genialität gerühmt. Er bedauerte diese Mitteilungen und sagte: "Ich werde mich vor Gericht gegen die falschen Behauptungen verteidigen." Kritiker werfen der SEC vor, das Verfahren gegen Goldman sei politisch motiviert.

Problematische Kredite wissentlich abgestoßen

Politiker von Demokraten und Republikanern hingegen kritisierten Goldman Sachs. "Es ist keine Frage, Goldman Sachs hat unmoralisch gehandelt", sagte Senator John McCain aus Arizona. Die ebenfalls republikanische Senatorin Susan Collins sagte, die Banken hätten minderwertige Kredite bewusst abgestoßen, um sich vor dem Finanzkollaps zu schützen. Die Senatoren bezogen sich auf firmeninterne E-Mails, die belegen würden, dass Goldman Sachs das Platzen der Immobilienblase geahnt und darum versucht habe, problematische Kredite abzustoßen.

Rund 60 Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses forderten die Börsenaufsicht SEC in einem Brief auf, ihre Ermittlungen auszudehnen und 24 weitere Geschäfte unter die Lupe zu nehmen, mit denen die Bank Kunden geschädigt haben könnte.

Geld für Schulen und Straßen

Bankchef Blankfein warb vor dem Senat um Verständnis: "Ich verstehe, wie eine solche komplizierte Transaktion für manche Menschen aussehen muss. Sie fühlen sich bestätigt in ihrer Annahme, dass die Wall Street außer Kontrolle geraten ist." Dem durch die Krise geförderten Eindruck gieriger Banker, die für fette Boni windige Geschäfte entwickeln, widersprach Blankfein. Tatsächlich würden seine Mitarbeiter aber etwa der Regierung helfen, Geld für Schulen oder Straßen aufzutreiben. Er befürwortete eine Reform des Finanzmarktes, ein Verbot von Anlageformen hält er für falsch.

Goldman Sachs hat im ersten Quartal 3,46 Milliarden Dollar Gewinn gemacht, fast doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Autor: Julian Mertens (dpa, afp, rtr)
Redatkion: Manfred Götzke

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema