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Wirtschaft

Goldman Sachs gerät unter Druck

Die Ermittlungen gegen die renommierte US-Bank Goldman Sachs ziehen weitere Kreise. Deutsche Politiker erwägen Schadensersatzansprüche. Goldman soll die IKB-Bank beim Verkauf von Wertpapieren betrogen haben.

Die Zentrale von Goldman Sachs in New York (Foto: dpa)

Die Zentrale von Goldman Sachs in New York: Hier soll der umstrittene Deal beschlossen worden sein

Laut SEC hat Goldman Sachs im Jahr 2007 ein kompliziertes Finanzprodukt verkauft, in dem Wissen, dass es schon bald wertlos sein würde. Die schweren Vorwürfe der amerikanischen Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs drücken auf die Stimmung der Finanzwelt. In Asien sanken am Montag (19.04.2010) im Handelsverlauf die Kurse an den Börsen, vor allem von japanischen Finanzunternehmen. Auch der Ölpreis fiel.

Bundesregierung prüft rechtliche Schritte

Betroffen war 2007 auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die dadurch 150 Millionen Dollar verloren haben soll, heißt es in der SEC-Klageschrift. Unionspolitiker denken nun laut über rechtliche Schritte nach.

Porträt des CDU-Politikers Michael Meisters (Foto: dpa)

CDU-Politiker Michael Meister will die Möglichkeit für Ansprüche auf Schadensersatz ausnutzen

"Es ist nur konsequent, wenn jetzt Schadensersatzansprüche geprüft werden", sagte der stellvertretende CDU/CSU-Bundestagsfraktionvorsitzende Michael Meister (CDU) dem Handelsblatt. "Der Bund war der größte Minderheitenaktionär bei der IKB. Wenn man jetzt Verantwortliche dingfest machen könnte, an die sich Schadensersatzansprüche des Bundes oder der KfW richten, sollten wir das dringend ausnutzen", sagte Meister. Auch der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs sieht das so: "Wenn wir uns was von denen zurückholen können, sollten wir das auch tun." Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte am Wochenende der "Welt am Sonntag", die Finanzaufsicht BaFin werde bei der US-Börsenaufsicht Auskünfte einholen und dann über rechtliche Schritte nachdenken.

Ob die KfW Ansprüche erheben kann ist unklar

Inwiefern rechtliche Ansprüche bei dem komplexen Handel bestehen können, ist bislang unklar. "Wir werden prüfen ob und in welcher Weise wir überhaupt betroffen sind", sagte KfW-Sprecher Wolfram Schweickhardt am Montag. Gleiches verlautbart die IKB: "Wir haben am Freitag von der Klage erfahren und müssen uns die Unterlagen erst einmal genau ansehen", so IKB-Sprecherin Annette Littmann.

Die IKB musste wegen riskanter Geschäfte mit öffentlichen Geldern von fast zehn Milliarden Euro durch die staatliche KfW vor dem Bankrott gerettet werden. Allerdings verkaufte die KfW sie 2008 an den Finanzinvestor Lone Star. Ob damit auch mögliche Rechtsansprüche auf Lone Star übergegangen sind, will die KfW nicht beantworten: "Wir haben damals Stillschweigen über den Vertrag vereinbart", sagte der KfW-Sprecher.

Brown fordert sofortige Untersuchung

Auch aus Großbritannien kommen Forderungen nach Klagen gegen Goldman. Premierminister Gordon Brown verlangte von der britischen Finanzaufsicht eine sofortige Untersuchung des Falls. Die Royal Bank of Scotland (RBS) war während der Krise Miteigentümer der niederländischen ABN Amro geworden. Diese hatte in das Goldman Produkt investiert.

"IKB kannte die Risiken"

Goldman widerspricht den Vorwürfen: "Wir haben kein Portfolio geschaffen, dass dafür bestimmt war, Geld zu verlieren." Die IKB habe umfangreiche Informationen zum Geschäft bekommen. Die IKB gehöre im Hypothekengeschäft zu den Investoren mit der meisten Erfahrung weltweit. Sie habe das Risiko gekannt. Goldman hat bereits angedeutet, sich auf keinen Vergleich einlassen zu wollen.

Gesamtschaden von 1 Milliarde Dollar

Die Börsenaufsicht SEC hatte Goldman am Freitag Betrug mit verbrieften Hypothekenkrediten vorgeworfen und eine Zivilklage angestrengt. Beim Verkauf der Wertpapiere sei von vornherein klar gewesen, dass es nur zwei Gewinner geben würde: Goldman Sachs selbst und den Hedgefonds Paulson & Co. Der habe das Portfolio erst mitkonzipiert und dann auf dessen Verfall gewettet. Der Schaden liegt laut Börsenaufsicht bei mehr als einer Milliarde Dollar. Die Nachricht hatte am Freitag bereits die US-Börsen deutlich ins Minus gedrückt, Aktien großer Geldhäuser verloren massiv.

Ruf von Goldman steht auf dem Spiel

Ein Gerichtsverfahren dürfte sich aber über Jahre hinziehen. Die Reputation von Goldman steht auf dem Spiel. Dabei steht die Bank bereits unter Druck, weil sie ihren Mitarbeitern angeblich zu hohe Löhne und Boni gezahlt habe, lauten Vorwürfe. Großbritanniens Premier Brown sprach am Wochenende von einem "moralischen Bankrott". Kaum ein Geldhaus ist derart gut in Politik und Wirtschaft verdrahtet wie Goldman, kaum ein Finanzkonzern mischt bei derart vielen Geschäften mit. Goldman Sachs ist in der Branche gefürchtet und bewundert zugleich.

Goldman Sachs hat rund 32.500 Mitarbeiter an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt. Hauptsitz ist New York. Das Institut ist fast schadenfrei durch die Finanzkrise gekommen. Es hatte den Einbruch der Märkte frühzeitig vorausgesehen. 2009 konnte Goldman Sachs mit einem Gewinn von 12,2 Milliarden Dollar nahtlos an die Rekordzahlen aus der Zeit vor der Krise anknüpfen.

Autor: Julian Mertens

Redaktion: Martin Schrader

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