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Kultur

Goldener Löwe für Armenien

89 Nationen hatten mit ihrem Länderpavillon um den begehrten Löwen gewetteifert, jetzt steht mit Armenien der Sieger fest. Über weitere Löwen konnten sich der Künstler El Anatsui und die Kuratorin Susanne Gehz freuen.

Italien Biennale 2015 Venedig Armenien Pavillon Kuratorin Adelina Cuberyan

Kuratorin Adelina Cuberyan nimmt den Löwen für Armenien entgegen

Mit dieser Entscheidung hatte keiner so richtig gerechnet. Der Pavillon Armeniens habe die Jury vor allem wegen seiner poetischen Gestaltung überzeugt, hieß es am Samstag nach der Bekanntgabe des Gewinners; zudem war der Preis 100 Jahre nach der Vernichtung der Armenier durch die Türken wohl auch ein politisches Statement.

Als beste Künstlerin wurde die US-Amerikanerin Adrian Piper geehrt. Die 66-Jährige erhalte die Auszeichnung für ein Werk, das den Zuschauer zu lebenslangem Engagement auffordere, so Kurator Okwui Enwezor bei der Preisvergabe. Piper gilt als eine der weltweit herausragenden Konzeptkünstlerinnen. Seit 2005 lebt sie in Berlin, wo sie eine nach ihr benannte Stiftung zur Förderung interdisziplinärer Forschung gründete.

Anerkennung afrikanischer Kunst

Mit einem weiteren Goldenen Löwen für sein Lebenswerk wurde der ghanaische Bildhauer El Anatsui ausgezeichnet. Er sei der "vielleicht bedeutendste lebende afrikanische Künstler und habe ungemein zur Anerkennung afrikanischer Gegenwartskünstler in der globalen Arena beigetragen", begründete der Kurator der 56. Internationalen Kunstausstellung der Biennale, Okwui Enwezor, die Entscheidung der Jury.

Der ghanaische Bildhauer El Anatsui

El Anatsui wurde für sein Lebenswerk geehrt

El Anatsui arbeitet mit Alltagsmaterialien, gern auch mit Müll, und ist durch seine großflächigen Mosaike aus Kupferdraht und Flaschenverschlüssen berühmt geworden. Mit einer entsprechenden Arbeit verwandelte er während der Biennale 2007 die Fassade des venezianischen Palazzo Fortuny in eine Wandskulptur.

Pionierrolle für die Gegenwartskunst

Ebenfalls vom Vorstand der Biennale unter dem Vorsitz von Paolo Baratta ausgezeichnet wurde die amerikanische Kuratorin Susanne Ghez. Sie erhielt den "Sonnenlöwen" für ihre Verdienste um die Gegenwartskunst. Ghez habe in ihren über 160 Ausstellung seit den 1970er Jahren eine Pionierrolle für die Gegenwartskunst ausgefüllt, unter anderem habe sie jungen Künstlern wie Jeff Wall, Mike Kelley, Isa Genzken, Thomas Struth und Kara Walker erste museale Ausstellungen verschafft, so die Jury.

Die Goldenen Löwen wurden gegen Mittag bei einer feierlichen Zeremonie in einem Palast am Markusplatz in der Ca’ Giustinian vergeben. Die Veranstaltung war der Höhepunkt der heutigen Eröffnung.

Mekka zeitgenössischer Kunst

Auf der letzten Biennale, 2013, ging ein Goldener Löwe für den besten nationalen Pavillon an Angola, die Auszeichnung als bester Künstler an den britisch-deutschen Performancekünstler Tino Sehgal. Die Biennale ist die weltweit wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Seit 1895 präsentieren Künstler hier ihre Ideen, Konzepte und Werke in den Länderpavillons. Im Laufe der Zeit kamen die Architektur-Biennale, die Filmfestspiele von Venedig und die Festivals für Musik, Theater und Tanz dazu. Hauptschauplatz der Biennale sind die Giardini im Stadtteil Castello, wo die Länderpavillons aufgebaut sind.

Globalisierung im Fokus

Der Besucherandrang zur 56. Kunst-Biennale in Venedig ist auch 2015 groß. Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich schon vor der Eröffnung um 10 Uhr lange Schlangen gebildet. Unter dem diesjährigen Motto "All the World's Futures" (Alle Zukünfte der Welt) will Kurator Okwui Enwezor die Probleme der Globalsierung in den Fokus rücken. 163 Künstler aus 53 Ländern sind geladen, 89 Nationen präsentieren sich mit eigenen Pavillons. Bis zum 22. November werden mehr als eine halbe Million Besucher erwartet.

suc/uh (UiU,dpa)