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Kultur

Goldene Palme geht nach Thailand

Mit einer Überraschung ist das Filmfestival von Cannes zu Ende gegangen. Die Goldene Palme gewann der Film "Onkel Boonmee" des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul.

Goldene Palme (Foto: AP)

Begehrt: Die Goldene Palme

19 Filme, die meisten davon aus Asien, hatten zwölf Tage lang um die begehrten Preise des wichtigsten Filmfestivals der Welt gerungen. Die Jury unter Leitung des amerikanischen Regisseurs Tim Burton entschied sich am Sonntagabend (23.05.2010) in Cannes für einen Film, der vorher nicht gerade als Favorit gehandelt wurde: "Onkel Boonmee" ("Lung Boonmee Raluek Chat") des Regisseurs Apichatpong Weerasethakul.

Apichatpong Weerasethakul (Foto: AP)

Apichatpong Weerasethakul: "Das scheint mir alles surrealistisch"

Der 39-jährige Thailänder nahm den Preis an der südfranzösischen Côte d'Azur gerührt entgegen und dankte seinen Eltern, die ihn als Kind mit ins Kino genommen hatten. In seinem Film erzählt Apichatpong Weerasethakul in vielen Traumsequenzen von einem todkranken Mann, der die letzten Tage seines Lebens bei seiner Familie auf dem Land verbringen will. Dort erscheinen ihm seine tote Frau und sein verschollen geglaubter Sohn. Mit ihnen begibt er sich auf eine Reise zu dem Geburtsort seines ersten Lebens. Dabei setzt Apichatpong Weerasethakul auf die Vorstellungskraft und Fantasie der Zuschauer, was für einige hoch-poetisch, für andere extrem langweilig ist. An dem Film sind auch zwei Firmen aus Köln beteiligt: The Match Factory und die Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion GFF.

Ein Novum!

In der Kategorie "Bester Schauspieler" wurden diesmal gleich zwei Darsteller ausgezeichnet - ein Novum in der Geschichte des renommierten Festivals an der Côte d'Azur. Die Jury ehrte den Spanier Javier Bardem ("Biutiful") und den Italiener Elio Germano ("La Nostra Vita"). Beide erhielten den Preis für eine Vaterrolle: Bardem spielt einen todkranken Mann, der als Kleinkrimineller mit Herz kurz vor seinem Tod seinen beiden Kindern ein besseres Leben bieten will. Germano stellt einen Vater dar, der sich nach dem Tod seiner Frau auf illegale Geschäfte einlässt, um seinen kleinen Kindern zumindest materiell ein gutes Leben zu ermöglichen.

Javier Bardem (links) und Elio Germano (Foto: AP)

Diesmal zwei statt ein "Bester Schauspieler": Javier Bardem (links) und Elio Germano

Original und Fälschung

Den Preis als beste Schauspielerin gewann die Französin Juliette Binoche für ihre Rolle in "Copie Conforme". Die 46-Jährige spielt darin eine unglückliche Kunsthändlerin. In dem Film des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami geht es um Original und Fälschung und auch im übertragenen Sinne um die Echtheit von Beziehungen. Binoche war durch Filme wie "Der englische Patient" bekanntgeworden.

In ihrer Dankesrede sprach sie über den iranischen Regisseur Jafar Panahi, der seit zwei Monaten in Teheran im Gefängnis sitzt und daher nicht in der Jury des Festivals sein konnte. Vor einer Woche war der Filmemacher in einen Hungerstreik getreten.

Juliette Binoche (Foto: AP)

Den Preis "Beste Schauspielerin" gab's nur einmal: Juliette Binoche

Der Große Preis der Jury...

...ging 2010 an "Des Hommes Et Des Dieux" von Xavier Beauvois - dieser Film war eigentlich als Favorit für die Goldene Palme gehandelt worden. Der französische Regisseur erzählt darin nach wahren Begebenheiten die Geschichte von sieben Mönchen, die 1996 aus einem algerischen Kloster entführt und später ermordet wurden.

Ebenfalls an einen Franzosen ging der Preis für die beste Regie und zwar an Mathieu Amalric und seinen Film "Tournée", ein Road-Movie über einen erfolglosen Manager (gespielt von Amalric), der mit einer Truppe amerikanischer Burlesque-Tänzerinnen durch die französische Provinz tourt. Für das beste Drehbuch wurde der Südkoreaner Lee Chang-dong mit seinem Werk "Poetry" ausgezeichnet.

Erstmals bei dem Festival im Wettbewerb vertreten und gleich mit einem Preis ausgezeichnet wurde der Beitrag aus dem Tschad "A Screaming Man" von Mahamat-Saleh Haroun. Auch mit dieser Wahl entschied sich die Jury für einen sehr ruhigen Film, der ebenfalls einen Vater-Sohn-Konflikt thematisiert. Die Auszeichnung für den besten Debütfilm erhielt der Mexikaner Michael Rowe für "Año Bisiesto".

Große Hollywood-Produktionen...

Oliver Schmitz (Foto: dpa)

Aus Südafrika stammend, in Berlin lebend: Regisseur Oliver Schmitz

...fehlten im Wettbewerb des 63. Festivals in diesem Jahr ebenso wie ein deutscher Film. Immerhin trat der aus Weißrussland stammende Filmemacher Sergei Loznitsa mit der deutsch-ukrainisch-niederländischen Koproduktion "Mein Glück" im Wettbewerb an. In der Nebensektion "Un Certain Regard" waren die deutschen Filmemacher Christoph Hochhäusler mit "Unter uns die Stadt" und Oliver Schmitz mit "Live, Above All" vertreten.

Kein Mangel herrschte an der Croisette an Stars, die ihre Filme außerhalb der Konkurrenz vorstellten. Cate Blanchett und Russell Crowe etwa spielten die Hauptrollen in dem Eröffnungsfilm "Robin Hood" und schritten am ersten Abend über den Roten Teppich. Woody Allen präsentierte seine neue Komödie "You Will Meet A Tall Dark Stranger" und Oliver Stone präsentierte "Wall Street - Money Never Sleeps", die Fortsetzung des Kinohits aus den achtziger Jahren, und brachte seinen damaligen und aktuellen Hauptdarsteller Michael Douglas mit.

Autoren: Reinhard Kleber / Christian Walz (dpa, afp, apn, epd)

Redaktion: Susanne Eickenfonder

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