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Kultur

Goldene Palme geht nach Frankreich

"Entre les murs" des französischen Regisseurs Laurent Cantet räumte in Cannes den wichtigsten Preis ab. "Palermo Shooting" von Wim Wenders ging leer aus. Das Herz der Jury schlug für einen anderen deutschen Beitrag.

Der französische Regisseur Laurent Cantet und Schüler einer Pariser Klasse mit der Goldenen Palme (Quelle: AP Photo/Jeff Christensen)

Regisseur Laurent Cantet (r.) mit seinen jungen Darstellern

Die Geschichte von "Entre les murs" bewegt sich zwischen Fiktion und Dokumentation. Sie handelt von einem Französischlehrer an einer Pariser Schule, der in seinem Unterricht engagiert mit den Schwierigkeiten in seiner multikulturellen Klasse umgeht und schließlich an den zum Teil heftigen Konflikten scheitert. Schüler und Lehrer der Schule spielen sich selbst, allerdings nach einem festen Drehbuch.

Mit der Entscheidung von Sonntag (25.5.2008) hielt sich die Jury an ein Versprechen ihres Präsidenten Sean Penn. Er hatte vor Beginn des Festivals erklärt, die Goldene Palme werde an einen Film vergeben, dessen Regisseur ein Bewusstsein zeigt für die Zeit, in der er lebt.

Preise für Benicio Del Toro und Mafia-Filme

Benicio Del Toro mit seinem Preis (Quelle: AP Photo/Francois Mori)

Benicio Del Toro

Als bester Hauptdarsteller wurde Benicio Del Toro für seine Darstellung von Che Guevara ausgezeichnet. Trotz seines intensiven Spiels konnte er indes nicht verhindern, dass der viereinhalbstündige Film "Che" von Steven Soderbergh über die Guerillakämpfe auf Kuba und in Bolivien in völliger Belanglosigkeit versank.

Die beiden italienischen Filme "Gomorra" und "Il Divo" wurden mit dem Großen Preis der Jury bzw. dem Jurypreis bedacht. Beide setzen sich schonungslos mit der Mafia und ihrem Einfluss auf den Alltag der Menschen bzw. auf die große Politik auseinander.

Wim Wenders kam zur falschen Zeit

Der deutsche Beitrag "Palermo Shooting" ging vollkommen leer aus. Dass sein Film als vorletzter im Wettbewerbsprogramm lief, hielt Regisseur Wim Wenders für kein gutes Zeichen. Es sei ein merkwürdiges Gefühl, erst ganz am Ende dranzukommen, "wenn alle schon müde sind und kaum noch gucken können", so Wenders.

Außerdem, glaubt der Filmemacher, habe jedes Cannes-Festival seine ganz eigenen Gesetze. In manchen Jahren hätten nur politische Filme eine Chance, in anderen würden nur Fantasy- oder Human-Interest-Stories für preiswürdig erachtet. Das Risiko, mit dem falschen Film zur falschen Zeit aufzukreuzen hält Wenders für hoch. Daher habe er es sich angewöhnt, "damit lässiger umzugehen und vor allem nichts zu erwarten".

Campino und Wim Wenders (Quelle: AP Photo/Frank Augstein)

Wim Wenders (r.) mit Campino

Zum neunten Mal war Wenders in Cannes dabei. Einmal hat er die Goldene Palme gewonnen, 1984 mit "Paris, Texas". Sein Film "Palermo Shooting" wurde sehr kontrovers aufgenommen, es gab Applaus und Buh-Rufe. Zu prätentiös und zu inflationär mit platten Lebensweisheiten zugetextet, meinten viele Zuschauer. Außerdem war Campino, Sänger der deutschen Punkrockband "Die Toten Hosen", mit der Rolle des Mittvierzigers in der Lebenskrise als Nichtschauspieler überfordert.

Dresen schwebt auf "Wolke 9"

Dafür konnte Andreas Dresen mit seiner Liebesgeschichte "Wolke 9" in der Nebenreihe "Un certain regard" punkten. Der "Coup de coeur"-Preis (deutsch: "Herzschlag"-Preis) wurde extra für den Film über eine Liebe zwischen zwei Senioren ins Leben gerufen, auf Wunsch von Jurypräsident Fatih Akin.

Ein älterer Mann und eine ältere Frau sitzen nebeneinander auf einem Sofa - Szene aus Wolke 9 von Andreas Dresen (Quelle: Pressebild)

Szene aus "Wolke 9"

Für den Berliner Regisseur Dresen ist das ein zusätzlicher Erfolg, denn ihn hatte schon die Einladung nach Cannes beglückt. Die Leiterin der "Un certain regard"-Reihe habe ihn im Kino "willkommen in der Familie" geheißen, berichtet Dresen. Für ihn sei es erst einmal schön, sich "umschauen zu dürfen". Inwieweit die Auszeichnung Türen öffne, werde sich zeigen.

Wie ein Besuch im Zoo

Insgesamt war das 61. Cannes-Programm nur mäßig interessant. Weder künstlerisch noch thematisch konnte die Auswahl richtig begeistern. Wenige Filme sorgten für Diskussionen, wenige erzählten Geschichten, die nachwirkten. Und nur wenige werden vermutlich jemals in die Kinos kommen.

Das Drumherum allerdings war schillernd wie immer. Oder, wie es Campino, der zum ersten Mal in Cannes weilte, ausdrückt: "Ich sehe es ein bisschen wie einen Zoobesuch und lache über die Leute und die Poserei, die hier abläuft." Allerdings, räumt er ein, gebe es dazwischen auch "ein paar gute Leute".

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