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Europa

Gold zum Essen

Das Restaurant "Pod Aniolami" in Krakau nimmt seine Gäste mit in die Vergangenheit: In traditioneller Umgebung wird altpolnische Küche serviert. Und dazu gehört auch vergoldetes Wildfleisch.

Blick in ein Kellergewölbe, in dem gedeckte Tische stehen (Foto: Justyna Bronska)

Ein kulinarischer Ausflug in die Vergangenheit

Von außen sieht das Restaurant "Pod Aniolami" - zu deutsch: "Bei den Engeln" - aus wie jedes andere Restaurant in Krakau. Doch sind die Gäste erst einmal eingetreten, bleiben sie oft staunend stehen. "Eigentlich wollte ich in ein Restaurant und nicht ins Museum", sagt ein Gast. "Die Einrichtung ist wie im Mittelalter: hier ein Stück Holz, da ein Engel, dort alte Kupferkrüge. Alles sieht so aus, als ob ich in einer mittelalterlichen Stube gelandet wäre."

Essen mit Geschichte

Blick auf einen mit Essen gedeckten Tisch vor einem Kamin (Foto: Justyna Bronska)

Von Sauerkraut und Pierogi bis zu vergoldeten Lebkuchenengeln gibt es hier alles

In dem Gewölbe aus der Gotikzeit hängen alte Teppiche aus dem 18. Jahrhundert und ein Schwert aus dem 16. Jahrhundert an der Wand. Aber nicht nur die Einrichtung sei hier einzigartig, sagt eine junge Frau, die an einem Tisch sitzt. Es gebe sonst keine Restaurants in Krakau, die altpolnische Küche kochten. "Ich bringe meine Gäste immer hierher, wenn sie noch nie echte polnische Küche probiert haben. Vor allem die Pierogie, die schmecken hier am besten."

Wildfleisch, Pierogie, Barscz, Sauerkraut - nur traditionelle altpolnische Gerichte werden hier serviert. Die Küche ist deftig und wird aufwendig zubereitet. Etwa ein Dutzend Köche tummelt sich in der Küche. Der Chefkoch schlägt ein Kochbuch in altpolnischer Schrift auf. "Wir kochen alles nach Originalrezepten. Wir suchen sie in alten Kochbüchern, dann probieren wir es aus, passen es etwas an die neuen Essgewohnheiten an und dann servieren wir es den Gästen", erzählt er.

Vergoldete Lebkuchenengel

Lebkuchenengel liegen auf einem Blech und in einer Dose - auf ihrem Bauch klebt ein Streifen Gold (Foto: Justyna Bronska)

Engel mit den besonderen Etwas

Den Gästen wird Außergewöhnliches serviert: Gold. "Das kann man nur hier, bei uns essen", sagt Restaurantbesitzer Jacek Lodzinski stolz. Bei ihm gibt es beispielsweise vergoldete Lebkuchen. In der Küche duftet es süßlich-würzig. Ein Koch holt die Lebkuchen in Engel- und Herzform aus dem Backofen.

Wenn sie abgekühlt sind, geht es los. Die Lebkuchen werden mit Wasser angefeuchtet. Dann legt der Koch dünne Goldstreifen auf das Gebäck. "Genau 21 Karat kommen auf jedes Teil. Das leuchtet so schön. Täglich machen wir knapp 200 Teilchen, das sind fünf bis sechs Kilo Teig."

Teure Medizin

Ein Mann im Anzug steht am Herd (Foto: Justyna Bronska)

Seit 15 Jahren verwöhnt Restaurantbesitzer Jacek Lodzinski seine Gäste

Nicht nur Lebkuchen werden hier vergoldet. Mit einem Pinsel streicht der Chefkoch gerade Gold auf ein Stück Wildfleisch. "Gold ist gut für die Gesundheit. Im Mittelalter verwendete man es oft zum Kochen: Die Suppe wurde damit abgeschmeckt oder man schmückte Fleisch damit", erklärt Lodzinski. Für die Gesundheit habe Gold als das beste Heilmittel gegolten. Es sollte die Bakterien töten.

Diese ungewöhnliche Medizin kostet heute etwa 20 Euro pro Portion Fleisch. Ist das eine altpolnische Tradition oder moderne Dekadenz? Das kann jeder für sich selbst entscheiden.


Autorin: Justyna Bronska

Redaktion: Julia Kuckelkorn

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