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Wirtschaft

Gold für Bildung?

500 Tonnen Gold jährlich oder insgesamt 2500 Tonnen dürfen die Europäische Zentralbank und die 14 wichtigsten Notenbanken der Welt ab dem 27.9.2004 verkaufen. In Deutschland gibt es bereits Gezerre um mögliche Erlöse.

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Wer bekommt die Erlöse?


Die nationalen Goldreserven sind Relikte aus Zeiten des Bretton-Wood-Systems, als Währungen, vor allem der amerikanische Dollar, noch durch das Gold der Notenbanken gedeckt sein mussten. Doch seit dem Zusammenbruch des Systems 1973 sind sie, außer bei Preissteigerungen, für die Zentralbanken totes Kapital, denn sie bringen keine Zinsgewinne. Lediglich der Buchgewinn, also die Differenz zum einstigen Anschaffungspreis, ist erheblich - jedoch nur theoretisch, denn ein "Ausverkauf" der weltweiten Reserven würde unweigerlich zu einem totalen Verfall des Goldpreises führen. Nur die Knappheit macht hier den Preis.

Reglementierte Verkäufe

Daher darf bei einer Jahresproduktion der Goldminen von etwa 2500 Tonnen eine Obergrenze des weltweiten Verkaufs nicht überschritten werden - das sieht das Washingtoner Abkommen von 1999 vor: Diese Obergrenze lag bislang bei 400 Tonnen Gold jährlich oder insgesamt 2.000 Tonnen. Mit dem am 27. September 2004 in Kraft tretenden Abkommen wird diese erheblich nach oben verschoben.

Auch in den Tresoren der Deutschen Bundesbank gibt es noch viel zu verkaufen: Auf rund 275.000 Barren beläuft sich derzeit der deutsche Goldschatz. Jeder dieser 25 Zentimeter langen Barren mit dem Aufdruck "Fine Gold 999,9" - also reines Gold - ist mehr als 140.000 Euro wert. Mit einem Gesamtwert von rund 46 Milliarden Euro ist die Deutsche Bundesbank im Besitz der zweitgrößten Goldreserve weltweit. Bislang hatte sich die Bundesbank an den Golderkäufen nicht beteiligt, doch für das nächste Abkommen hat sie ein Kontingent von 120 bis 150 Tonnen pro Jahr angemeldet, das sie bei guten Preisen verkaufen will, bei schlechten aber nicht verkaufen muss.

Doch auch die Nachfrage nach Gold ist derzeit groß: So will beispielsweise Russland den Goldanteil an seinen Währungsreserven weiter aufstocken; außerdem wollen die Notenbanken einiger asiatischer Länder, die über hohe Dollarreserven verfügen, einen Teil dieses Geldes der Sicherheit halber in Gold investieren. Auch Goldproduzenten treten nicht ausschließlich als Verkäufer, sondern auch als Käufer auf - damit der Preis für das edle Metall nicht sinkt. Und in Krisenzeiten hat Gold sowieso immer Konjunktur.

Wohin mit den Erlösen?

So ist auch seit 1999 der Goldpreis von 240 Dollar pro Unze (= 31,1 Gramm) auf über 420 US-Dollar gestiegen. Daher verspricht sich Ernst Welteke, Chef der deutschen Bundesbank, von einem Teilverkauf deutscher Goldreserven satte Gewinne, denn das Gold steht mit dem niedrigen Ankaufspreis der fünfziger und sechziger Jahre in der Bundesbankbilanz. Noch ist jedoch unklar, wohin die Erlöse fließen. Das Bundesbankgesetz sieht die Einnahmen für den Bundeshaushalt vor, doch ginge es nach Welteke, käme das Geld einer Stiftung zur Förderung von Bildung und Forschung zu. Derzeit pokert er noch um die Änderung des Bundesbankgesetzes, seine gesetzlich verankerte Unabhängigkeit verleiht ihm eine starke Verhandlungsposition: Denn letztlich können weder Finanzminister Eichel noch die Bundesregierung Welteke zur Freisetzung der Reserven zwingen. Solange unklar ist, wohin die Erlöse fließen, wird sowieso nicht verkauft.

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