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Asien

Going West

Alle sprechen über den Börsengang von Alibaba in New York. Aber auch andere chinesische Internetfirmen orientieren sich Richtung Westen, meint DW-Kolumnist Frank Sieren.

Natürlich wird es spannend zu beobachten sein, wie Chinas größte E-Commerce-Plattform Alibaba in dieser Woche bei ihrem Börsendebüt in New York abschneidet. Ist die Nachfrage nach den Papieren des Unternehmens tatsächlich so groß, wie die Analysten glauben, könnte es der größte Börsengang aller Zeiten werden. Aber Alibaba-Hype hin oder her: Es lohnt sich, auch einen Blick auf andere chinesische Internetunternehmen zu werfen. Denn auch andere Konzerne, die in China ähnlich erfolgreich sind wie Alibaba, expandieren Richtung Westen. Der chinesische Suchmaschinenbetreiber Baidu zum Beispiel geht amerikanischen IT-Konzernen immer mehr auf die Nerven, wenn auch nicht durch einen Börsengang. Erst im Mai hatte Baidu einen Topmanager von Google, Andrew Ng, abgeworben, um das neue Forschungszentrum des Unternehmens in Kalifornien zu leiten.

Und in der vergangenen Woche wilderten die Chinesen schließlich bei Microsoft: Zhang Yaqin, der zuletzt Vizepräsident des Software-Giganten war, und dort die Asien-Pazifik-Forschungsabteilung leitete, wird nun ebenfalls zu Baidu wechseln. Aus Zhangs Sicht kann man diesen Schachzug gut verstehen. Denn für Microsoft lief es zuletzt in Asien nicht sonderlich rund. In China hat die Regierung gerade erst Windows 8 von sämtlichen Behördencomputern verbannt, und die Anti-Monopolkommission hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Bei Baidu wird Zhang mit solchen Problemen nicht zu kämpfen haben. Seine Herausforderungen sind andere: Baidu muss versuchen, seine Position unter den drei führenden Internetunternehmen Chinas zu behaupten.

Wettbewerb auf chinesischem Markt wird härter

Porträt von Frank Sieren

DW-Kolumnist Frank Sieren

Bislang hatten die chinesischen Internetgiganten die Märkte im Reich der Mitte, welche schon heute mehr als 600 Millionen Internetnutzer umfassen, weitgehend untereinander aufgeteilt: Baidu dominiert mit der gleichnamigen Suchmaschine die Internetsuche, Alibaba den Internethandel und Tencent soziale Netzwerke und Onlinespiele. Aber die rasante Verbreitung von Smartphones bei den Chinesen und immer mehr junge, aufstrebende Firmen bringen diese traditionelle Aufteilung nun durcheinander. Zhang soll Baidu helfen, seine Position gegen die neuen Konkurrenten zu verteidigen. Und auch auf dem globalen Markt hat Baidu Ambitionen: Das neue Forschungsinstitut im kalifornischen Silicon Valley eröffnete der Konzern zunächst nur unter dem unverdächtigen Namen "Institute of Deep Learning". Es wird aber sicher nicht nur beim Lernen bleiben. Finanzchefin Jennifer Li hat schon vor einem Jahr erklärt, dass Baidu auch international in die Internetsuche investieren will.

Wie auch Baidu waren fast alle führenden chinesischen Internetunternehmen anfangs ein Abklatsch ihrer amerikanischen Vorbilder. Doch alle diese Imitatoren haben sich längst weiterentwickelt und sind nun zum Teil besser als die Originale aufgestellt. Auch Tencent, das vor allem für seine sozialen Netzwerke QQ und WeChat (das Chinesische WhatsApp) bekannt ist, hat deshalb längst mit der Expansion Richtung Westen begonnen. Neben 600 Millionen Nutzern in China hat WeChat auch schon 200 Millionen Nutzer im Ausland. Außerdem wächst Tencent auch durch Zukäufe im Westen: Mehr als zwei Milliarden Dollar hat das Unternehmen inzwischen schon in amerikanische Internet-Firmen wie den Online-Händler Fab, die Spieleanbieter Riot Games und Epic Games investiert.

Alibaba wird durch Börsengang weiter gestärkt

Und auch Alibaba hat sicher noch nicht den Höhepunkt seiner Ausrichtung nach Westen erreicht. Das Geld, das der Konzern jetzt mit dem Börsengang einnimmt, wird sicher zu einem Teil auch genutzt werden, um das eine oder andere westliche Startup zu schlucken. Schließlich hat Alibaba auch schon früher einige Male zugeschlagen. Für über 200 Millionen Dollar stieg der Konzern im Oktober vergangenen Jahres beim kleinen Amazon-Konkurrenten ShopRunner ein. Auch wurde in den Online-Sporthändler Fanatics sowie die Apps-Suchmaschine Quixe investiert. Man sieht also: Die Zeiten, in denen Facebook, Google & Co. nahezu konkurrenzlos die Weltmärkte beherrschten, gehen langsam zu Ende - auch hier setzt sich eine multipolare Weltordnung durch.

DW-Kolumnist Frank Sieren lebt seit 20 Jahren in Peking.

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