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Kultur

"Goethe" zwischen Kultur- und Entwicklungspolitik

Das Goethe-Institut will sich noch stärker an der Schnittstelle von Entwicklungspolitik und Kulturarbeit engagieren. Denn Kreativität ist ein Motor jeder Zivilgesellschaft. Generalsekretär Johannes Ebert im Gespräch.

Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts. Foto: Goethe-Institut/Loredana La Rocca

Goethe Institut Generalsekretär Johannes Ebert

Deutsche Welle: Herr Ebert, Sie sind nun seit rund 100 Tagen Generalsekretär des Goethe-Instituts. Zu Ihren ersten Amtshandlungen gehörte ein Kooperationsvertrag mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Kann man daraus ablesen, dass das Thema "Kultur und Entwicklung" ein Schwerpunkt Ihrer künftigen Arbeit sein wird?

Johannes Ebert: Das Goethe-Institut hat natürlich viele Schwerpunkte. Aber in der Tat ist von meiner Vorgeschichte her - Arbeit in Kairo, in der Ukraine, Verantwortlichkeit für Zentralasien von Moskau aus - abzulesen, dass dieser Bereich, der zwischen Auswärtiger Kulturpolitik und Entwicklungspolitik liegt, für mich eine besondere Bedeutung hat. Die Qualifizierung von Kulturschaffenden, von Kulturmanagern, von Medienleuten, die Unterstützung von kultureller Infrastruktur halte ich für sehr wichtig, weil sie tief in die Gesellschaft hineinwirkt. Deutschland kann hier einen sehr guten Beitrag leisten.

Vielleicht können Sie an einem Beispiel deutlich machen, in welchem Bereich Sie noch aufbauen wollen? "Goethe" hat bisher etwa schon Programme für Kulturmanager oder Journalisten in Entwicklungs- und Transformationsländern aufgelegt. In welcher Richtung wollen Sie weiterarbeiten?

AmadouFallBa (r.) aus Senegal hospitiert im Muffatwerk München im Rahmen des Fortbildungsprogramm Kulturmanagement vom Goethe-Institut, Foto: Goethe-Institut/Enno Kapitza, 2011, Muffathalle München 2011

Mit "Goethe" fit für den Markt: Fortbildung für Kulturmanager

Ich glaube, diese Qualifizierungsprogramme werden auch weiter ein Kernstück unserer Arbeit sein, aber es gibt viele Formate, die in diesem Bereich wichtig sind. Ich war jetzt in Johannesburg, und was mich dort fasziniert hat, war die innerafrikanische Vernetzung: Die Kolleginnen und Kollegen legen Projekte auf, die beispielsweise die Vertriebsstruktur für Musik und Film für Afrika stärken. Ich könnte mir durchaus einen Aspekt vorstellen, der über die reine Qualifizierung hinausgeht und in den Bereich Vertrieb, Vertriebserleichterung von Kulturprodukten geht. Da ist das Goethe-Institut schon seit Jahren aktiv, bisher allerdings ohne diese Aktivitäten zu bündeln und als Leistung, als Kompetenz des Goethe-Instituts darzustellen. Ich glaube, der Bereich Kultur und Entwicklung wird auch einen Schub erhalten, indem man die vielen Angebote, die es gibt, zusammenfasst, nach außen darstellt und daraus die Kompetenz des Goethe-Instituts weiterentwickelt.

Sie haben gerade Vertriebsstrukturen angesprochen. Kultur hat natürlich auch einen ökonomischen Aspekt. Wenn man einmal den Begriff "Creative Industries" statt "Kultur" verwendet, wird das sehr deutlich. Heißt das, dass Sie durch eine Bündelung von Aktivitäten auch diesen ökonomischen Kulturfaktor in Entwicklungs- und Transformationsländern stärken, also einen wirtschaftlichen Impuls geben wollen?

Das ist eine sehr wichtige Frage, mit der wir uns in der Tat auseinandersetzen müssen. Das Goethe-Institut hat - gerade auch in Afrika - Programme, die die Kreativindustrie fördern. Beim bereits angesprochenen Portal zum Vertrieb von Filmen etwa geht es im Moment vor allem darum, Informationen über Filme weiterzugeben, die in den einzelnen Ländern produziert werden. Das Goethe-Institut hat im Moment noch keine dezidierte Position zu den Creative Industries. Wir arbeiten in einzelnen Projekten auch in dieser ökonomischen Unterstützung, aber wir haben noch nicht für uns festgelegt, wo ist das Goethe-Institut gefragt, und ab wann sind es rein kommerzielle Strukturen, die sich dann selber tragen sollten? Das Goethe-Institut wird im Bereich "Creative Industries" immer in einem Vorfeld tätig sein, beispielsweise mit Workshops für Designer, für Architekten, für Städteplaner. Wir werden eher nicht in den echt kommerziellen Betrieb einsteigen. Ich könnte mir aber vorstellen - und wir klären diese Position für uns gerade -, dass wir stärker im Bereich der Qualifizierung der Kreativindustrien tätig werden.

Johannes Ebert ist seit dem 1. März 2012 Generalsekretär des Goethe-Instituts. Seit 1991 ist er für "Goethe" tätig, zuletzt in Leitungspositionen, zum Beispiel als Leiter des Goethe-Instituts Moskau und Leiter der Region Osteuropa/Zentralasien. Zuvor leitete er die Institute in Kiew und Kairo.

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