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Kultur

Goethe-Präsident im Kulturgespräch

Regelmäßig laden wir prominente Gäste ins Funkhaus ein. Jetzt war Klaus-Dieter Lehmann zu Gast, der Präsident des Goethe-Instituts. Er sprach über zukünftige Herausforderungen und warnte vor einseitigem Denken.

Herr Lehmann, 2011 wird das Goethe-Institut 60 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern, aber auch ein Anlass, nach vorne zu schauen: Was werden aus Ihrer Sicht die größten kulturpolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre sein?

Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, im Gespräch mit Aya Bach (Foto: DW)

Lehmann im Kulturgespräch

Klaus-Dieter Lehmann: Die ändern sich, weil sich auch die Welt ändert mit ihren Zentren und Peripherien. Der eurozentrische Blick ist wohl überholt. China kommt, Indien kommt, Brasilien. In dem Moment, in dem sich dort die Wirtschaft so dynamisch entwickelt, ändern sich auch die Gesellschaften. Das heißt: Es wird ein Mittelstand entstehen. Mittelstand bedeutet: Menschen, die ihre Lebensplanung sehr viel konkreter selbst bestimmen. Und dann kommen auch wieder Kultur und Kunst ins Spiel. Das muss man also beachten.

Sie haben gerade von der wirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern gesprochen, die weltweit immer mehr an Bedeutung gewinnen. Glauben Sie, dass es damit auch zu einer Verschiebung der Wertesysteme kommt, dass es gar einen Wettbewerb unterschiedlicher Wertesysteme geben wird?

Das ist schwer zu beurteilen. Sicher ist, dass der Blick derzeit sehr stark durch die Wirtschaft geprägt wird. Nehmen Sie China. Da geht es um Zuwachsraten, um die Möglichkeiten, das Volk so weit zu befrieden, dass alle mehr Geld verdienen, Anschaffungen machen können und so weiter. Was aus dem Blick gerät, ist tatsächlich der Wertekanon. Entweder man lässt die Diskussion darüber nicht zu oder es entwickelt sich ein Fundamentalismus, wie wir das beispielsweise in arabischen Ländern sehen. Da müssen wir jetzt als Goethe-Institut versuchen, damit umzugehen.

Wie könnte das denn konkret möglich sein? Wenn man jetzt mal das Beispiel China herausgreift?

Die wahren Oppositionellen in China sind die Künstler und die Kulturleute. Das Goethe-Institut arbeitet sehr stark mit dieser Klientel zusammen. Aber in einer Weise, dass wir Beispiele unseres Lebens zeigen. Beispiele unserer Ausdrucksformen. Und solche Beispiele sind ja erst mal nur eine Orientierung, regen zum Nachdenken an. Es muss ein sehr sensibler und langsamer Prozess sein. Man darf sich nicht in einem Dialog verhaken, sondern man muss nach Alternativen suchen, um den Stillstand zu beseitigen. Man muss Prozesse anstoßen, darf nicht ungeduldig sein.

Wenn das wirtschaftliche Gewicht eines so riesigen Landes wie China aber zunimmt, könnte es dann nicht auch sein, dass diese Wertediskussion sich verschiebt und dass man sagt: Wir wollen mit der europäischen Aufklärung möglichst wenig zu tun haben, wir sehen zu, dass wir unsere eigenen Werte verteidigen?

Ich möchte ja nur, dass über Werte nachgedacht wird. Derzeit wird ja nur über Geld nachgedacht. Und das ist für eine Gesellschaft verhängnisvoll. Denn in dem Moment, wo der Zahlmeister nicht mehr zahlt, wird diese Gesellschaft brüchig und kritisch in ihrem Verhalten. So dass eine Wertebesinnung auf jeden Fall wichtig ist. Und sie kann auch mit den großen chinesischen Werten und deren Philosophen einhergehen. Es gibt auch einen Begriff der chinesischen Aufklärung.

Das heißt, auch Europa könnte da etwas lernen?

Ich glaube, dass wir in den Dialog eintreten müssen, weil er auch uns bereichern kann. Man sollte sich mit den Dingen befassen, wenn sie wieder ganz lebendig und real diskutiert werden. Der Fundamentalismus ist eine Geisteshaltung, die sich quasi rückwärts gewandt bewegt, er gibt keine Antworten auf eine veränderte Gesellschaft, der Fundamentalismus schottet sich ab. Insofern glaube ich, auch die Europäer müssen offen sein für solche Diskussionen...

...das komplette Interview gibt es unten auf einen Klick!

Das Gespräch führte: Aya Bach

Redaktion: Marlis Schaum