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Kultur

Goethe-Medaillen: Preisgekrönte Kulturvermittler

Sie werben in Kalkutta, Teheran und Athen für deutsche Kultur: Übersetzer Mahmoud Hosseini Zad, Verleger Naveen Kishore und Autor Petros Markaris. Die drei literarischen Grenzgänger haben die Goethe-Medaille erhalten.

Weimar (Thüringen): Die Goethe-Medaille, aufgenommen am 22.03.2000 in Weimar. Die Goethe-Medaille wird seit 1954 an Persönlichkeiten verliehen, die sich im Ausland um die deutsche Sprache und den internationalen Kulturaustauch verdient gemacht haben.

Goethe-Medaille Literatur Weimar

Es klingt wie ein politisches Bekenntnis dieser Tage, was Johann Wolfgang von Goethe in zwei knappen Gedichtzeilen auf den Punkt brachte: "Orient und Okzident / sind nicht mehr zu trennen". Der Satz aus dem "West-östlichen Divan", der aus Begeisterung für den persischen Dichter Hafis hervorging, könnte wie ein Motto über der diesjährigen Verleihung der Goethe-Medaille stehen. Sie zeichnet ausländische Persönlichkeiten aus, die sich um Kulturaustausch und Vermittlung der deutschen Sprache verdient gemacht haben. 1954 vom Goethe-Institut gestiftet, ist sie inzwischen offizieller Orden der Bundesrepublik. Diesmal werden drei Literaten gewürdigt, denen Grenzgänge zwischen Ost und West bestens vertraut sind.

Hosseini Zad: Begeisterung für Brecht

So wie der iranische Übersetzer Mahmoud Hosseini Zad - laut Jury "der bedeutendste Übersetzer zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur ins Persische". 1946 in der Provinz Teheran geboren, kommt er in den 60er Jahren nach München, um Politik und Sozialwissenschaften zu studieren. Schnell entdeckt er seine Liebe zur deutschen Literatur: Zurück im Iran, wird er Germanistik-Dozent. Schon als junger Mann hat Hosseini Zad vor allem die Moderne im Blick. Bertolt Brecht begeistert ihn so, dass er dessen Theaterstücke übersetzt. "Klassische Werke zu übersetzen, überzeugt mich nicht so sehr", bekennt er später. "Das Beste aus diesem Bereich ist längst übersetzt, und die Werke, die nicht gut sind, braucht man nicht zu übersetzen."

Porträt Mahmoud Hosseini Zad Quelle: Khabaronline.ir

Der iranische Übersetzer Mahmoud Hosseini Zad

Heute widmet er sich am liebsten zeitgenössischen Autoren wie Ingo Schulze und Uwe Timm, die sich mit der jüngeren deutschen Geschichte befassen. Oder Judith Hermann, die dem Lebensgefühl der heutigen Bohème- und Künstler-Szene nachspürt. Als Übersetzer reizt ihn die, wie er sagt, "einfache Sprache" deutscher Gegenwarts-Autoren. "Dazu kommt: Man kann unter ihren Protagonisten Menschen aus unterschiedlichen Kulturen finden. Auch das ist für mich von großer Bedeutung". Mehr als ein Dutzend Bücher hat Mahmoud Hosseini Zad inzwischen übersetzt – und dazu beigetragen, dass aktuelle deutschsprachige Literatur im Iran deutlich bekannter ist als die anderer Sprachen.

Petros Markaris: kritische Distanz

Für deutsche Literatur hat sich auch der Athener Schriftsteller Petros Markaris immer wieder eingesetzt.1937 in Istanbul als Sohn griechisch-armenischer Eltern geboren, geht er dort aufs österreichische Gymnasium, zieht nach Athen, studiert in Wien und Stuttgart, spricht Türkisch, Griechisch und Deutsch gleichermaßen. Bertolt Brecht wird auch für Markaris zur Schlüsselfigur, auch er übersetzt seine Theaterstücke: "Er hat mich gelehrt, wie man als Schriftsteller ein guter Beobachter sein kann", sagt er – und meint die kritische Distanz, mit der Brecht auf die Welt blickt. "Wenn ich in einer Taverne mit Freunden über Griechenland und die Krise diskutiere, bin ich ganz aufgeregt. Wenn ich schreibe, bin ich ganz distanziert. Ich glaube, man muss den Leuten durch das literarische Werk jene Seiten der Realität beibringen, die im Alltag, in der Politik, in den Medien nicht klar auftreten."

Petros Markaris, Träger der Goethe-Medaille 2013, am Schreibtisch in seiner Athener Wohnung Datum: 16.08.2013 (Foto: Ulrike Sommer)

Vermittelt zwischen Griechen und Deutschen: Petros Markaris

Während die deutsche Kanzlerin den Griechen einen rigiden Sparkurs diktiert und im Gegenzug mitunter als Nazi beschimpft wird, schreibt Markaris gegen den Klimawandel zwischen Griechenland und Deutschland an, etwa in Artikeln und Kommentaren, die in deutschen Zeitungen erscheinen. Und natürlich in seinen hochspannenden Krimis, die einen unbestechlich scharfen Blick auf Korruption, faule Kredite und Hedgefonds werfen. Doch den Glauben an Europa gibt er nicht auf: "Wir haben alle Fehler gemacht. Aber wir müssen die Fehler korrigieren und wieder richtig stellen, was nicht funktioniert hat. Dass wir das Ganze auflösen, wäre doch die Tragödie, und zwar im antiken Sinn." Markaris wird nun geehrt als Autor, der "ein authentisches Bild von Griechenland" vermittelt und in seiner Heimat ein "ehrlicher Anwalt Deutschlands" ist.

Naveen Kishore: Anwalt deutscher Literatur

Den dritten Träger der Goethe-Medaille schließlich kann man getrost als Anwalt der deutschsprachigen Literatur bezeichnen: den Inder Naveen Kishore, der seit 1982 in Kalkutta den Seagull-Verlag betreibt. Sein Markenzeichen: englischsprachige Übersetzungen deutschsprachiger Literatur. "Ich hatte immer das Gefühl, dass deutsche und französische Poesie, Philosophie und Literatur in mir einen Raum der Hoffnung erschaffen", sagt der heute 60-Jährige, "nicht aus politischer oder wirtschaftlicher Sicht, sondern als eine Art literarischer Wert".

Als junger Mann hatte er reichlich Gelegenheit, deutsche Literatur in englischer Sprache zu lesen – denn die wurde damals von britischen und amerikanischen Verlagen veröffentlicht. "Irgendwann schien das aber kommerziell nicht mehr profitabel zu sein", erklärt Kishore. Um die Lücke zu füllen, sprang er selbst in die Bresche. "So entstand die Zusammenarbeit mit dem Verlag Gallimard in Frankreich und dem Suhrkamp-Verlag in Deutschland". Andere Kooperationspartner folgten.

Naveen Kishore, Träger der Goethe-Medaille 2013 (Foto: Sirsho Bandopadhyay)

Naveen Kishore, der Verleger von Seagull Books

Goethe-Medaille: Brücke zwischen Ost und West

Inzwischen zählt zu Kishores Partnern auch das Goethe-Institut, mit dem er die Reihe "The German List" herausbringt. In den vergangenen fünf Jahren hat er mehr als 60 Lizenzen von deutschen Verlagen erworben – und dazu beigetragen, deutschsprachige Literatur weit über Indien hinaus zu verbreiten. Seagull hat inzwischen Dependancen in London und New York. Doch von der Zentrale in Kalkutta aus hat das kleine Unternehmen mit seinen neun festangestellten Mitarbeitern eine Revolution auf dem Buchmarkt ausgelöst: Mit einigen hundert Werken deutscher Autoren in englischer Übersetzung ist Naveen Kishores Verlag inzwischen der größte Anbieter deutschsprachiger Literatur.

Drei Preisträger, drei Grenzgänger: Die Goethe-Medaillen, die jetzt in Weimar verliehen wurden, setzen einen kulturpolitischen Akzent. Die Verbindung von Ost und West, für Goethe vor knapp 200 Jahren eher eine literarische Schwärmerei, füllen alle drei heute sehr konkret mit Leben.

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