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Deutschlehrer-Info

Goethe-Institut: Lehrkräfte fühlen sich diskriminiert

Lehrkräfte an Sprachschulen arbeiten meist frei, sind aber dennoch fest in den Betriebsablauf eingebunden. Rechtmäßig ist das wahrscheinlich nicht. Das Goethe-Institut hat nun drastische Konsequenzen gezogen.

Plötzlich dürfen sie nicht mehr ins Lehrerzimmer und nicht mehr an Konferenzen teilnehmen. Sie dürfen nicht mehr in die Bibliothek, selbst die Teeküche dürfen sie nicht mehr benutzen: So hatten sich die Honorarlehrkräfte an den deutschen Goethe-Instituten ihre neuen Vertragsbedingungen nicht vorgestellt.

Als Anfang des Jahres die Deutsche Rentenversicherung (DRV) bei einer Überprüfung der Honorarverträge festgestellt hatte, dass diese möglicherweise nicht rechtmäßig seien, war das für viele freie Mitarbeiter noch ein Anlass zur Hoffnung. Durch die Lösung, die das Goethe-Institut nun gefunden hat, fühlen sich die Lehrkräfte jedoch diskriminiert.

Frei oder nicht?

Der Hintergrund: Etwa 80 Prozent der Sprachlehrkräfte an den Goethe-Instituten im Inland arbeiten freiberuflich auf Honorarbasis und erhalten Verträge nur für die Dauer eines Sprachkurses. Sie bekommen ein Honorar von derzeit 37 Euro pro Stunde – mehr als bei vergleichbaren Anbietern –, müssen aber ihre Krankenversicherung oder Altersversorge selbst bezahlen. Im Falle von Krankheit oder Arbeitslosigkeit sind sie nicht abgesichert.

Zugleich waren Honorarlehrkräfte bislang weisungsgebunden, hatten einen festen Arbeitsplatz sowie feste Arbeitszeiten. Ihre Arbeit unterschied sich kaum von der ihrer festangestellten Kollegen. All das sind Kriterien, die einer selbstständigen Tätigkeit widersprechen und auf eine sogenannte Scheinselbstständigkeit hindeuten. Das sah auch die DRV so. Für die Honorarlehrkräfte lag dabei die Lösung auf der Hand: Festanstellung statt freier Mitarbeit.

Bestimmungen sorgen für Empörung

Goethe-Präsident Klaus-Dieter Lehmann

Goethe-Präsident Klaus-Dieter Lehmann

70 feste Stellen hat das Goethe-Institut im Jahr 2017 tatsächlich geschaffen, allerdings nur befristet. Ansonsten vergab das Goethe-Institut von Januar bis Mai zunächst einmal gar keine neuen Lehraufträge mehr. Es war aber klar, dass sich an dieser Situation zum Sommer hin etwas ändern musste, denn in dieser Zeit ist die Nachfrage nach Deutschkursen an den Goethe-Instituten am höchsten. Anfang Juni dann verkündete dass Goethe-Institut, dass man in Absprache mit der DRV eine Lösung gefunden habe. „Es werde noch stärker deutlich gemacht, dass freie Mitarbeiter nicht in den Betrieb eingebunden seien“, betonte Institutspräsident Klaus-Dieter Lehmann.

Wie konsequent diese Ankündigung umgesetzt wurde, zeigen nun die neuen Honorarverträge: Neben dem Zutritt zu Lehrerzimmer und Bibliothek ist Honorarlehrkräften nun auch verboten, den Kopierer zu benutzen oder an internen Besprechungen und Schulungen teilzunehmen. Den Schlüssel für die Kursräume erhalten sie immer nur am jeweiligen Tag. Interessensverbände wie das Bündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte sprechen von „einem Schlag ins Gesicht“ und „demütigenden Bestimmungen“, unter denen die Qualität des Unterrichts leiden werde.

Auch finanzielle Veränderungen

Doch nicht nur die Organisation der alltäglichen Arbeit ist von der Neuregelung betroffen, auch die finanziellen Auswirkungen können offenbar erheblich sein. Nach Angaben von betroffenen Lehrkräften, die vom Goethe-Institut bestätigt wurden, dürfen Honorarlehrkräfte maximal sieben Monate im Jahr fürs Goethe-Institut arbeiten, und zwar jeweils drei Monate hintereinander mit einer Pause von einem Monat dazwischen. Der Umsatz der Lehrkraft darf in diesen sieben Monaten höchstens 30.000 Euro betragen. 

Vertreter vom Bündnis DaF/DaZ-Lehrkräfte befürchten, dass in Zukunft auch andere Deutschkursanbieter ihre Bestimmungen entsprechend ändern könnten, sollten auch sie von der DRV geprüft werden.

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