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Wirtschaft

GM-Europa-Zentrale zieht nach Rüsselsheim

General Motors will die Marke Opel stärken und verlegt deshalb seine Europa-Zentrale an den Standort Rüsselsheim. Unterdessen sorgen mögliche Staatshilfen zur Opel-Rettung weiter für Diskussionen.

Die Konzernzentrale von Opel in Rüselsheim (Foto: dpa)

Umzugsziel ist der Opel-Stammsitz in Rüsselsheim

Bis Jahresende soll der Umzug der rund 150 Mitarbeiter von General Motors (GM) aus Zürich nach Rüsselsheim abgeschlossen sein. Das bestätigte am Samstag (14.11.2009) ein Unternehmenssprecher. Nach dem Verkauf von Saab wolle sich der US-Konzern in Europa nun auf seine Tochter Opel, die ihren Stammsitz in Rüsselsheim hat, und die Marke Chevrolet konzentrieren. Deren Verwaltung soll in Zürich bleiben.

"Mit dem Verkauf der Tochter Saab hat die Mehrmarkenstrategie von GM nicht mehr gegriffen", erklärte der Unternehmenssprecher die Entscheidung für die Verlegung der Europa-Zentrale. Mit dem Umzug nach Rüsselsheim wolle GM "die Marke Opel und den Standort stärken". Verwaltung, Entwicklung und Produktion sollen nun in Rüsselsheim zusammengeführt und damit die Verwaltungsstruktur in Europa gestrafft werden. Seit Mitte der 80er Jahre hat GM seine Europa-Zentrale in der Schweiz.

Umzug als Reaktion auf Kritik?

Zentrale von General Motors in Detroit (Foto: AP)

General Motors will Opel selbst sanieren

Die Standortentscheidung wird von Experten als Reaktion von GM auf die öffentliche Kritik an dem Gezerre um die Zukunft von Opel gewertet. Anfang November hatte der wiedererstarkte US-Konzern überraschend entschieden, Opel doch nicht an den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna zu verkaufen, sondern aus eigener Kraft zu sanieren.

Der Betriebsrat begrüßte die GM-Entscheidung zum Umzug. "Das ist eine logische Konsequenz und eine Hommage an den Standort Rüsselsheim", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Klaus Franz. Das Opel-Stammwerk Rüsselsheim liegt südwestlich von Frankfurt am Main und ist mit rund 15.600 Mitarbeitern das Herz von Opel. In dem Werk läuft der neue Mittelklassewagen Insignia vom Band. Außerdem ist in Rüsselsheim das Internationale Entwicklungszentrum (ITZ) angesiedelt.

Diskussion um mögliche Staatshilfen

Ein Fähnchen mit der Aufschrift 'Wir sind Opel' weht vor der Opel-Zentrale in Rüsselsheim (Foto: AP)

Opel-Mitarbeiter hoffen auf den Erhalt ihrer Arbeitsplätze

Die Bundesregierung wies unterdessen einen "Spiegel"-Bericht über einen sich anbahnenden Streit wegen möglicher Staatshilfen für GM zur Rettung von Opel zurück. Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte am Samstag, es sei bisher kein solcher Antrag gestellt worden. Und wenn es ihn geben sollte, werde er nach dem üblichen Verfahren geprüft.

Der "'Spiegel" hatte berichtet, die Erklärung von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), GM verlange keine deutschen Hilfen mehr, sei im Kanzleramt und im Finanzministerium auf Verwunderung gestoßen. Beide Ressorts rechnen dem Bericht zufolge damit, dass der US-Konzern einen Antrag auf Staatshilfen stellen werde. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) seien grundsätzlich bereit, Hilfen für Opel bereitzustellen, auch wenn der Autobauer im Besitz von GM bleibe, hieß es laut "Spiegel" in beiden Häusern.

Sanierungskosten doppelt so hoch?

Opel-Zentrale in Rüsselsheim (Foto: AP)

Neuer Standort: Opel-Zentrale in Rüsselsheim

Brüderle hatte am Donnerstag im deutschen Fernsehen erklärt, GM wolle keine deutschen Staatshilfen für die Tochterfirma Opel. Das habe Verwaltungsratschef Ed Whitacre erklärt. Dagegen hatte eine Sprecherin von GM Europa betont, für eine Opel-Rettung würde Hilfe von allen Seiten benötigt. Dazu zähle auch die Unterstützung durch Staaten und Mitarbeiter.

Die Sanierung wird nach Angaben des Opel-Aufsichtsratsmitglieds und IG-Metall-Chefs von Hessen, Armin Schild, teurer werden als bisher von GM angegeben. Statt der bisher eingeplanten drei Milliarden Euro koste die Restrukturierung "über sechs Milliarden, wahrscheinlich eher sieben Milliarden Euro", sagte Schild der "Wirtschaftswoche".

Experte: Opel hat ein Produktproblem

Nach Meinung von Experten hat Opel allerdings weniger ein Kosten- als vielmehr ein Produktproblem. Der Autobauer müsse deshalb dringend seine Modellpalette erweitern, "da werden die Modelle Astra und Insignia bei Weitem nicht ausreichen", sagte der Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach, Stefan Bratzel, dem Branchenblatt "Automobilwoche". GM und Opel müssten jetzt eine Strategie entwickeln, wie sie im Wettbewerb bestehen wollen.

Autorin: Ursula Kissel (dpa/ ap/afp)
Redaktion: Dirk Eckert

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