1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

GM bekommt neuen Chef - schon wieder

Der US-Autobauer General Motors macht sich hübsch für eine Rückkehr an die Börse. Neben glänzenden Zahlen hatte GM-Chef Ed Whitacre aber noch eine Überraschung im Gepäck: Er kündigte seinen Rücktritt an.

Autos aus dem GM-Konzern (Foto: AP)

Sind wieder gefragt: Autos aus dem GM-Konzern

Eigentlich habe er keine Ahnung von Autos - das hatte Ed Whitacre kurz vor seiner Machtübernahme bei GM im Dezember 2009 offen bekannt. Mangelnde Fachkenntnis wird ihm ein gutes halbes Jahr später sicher niemand vorwerfen. In Rekordzeit verwandelte der 68-Jährige den krisengeschüttelten US-Autoriesen in einen hochprofitablen Konzern. Der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören, sagt Whitacre.

Vom Pleite- zum Börsenkandidaten

Der künftige GM-Chef Dan Akerson (Foto: AP/The Carlyle Group)

...und übergibt die Führung bei GM an Dan Akerson

Zunächst hatte General Motors am Donnerstag (12.08.2010) nur Zahlen vorgelegt - und zwar positive: Im zweiten Quartal dieses Jahres verbuchte der Konzern einen Gewinn von gut 1,3 Milliarden Dollar. Deutlich schwarze Zahlen also, nachdem GM erst zu Jahresbeginn nach langer Durststrecke die Verlustzone verlassen hatte. Vorausgegangen war eine Radikalkur, die unter anderem den Abbau Zehntausender Stellen beinhaltete.

Dann die eigentliche Überraschung: Der Rücktritt des Firmenchefs - nach nur einem guten halben Jahr. Mission erfüllt - so könnte man die Hintergründe kurz zusammenfassen. Oder in Whitacres Worten: Sein Ziel sei es gewesen, GM wieder auf Erfolgskurs zu bringen. "Wir sind eindeutig auf diesem Weg. Es gibt eine gute Basis." Deshalb sei nun der richtige Zeitpunkt für seinen Abgang gekommen.

Nachfolger ebenfalls aus der Telekom-Branche

GM-Noch-Chef Ed Whitacre (Archivfoto: AP)

Der "Alte": Ed Whitacre hört auf...

Fachleute hatten prinzipiell zwar erwartet, dass der 68-Jährige fast zwei Meter große Manager ("Big Ed") in absehbarer Zeit seinen Rückzug ankündigen würde. Dass sein Rücktritt jedoch so kurz vor dem geplanten Börsengang erfolgt, überraschte die Branche. Den Börsengang wird nun Whitacres Nachfolger begleiten müssen: Dan Akerson, 61 Jahre alt, Geschäftsführer des Finanzinvestors Carlyle und vor gut einem Jahr von der US-Regierung in den Verwaltungsrat von GM entsandt. Wenn er am 1. September den neuen Posten übernimmt, ist er der vierte GM-Chef innerhalb von weniger als zwei Jahren.

Es sei noch zu früh, seine Strategie für den Konzern zu erläutern, sagte Akerson. Er sei Whitacre dankbar, dass er noch bis Ende des Jahres Chef der Verwaltungsrats bleibe. Anschließend übernimmt Akerson auch dieses Amt. Beide Manager kommen ursprünglich aus der Telekommunikationsbranche: Whitacre war früher Chef beim Ex-Telefonmonopolisten AT&T, Akerson hatte Führungspositionen bei MCI, ehemals eine der größten Telekom-Firmen der Welt.

Gigantischer Börsengang

Experten erwarten, dass es einer der größten Börsengänge aller Zeiten wird. Bis zu 20 Milliarden Dollar will GM bei Investoren einsammeln und die vom Vorstand als Fessel empfundene Staatsbeteiligung abstreifen. Die US-Regierung hatte den gestrauchelten Konzern im vergangenen Jahr mit 50 Milliarden Dollar an Steuergeldern vor dem Aus gerettet. Seither hält der Staat knapp 61 Prozent an dem einst größten Autobauer der Welt.

Eine wichtige Hürde für den Börsengang hat GM bereits genommen: Der Konzern einigte sich mit Großbanken auf eine Kreditlinie über fünf Milliarden Dollar. Damit soll den Investoren an der Wall Street Sicherheit über die Finanzlage des Konzerns gegeben werden. Die Unterlagen für den Börsengang sollen in Kürze eingereicht werden.

Insolvenz im Eilverfahren

In einem bisher beispiellosen Verfahren hatte der Autoriese während der Blitzinsolvenz seine Altlasten abgeschüttelt. Mehrere Fabriken wurden geschlossen und die Zahl der US-Marken zusammengestrichen - nur Chevrolet, GMC, Buick und Cadillac blieben. Von den Verlustbringern Hummer, Saab und Saturn trennte man sich.

Auch die defizitäre europäische Tochter Opel sollte zunächst abgestoßen werden, blieb nach langem Ringen aber doch in dem neuen Konzern. Nach einem monatelangen Gezänk um deutsche Staatsbürgschaften entschied GM schließlich, den Rüsselsheimer Traditionsautobauer selbst zu sanieren. In diesem Bereich gibt es indes noch Handlungsbedarf: Im Europageschäft, für das Opel steht, schrieb GM im zweiten Quartal mit seinen Geschäften weiter rote Zahlen.

Autor: Frank Wörner (rtr, dpa, afp)
Redaktion: Ulrike Quast

Audio und Video zum Thema