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Aktuell Welt

Glyphosat doch nicht so gefährlich?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält das umstrittene Herbizid für wahrscheinlich doch nicht krebserregend. Ein Bericht platzt quasi mitten hinein in die Entscheidung der EU über eine weitere Zulassung.

Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel des US-Konzerns Monsanto ist nach einem Bericht des gemeinsamen Sachverständigenausschaues für Pestizidrückstände vermutlich nicht krebserregend. Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme für Menschen ein Krebsrisiko darstelle, stellten Experten der Weltgesundheitsorganisation und der Welternährungsorganisation (FAO) fest. Die Chemikalie löse vermutlich auch keine Veränderungen des menschlichen Erbguts aus, lautete das Urteil nach Tiertests mit für Menschen relevanten Dosen des Mittels.

Die Angaben widersprechen den Ergebnissen einer Untersuchung der Internationalen Behörde für die Krebsforschung (IARC), die in Lyon ansässig ist und zur WHO gehört. Die IARC hatte Glyphosat noch im März 2015 als wahrscheinlichen Krebserreger eingestuft.

Große Koalition in Berlin zerstritten

In Deutschland streitet die Regierung derzeit darüber, ob die Zulassung von Glyphosat in der Europäischen Union verlängert werden soll. Die sozialdemokratische Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte angekündigt, die SPD-Ressorts würden eine Wiederzulassung des Herbizids in der EU ablehnen. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) erklärte daraufhin, er habe "überhaupt kein Verständnis für die Rolle rückwärts" von Hendricks. Inzwischen hat sich das Kanzleramt in den Streit eingeschaltet.

Die EU stimmt in dieser Woche über die weitere Zulassung des Pestizids ab. Frankreich will dagegen votieren. Sollten die deutschen Ministerien kein Einvernehmen erzielen, wird sich Deutschland bei der Abstimmung enthalten. Derzeit ist unklar, ob eine Mehrheit für eine Verlängerung zustande kommt.

Noch einmal neun Jahre?

Nach einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden EU-Entwurf soll Glyphosat für weitere neun Jahre zugelassen werden. Damit kam die EU-Kommission bereits Bedenken entgegen, denn ursprünglich sollte die Nutzung für weitere 15 Jahre genehmigt werden. Das EU-Parlament hatte sich dagegen für eine auf sieben Jahre befristete Wiederzulassung ausgesprochen.

Glyphosat ist weltweit das am häufigsten eingesetzte Herbizid. Es wird seit den 70er Jahren in der Landwirtschaft genutzt. Monsanto vertreibt es unter dem Markennamen Roundup und erzielte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar. Auch andere Konzerne produzieren das Mittel.

SC/qu (rtr, dpa, ARD)