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Gutachten einer EU-Behörde

Glyphosat angeblich doch nicht krebserregend

Umweltverbände laufen gegen das Pflanzengift Sturm und fordern ein EU-weites Verbot. Doch ein neues - wohl wegweisendes - Gutachten weist in eine ganz andere Richtung.

Südarika Landwirtschaft (picture-alliance/WILDLIFE/M. Harvey)

Auch auf deutschen Feldern wird der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat massenhaft eingesetzt

Experten der europäischen Chemikalienagentur ECHA, halten die massenhaft als Unkrautvernichter eingesetzte Chemikalie Gyphosat für nicht krebserregend. Das Herbizid erfülle nicht die Kriterien, als "karzinogen, mutagen oder schädlich für die Fortpflanzung" eingestuft zu werden, erklärte das Komitee für Risikoanalyse der EU-Behörde in Helsinki. Die Fachleute wiesen allerdings darauf hin, dass Glyphosat schwere Augenschädigungen hervorrufe und für das Wasser-Ökosystem giftig mit "lang anhaltenden Folgen" sei.

ECHA-Gutachten als Entscheidungshilfe für EU-Kommission

Das Gutachten gilt als wegweisend für eine Entscheidung der EU-Kommission zum künftigen Umgang mit dem Pflanzengift. Im vergangenen Sommer hatte die EU-Behörde beschlossen, das Mittel bis Ende 2017 weiter zuzulassen, weil sich die EU-Länder nicht auf ein Verbot einigen konnten, obwohl die Chemikalie unter anderem als krebserregend galt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte das Pflanzenschutzmittel 2015 noch als "wahrscheinlich karzinogen" ein, änderte die Einschätzung aber im vergangenen Jahr und hält Glyphosat inzwischen für "unbedenklich".

Der amerikanische Monsanto-Konzern, der im vorigen Jahr vom deutschen Chemie-Riesen Bayer gekauft wurde, setzt das Mittel unter dem Markennamen "Roundup" ein und macht damit Milliardenumsätze. Glyphosat gilt als entscheidend für eine Ertragssteigerung in der Landwirtschaft. In Deutschland wird die Chemikalie auf rund 40 Prozent aller Felder verwendet. 

Protest gegen das Pflanzenschutzmittel Glyphosat (picture-alliance/dpa/A. Heimken)

Aktivisten protestieren in Hamburg gegen die weitere Verwendung der Chemikalie (Archivbild)

Umweltverbände sind alarmiert

Die Umweltorganisation BUND rief dazu auf, die Zulassung des Unkrautvernichters zum Jahresende auslaufen zu lassen. "Eine weitere Verlängerung der Zulassung wäre fahrlässig", sagte die Pestizidexpertin Heike Moldenhauer. Das Pflanzengift sei nicht nur für Menschen gesundheitsgefährdend, sondern auch maßgeblich für das Artensterben in der Agrarlandschaft verantwortlich.

Eine europäische Bürgerinitiative, bei der Umweltorganisationen aus 13 Ländern mitmachen, will bis Ende Juni eine Million Unterschriften gegen das Unkrautgift sammeln und ein EU-weites Verbot durchsetzen.

Die Einstufung durch die Chemikalienagentur sei "unverständlich für alle, die besseren Schutz vor unverantwortlichen und unnötigen Risiken fordern", erklärte Harald Ebner, Glyphosat-Experte der Grünen-Bundestagsfraktion. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament, Martin Häusling, sieht in der Entscheidung der ECHA ein Schlupfloch für die EU-Kommission, um nach der 18-monatigen Übergangsfrist den Unkrautvernichter wieder in der EU für die nächsten Jahre zuzulassen.

Der Industrieverband Agrar begrüßte das Gutachten dagegen. "Die ECHA bestätigt, was Zulassungsbehörden in aller Welt immer wieder festgestellt haben: Glyphosat ist nicht krebserregend", meinte der kommissarische Agrar-Hauptgeschäftsführer Dietrich Pradt. Er forderte die Bundesregierung auf, sich für einen zügigen Genehmigungsprozess in Brüssel einzusetzen. SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks sagte der Deutschen Welle, falls der Stoff weiter zugelassen werde, gehe das nur mit strengen Anwendungsbestimmungen. Sie erwarte, dass die EU-Kommission einen Vorschlag mache, der das klar beachte.  

se/sti (afp, dpa, dw) 

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