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Deutschland

Glosse: Heia Safari

Sieben Bundestagsabgeordnete aus allen Fraktionen haben sich auf eine Safari nach Kenia begeben - auf Steuerzahlers Kosten. Eigentlich sollte es bei der Reise um die Klimaerwärmung gehen. Aber ging es das wirklich?

Zwei Elefanten verknoten ihre Rüssel (AP Photo/Karel Prinsloo)

Reisen, hat schon Geheimrat Goethe gewusst, bildet ungemein. Insofern kann es absolut nicht schaden, wenn Bundestagsabgeordnete hin und wieder ihre Hinterbänke verlassen, um in der großen weiten Welt ihren geistigen Horizont zu erweitern. Zum Nutzen der Politik in Deutschland - damit also selbstverständlich auf Steuerzahlers Kosten.

Elefanten im Amboseli National Park. Foto: Helle M Jeppesen

Spannendes Reiseziel in Kenia und Heimat vieler Elefanten: der Amboseli National Park

Da die Klimaerwärmung zu den ganz heißen Eisen gehört, haben sieben umweltpolitisch bewegte Parlamentarier aus allen Fraktionen für zehn Tage eine Reise dorthin angetreten, wo es jetzt schon mächtig warm ist: nach Afrika. Auf dem Papier ging diese Allparteien-Truppe als Teil der offiziellen Delegation von Umweltminister Gabriel zu einer UNO-Umweltkonferenz in Nairobi auf Tour. Allerdings stand von vornherein fest: weder der Chef dieser UNO-Veranstaltung noch Kenias Umweltminister würden Zeit für die Besucher aus der Bundesrepublik haben. Aber irgendwie haben sie die paar Pflichtstunden bei dem Kongress sicher schon rumgekriegt, bevor es für sie mit dem anstrengenden Programm richtig losging: Mit Safaris in die schönsten Nationalparks von Kenia und Tansania. Zum Beispiel zum Mount Kenya, einem schneebedeckten Bergmassiv oberhalb des tropischen Regenwalds. Fragt sich nur, welche Rückschlüsse die Reiseteilnehmer daraus für ihre Umweltpolitik ziehen wollen. Etwa ob es dem tropischen Regenwald schon geholfen hat, dass Millionen deutscher Biertrinker für dessen Erhalt ihre Leber strapazieren? Schließlich behauptet ja eine deutsche Brauerei, dass mit jedem verkauften Kasten ihres Gerstensaftes immer auch ein Stück Regenwald gerettet wird.

Sonnenaufgang über dem Victoriasee. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth)

Sonnenaufgang über dem Victoriasee - wer würde das nicht gerne erleben

Nashörner in Deutschland?

Aber welchem Zweck diente der Abstecher an den Victoriasee mit anschließendem Dinner und Übernachtung am Ufer? Denkt man etwa daran, den Victoriabarsch auch im Rhein anzusiedeln? Vielleicht wollen sich die Parlamentarier aber einfach nur einen persönlichen Eindruck davon verschaffen wie das so ist, wenn die Klimaerwärmung rasant fortschreitet und es in Deutschland eines Tages so heiß werden sollte wie in Afrika. Darauf muss man durch eine politische Horizonterweiterung natürlich vorbereitet sein. Ebenso auf die Frage, welchen Lebensraum Deutschland Tieren wie Elefanten, Nashörnern und Zebras bieten muss, um ihnen künftig hier ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Sonst würde eine dreitägige Tour mit dem Jeep durch den Serengeti-Nationalpark wenig Sinn machen. Wohl nicht ohne Grund behaupten Politiker immer wieder, eine verantwortungsbewusste Umweltpolitik bedeute schließlich, die Zukunft vorauszudenken.

Übrigens: die Reisegruppe interessierte sich auch für die Einheimischen. Zum stressigen Programm gehörte nämlich auch ein Besuch in einem Massai-Dorf. Bei solchen Gelegenheiten greifen die Massai-Männer für die Touristen gern zu ihren Speeren und führen für Europäer eigenartige Luftsprünge vor. Doch den Parlamentariern ging es bestimmt darum herauszufinden, wie man die Integration der zahlreichen in der Bundesrepublik lebenden Massai-Krieger noch verbessern kann. Da zahlen sich die Kosten für diese Reise gleich doppelt aus: für Mensch und Tier. Bestimmt aber für die Parlamentarier, die umsonst erleben durften, wofür andere Touristen zigtausend Euro hinblättern.